20. Februar 2026

Das Signal von Ursula Poznanski

Ursula Poznanski: Das Signal, Knaur Verlag, 2026

Nach einem Unfall verliert die junge Innenarchitektin Viola Decker ein Bein – und plötzlich wird ihr eigenes Zuhause zur Hürde. Das abgelegene alte Haus ist nicht barrierefrei, der dringend nötige Umbau lässt auf sich warten. Viola bleibt im Erdgeschoss zurück, abhängig von der Hilfe ihres Mannes Adam und einer wortkargen Pflegerin, deren Nähe sich oft wie Kontrolle anfühlt.

Als immer wieder wichtige Dinge aus ihrer Reichweite verschwinden, beginnt Viola, sie mit kleinen GPS-Trackern zu versehen. Eine praktische Lösung – bis sie feststellt, dass auch Adams Verhalten Fragen aufwirft. Er kommt häufiger spät nach Hause, seine Erklärungen wirken brüchig.

Aus Unsicherheit wird bald Misstrauen. Warum belügt Adam sie? Langsam wächst in Viola das beklemmende Gefühl, dass auch hinter ihrem Unfall vielleicht mehr stecken könnte, als sie denkt …

Titel: Das Signal Autorin: Ursula Poznanski Verlag: Knaur Seitenzahl: 400 Genre: Psychothriller Erschienen: 02.02.2026 Ausgaben: Hardcover, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-3-426-56812-5 (HC) Sonstiges: Karte

Über Ursula Poznanski

Ursula Poznanski, geboren in Wien, studierte sich einmal quer durch das Angebot der dortigen Universität, bevor sie nach zehn Jahren die Hoffnung auf einen Abschluss begrub und sich als Medienjournalistin dem Ernst des Lebens stellte. Nach der Geburt ihres Sohnes begann sie Kinderbücher zu schreiben. Ihr Jugendbuchdebüt Erebos erhielt zahlreiche Auszeichnungen (u. a. den Deutschen Jugendliteraturpreis) und machte die Autorin international bekannt.

Ursula Poznanski ist Autorin zahlreicher Bestseller. Ihr neuestes Buch heißt "Das Signal".

Ursula Poznanskis Bücher sind regelmäßig auf den oberen Plätzen der Spiegel-Bestsellerliste zu finden und werden in den Feuilletons namhafter Zeitungen und auf den Kulturseiten im Netz besprochen. Inzwischen ist sie eine der erfolgreichsten Jugendbuchautorinnen im deutschsprachigen Raum und schreibt zudem Thriller-Bestseller für Erwachsene. Sie lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien. Immer wieder greift Ursula Poznanski in ihren Büchern aktuelle technische Neuerungen auf und bleibt somit am Puls der Zeit. Ihr letzter Psychothriller Die Burg, in dem künstliche Intelligenz eine große Rolle spielt, wurde ebenfalls ein großer Erfolg. Mit ihrem neuen Buch Das Signal setzt sie nun diesen Erfolgskurs fort.

Das Signal – ein Psychothriller voller Raffinesse

Ursula Poznanski hat es wieder einmal vollbracht. Ich muss sagen, dass mich ihre Bücher bisher nur selten enttäuscht haben. Ob es nun ihre Jugendbücher sind, oder die Bücher für Erwachsene, man kann ein spannendes Lesevergnügen erwarten. Mir hat schon ihr Thriller Die Burg (2024) recht gut gefallen oder auch ihr vorletztes Jugendbuch Scandor (2024). Ursula Poznanski versteht es wie kaum eine andere, aktuelle Themen in packende Geschichten zu verwandeln. Ob Jugendroman oder Thriller für Erwachsene – ihre Bücher zeichnen sich durch Spannung, Tempo und psychologisches Feingefühl aus. Mit Das Signal legt sie nun einen neuen Psychothriller vor, der genau dort ansetzt, wo Sicherheit zur Illusion wird.

Der Knaur Verlag war so freundlich mir ein E-Book zur Rezension zur Verfügung zu stellen. Schneller habe ich wohl selten ein Buch gelesen. Hier meine Eindrücke.

Ein Leben, das nun nicht mehr so ist

Schauplatz ist Wien, Poznanskis Heimatstadt. Hier führt Viola Decker scheinbar ein erfülltes Leben: erfolgreich als Innenarchitektin, umgeben von einem stabilen Freundeskreis, verheiratet mit dem charismatischen Statistiker Adam, der mit Medienauftritten und Social-Media-Präsenz längst selbst zur Marke geworden ist. Doch dieses Leben zerbricht abrupt. Ein Unfall kostet Viola ein Bein – und mit einem Schlag auch ihre Selbstverständlichkeit. Besonders verstörend: Sie erinnert sich kaum an das Geschehen. Der Einsturz des Weinkellers ihres Hauses bleibt ein fragmentarisches, dunkles Echo. Ihr Mann Adam ist an ihrer Seite und kümmert sich rühend um sie. Sie spürt jedoch, es ist nicht mehr alles wie früher in ihrer Ehe.

Zwischen Fürsorge, Kontrolle und Misstrauen

Sie vertraut ihrem Mann und glaubt, er möchte nur das beste für sie. Aber sie kennt ihn und vermutet, ihre Beziehung wird in Zukunft anders sein, als vor dem Unfall. Adam Decker ist erfolgreich und er ist Perfektionist, was auch seinem Beruf als Statistiker entgegenkommt. Er kümmert sich aufmerksam um seine Frau, organisiert Unterstützung, trifft Entscheidungen. Und doch schleicht sich bei Viola ein leiser Zweifel ein. Seine Fürsorge wirkt manchmal wie Lenkung, seine Erklärungen wie sorgfältig gewählte Formeln.

Hinzu kommt Otilia, die von Adam engagierte Pflegerin. Sie ist effizient, wortkarg, stets präsent – vielleicht zu präsent. In dem Haus, das einst Geborgenheit bedeutete, fühlt sich Viola zunehmend beobachtet und ausgebremst. Viola ist keine Figur, die sich in ihrer Hilflosigkeit einrichtet. Trotz Schmerzen und Einschränkungen sucht sie nach Kontrolle, nach Klarheit. Als sie beginnt, kleine Unstimmigkeiten wahrzunehmen, wächst aus einem Gefühl der Irritation allmählich Misstrauen. Was tut Adam wirklich, wenn er das Haus verlässt? Warum passen seine Erklärungen nicht mehr zu dem, was sie wahrnimmt? Und wem kann sie noch trauen?

Mit einem ebenso einfachen wie cleveren Mittel verschafft sich Viola einen neuen Blick auf ihre Umgebung – doch jede Antwort scheint weitere Fragen nach sich zu ziehen. Damit beginnt das spannende Katz-und-Maus-Spiel, das Ursula Poznanski so wunderbar beherrscht und in Szene setzen kann.

Ein Spiel mit Wahrnehmung und Wahrheit

Mit Viola Decker erschafft Ursula Poznanski eine starke Protagonistin, deren Welt sich durch den Verlust ihres Beines von heute auf morgen dramatisch ändert. Es ist für Viola eine große Herausforderung, mit der neuen Situation umzugehen. Oft verzweifelt sie an den Grenzen, die ihr nun gesetzt sind, doch sie bleibt stark. Viola ist eine Kämpferin, die nicht in Resignation versinkt, sondern versucht das beste aus der neuen Situation zu machen. Mir hat das gut gefallen.

Poznanski entfaltet die Spannung nicht laut, sondern unterschwellig. Szene für Szene verdichtet sich die Atmosphäre. Viola selbst gerät immer wieder ins Schwanken: Sind ihre Beobachtungen real – oder Produkt einer traumatisierten Erinnerung? Wie sind die Zusammenhänge? Gerade dieses Spiel mit Wahrnehmung und Verunsicherung macht den Reiz des Romans aus. Die Autorin führt ihre Leserinnen und Leser durch ein psychologisches Labyrinth, in dem Gewissheiten bröckeln und jede Schlussfolgerung vorläufig bleibt.

Präzise und spannungsgeladen

Der Schreibstil ist prägnant, dynamisch und klar strukturiert. Poznanski verzichtet auf überflüssige Umwege und baut stattdessen einen stetig wachsenden Spannungsbogen auf. Die Handlung entwickelt sich konzentriert, ohne Längen, und zieht einen mit jeder neuen Unsicherheit tiefer hinein. Das Signal ist ein Psychothriller, der weniger von spektakulären Effekten lebt als von subtiler Verschiebung. Ein Roman über Kontrolle, Vertrauen – und darüber, wie fragil unsere Wahrnehmung sein kann, wenn das eigene Leben plötzlich aus dem Gleichgewicht gerät. Mir hat das sehr gut gefallen, auch wenn sich meine Vermutungen bezüglich mancher Zusammenhänge schließlich bestätigten. Dennoch gab es einige Überraschungen, die ich so nicht erwartet hätte.

Ursula Poznanskis Schwachstelle in manchen ihrer Bücher war der Schluss. Dieser war bisweilen nicht ganz rund und ich hätte mir da etwas mehr „Futter“ gewünscht. Das trifft auf Das Signal nicht zu, was ein weiteres Indiz dafür ist, wie die Autorin mit ihren Büchern wächst und immer besser wird.

Mein Fazit zu Das Signal

5 von 5 Sterne
„Ein Thriller, spannend von der ersten bis zur letzten Seite.“

Das Signal ist ein Psychothriller, der weniger auf spektakuläre Wendungen setzt als auf leise, stetig wachsende Spannung. Ursula Poznanski spielt gekonnt mit Wahrnehmung, Erinnerung und Misstrauen und schafft eine Atmosphäre, die sich langsam verdichtet. Besonders gelungen ist die psychologische Zeichnung der Protagonistin, deren innere Unsicherheit sich unmittelbar überträgt. Der Roman ist straff erzählt, klar strukturiert und entwickelt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Wer subtile Spannung und ein intelligentes Katz-und-Maus-Spiel schätzt, findet hier eine fesselnde Lektüre, die lange nachwirkt. Ich kann hier nur eine Leseempfehlung geben und freue mich schon jetzt auf Poznanskis nächsten Roman.

Jay

Ich bedanke mich an dieser Stelle recht herzlich beim Knaur Verlag für die Überlassung eines kostenloses E-Books zur Rezension. Die Bewertung des Buches erfolgte, so weit es mir möglich war, völlig neutral.


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