2. April 2020

Welche Klischees haben für euch wirklich ausgedient?

Welche Klischees werden immer wieder in Büchern oder Filmen bedient und welche davon so häufig, dass man sie inzwischen gar nicht mehr lesen/sehen möchte, weil sie ausgedient haben? Das ist die Frage, mit der sich Antonia vom Bücherblog Lauter & Leise diesmal beschäftigt.

Han Solo und Leia. Der Rebell und die Prinzessin. Welche Klischees sind (noch) nötig?
Han Solo und Leia, der Rebell und die Prinzessin
(Quelle: StarWars.com)

Ich muss gestehen, dass ich mir zu diesem Thema bis dato noch nicht allzu viele Gedanken gemacht habe. Gibt es wirklich Klischees, die mich nerven oder die ich nicht mehr zeitgemäß finde? Ganz klar ist, dass Autorinnen und Autoren beim Schreiben von Büchern immer wieder Klischees bedienen. Manche davon haben sich über Jahrzehnte hinweg so sehr eingebürgert und so oft wiederholt, dass man sie fast überall findet. Ein Beispiel hierfür ist die schwache Frau, die sich in schrecklicher Gefahr befindet, und von einem gut aussehenden Rebell (manchmal sieht er auch ziemlich verwegen aus) retten lässt, nur, um sich am Ende unsterblich in ihn zu verlieben, was ihr vor ihrer Rettung keinesfalls in den Sinn gekommen wäre. Dieses Schema findet man immer wieder nicht nur in Bücher, sondern auch in Filmen. Manche mag es nerven. Warum ist eigentlich immer die Frau diejenige, die gerettet werden muss? Warum ist der Mann (mit geheimnisvoller Vergangenheit), immer derjenige, der sie retten muss und dann ihr Herz erobert? Ganz einfach: Weil es die Masse der Zuschauer und Leser so möchte. Weil es herzerweichend ist, wenn die Geschichte einen solchen Verlauf nimmt. Weil man an die Protagonisten gewisse Erwartungen knüpft. Es hat doch quasi jeder erwartet, dass Han Solo in Star Wars irgendwann mit der Prinzessin zusammenkommt. Insbesondere, weil sie ihn anfangs nicht ausstehen kann und nicht sonderlich viel von ihm und seiner Jagd nach Geld hält. Das Publikum wäre enttäuscht gewesen, hätte es nicht spätestens in Das Imperium schlägt zurück zwischen den beiden gefunkt. Daher kann ich es den Machern des Films nicht vorwerfen, dass es so ist.

Wenn man Klischees bedient, dann besteht die Kunst des Autors darin, sie so abzuwandeln, dass sie für den Leser interessant werden. Natürlich muss die Dame gerettet werden, allerdings könnte es ja auch einmal anders herum sein. Das Problem dabei ist, es muss noch glaubhaft sein. Inzwischen gibt es auch Männer, die von hübschen Frauen aus einer Notlage gerettet werden. Es gibt auch Frauen, die kämpfen können und so gar nicht dem Klischee des schwachen Geschlechts entsprechen. Zum Beispiel die berüchtigte Söldnerführerin Monzcarro Mercatto in Joe Abercrombies Roman Racheklingen, mit der wirklich nicht zu spaßen ist. Oder Bloody Anne in Peter McLeans Roman Priest of Bones, die absolut nicht dem Frauenbild entspricht und die, um zu verhindern, dass sie sich in den Protagonisten verliebt, auch noch auf Frauen steht, statt auf Männer. Klischees sind gut, solange sie Erwartungen der Leserinnen und Leser befriedigen und solange sie glaubhaft sind. Sie nicht zu bedienen ist auch in Ordnung, solange das Ergebnis glaubhaft ist. Oft werden Klischees so erwartet. Zwerge sind nun einmal hinter dem Gold her und mögen keine Elfen. Elfen sind unvergleichlich gute Bogenschützen und mögen keine Zwerge (zumindest nicht am Anfang der Queste).

Ich denke auch, dass sich, um bei den Geschlechtern zu bleiben, das Rollenverständnis der Frau innerhalb der letzten Jahrzehnte stark geändert hat. Das gibt den „Machern“ von Büchern und Filmen die Möglichkeit, neue interessante Charaktere zu erschaffen, die auch glaubwürdig herüberkommen, was sehr wichtig ist. Manche Klischees scheinen veraltet und überbeansprucht, weil sie eben so häufig Verwendung finden. Man muss jedoch auch dazu sagen, dass auch immer ein bisschen Wahrheit mit drinsteckt. Ich möchte zumindest nicht in jedem zweiten Buch eine Axt schwingende Amazone haben, die Männer aus Gefahren rettet, nur weil es anders herum klischeebelastet wäre. Die Kunst des Autors besteht darin, einen guten Mittelweg zu finden, den schmalen Grat zu finden zwischen ständiger Wiederholung des Klischees und der Unglaubwürdigkeit der Charaktere.

Jay

2 Gedanken zu “Welche Klischees haben für euch wirklich ausgedient?

  1. Hallo Jay,

    Solo und Leia sind so ein Ding für sich. Das Klischee der rettung einer „Jungefrau in Nöten“, aber mit zahlreichen Feinheiten bei den Charakteren. Wie du schon sagdt, es mus glaubwürdig wirken, keiner möchte mit den Augen dabei rollen, wenn er das sieht oder liest oder hört.

    Liebe Grüße
    Tina

  2. Hallo Jay,

    ja, das stimmt wohl, dass wir bestimmte Klischees mittlerweile erwarten, wobei es je nach Genre dann doch viele abweichende Geschichten gibt, was aber in beiden Fällen icht bedeuten muss, dass es nervt, stimmt.

    Viele Grüße
    Frank

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: