30. September 2022

Werbung und Kooperationen?

Montagsfrage: Werbung und Kooperationen

Einen schönen Wochenstart Euch allen zusammen. Ich schreibe und poste heute (noch) aus dem Klinikum in Bogenhausen (München). Nach meiner erfolgreich verlaufenen Herz-OP am vergangenen Mittwochmorgen (8. Juni 2022) geht es mir jetzt jeden Tag ein bisschen besser und ich habe sehr viel Zeit zum Lesen, Bloggen und Erholen.

Inzwischen habe ich auch schon ein paar Bücher von meinem SuB gefegt. Dies sind alles Jugendbücher mit überschaubarem Seitenumfang, weil ich nicht wusste wie lange meine Lesepause nach der OP denn sein würde und wie gut ich dann wieder in die Handlung komme. Daher sind es Bücher, die ich problemlos an einem Tag weglesen und rezensieren konnte. Die Rezis erscheinen hier dann nach und nach in den kommenden Tagen.

Inzwischen geht es mir also wieder gut. Ich kann aufstehen und schon wieder einiges ohne fremde Hilfe erledigen. Dennoch bin ich noch vergleichsweise schwach und verbringe viel Zeit liegend mit Büchern, Handy und iPad, was Content für mein Blog mit sich bringt. In wenigen Tagen geht‘s dann nach Hause und zur Anschlussheilbehandlung in eine Rehaklinik. Zumindest ist das so geplant. Ohne hier jetzt groß Werbung machen zu wollen, aber ich kann die Klinik in Bogenhausen empfehlen, zumindest was Herz-OPs betrifft. Ich bekomme für diese Empfehlung übrigens keine Gegenleistung von der Klinik (extra Brötchen zum Frühstück oder dergleichen). Wollte ich nur anmerken.

Und damit bin ich auch schon bei der heutigen Montagsfrage, über die ich gerne ausführlich schreibe. Danke an Sophia vom Bücherblog Wordworld dafür.

WIE STEHT IHR ZU WERBUNG UND KOOPERATIONEN AUF BUCHBLOGS?
BEEINFLUSST DAS DIE WAHRGENOMMENE GLAUBWÜRDIGKEIT VON BLOGGERINNEN?

Eine spannende Frage zu Werbung und Kooperationen, wie ich finde. Hier nun ein paar Gedanken von mir.

Kostenlose Leseexemplare

Wie viele andere Buchbloggerinnen und Buchblogger vermutlich auch, bekomme ich immer wieder Rezensionsexemplare von Verlagen angeboten. Oftmals fordere ich diese auch selbst an, wenn mich das Buch brennend interessiert („das Buch brennend interessiert“, klingt irgendwie eigenartig) und ich es unbedingt lesen möchte. Mir ist klar, dass kostenlose Leseexemplare immer auch Einfluss auf eine Rezension nehmen können und die Gefahr besteht, dass sie besser ausfällt als sie es vielleicht sonst tun würde. Ich versuche dennoch weitestgehend neutral zu beurteilen und ein Buch, das ich persönlich nicht gut finde, nicht schönzureden. Das klappt ganz gut. Ich versuche beim Rezensieren dem Buch immer auch etwas Gutes abzugewinnen, selbst wenn es mir nicht gefallen hat, also eine neutrale Sicht zu behalten.

Wenn ich ein kostenloses Leseexemplar rezensiere, dann schreibe ich im Anschluss immer noch dazu, dass ich dafür nichts bezahlt habe. Es ist eine Sache der Fairness, meine Leser darauf hinzuweisen. Ob mich das beeinflusst hat oder nicht, müssen sie dann beurteilen. Wenn man unbedingt eine Beeinflussung sehen möchte, dann sieht man die in der Regel auch, egal wie sehr ich mich um Neutralität bemühe.

Durchweg positive Rezensionen bei kostenlosen Leseexemplaren braucht es nicht. Ich denke, man sollte als Bloggerin (oder Blogger) die Erwartungen der Verlage an eine Rezension auch nicht überbewerten. Natürlich wollen die möglichst viele gute Kritiken ihrer Produkte. Wer will das nicht? Ich komme ursprünglich jedoch selbst aus der Marketingbranche und weiß, wie nebensächlich eine “schlechtere“ Bewertung zunächst ist.

Wichtig ist, dass über das Buch gesprochen und in Bloggerkreisen und in den sozialen Medien darüber diskutiert wird. Auch eine negative Rezension, die gut geschrieben und begründet ist, erhöht die Reichweite des Marketing zunächst und kann Interesse wecken. Für ein paar wenige Euro (Buchkosten und Porto) ein paar hundert potentielle Leserinnen und Leser der Zielgruppe (Reichweite des Blogs) angesprochen — Ziel erreicht. Es ist also nicht so, dass man plötzlich keine Rezensionsexemplare mehr bekommt, nur weil einem mal ein Buch nicht gefallen hat.

Beeinflussen allzu positive Rezensionen die Glaubwürdigkeit der Rezensenten? Ja, können sie durchaus, wenn es allzu offensichtlich ist. Zum Beispiel, wenn man alle Bücher eines bestimmten Verlags über den grünen Klee lobt. Das kann man als Außenstehender jedoch nur auf Dauer und im direkten Vergleich beurteilen (wenn überhaupt). Anders ist es wieder bei Lieblingsautorinnen und Autoren. Ich denke, da gibt es immer erstmal einen Vorschussbonus. Ist doch nachvollziehbar.

Letztendlich verlasse ich mich beim Buchkauf aber auch nie auf eine einzelne Rezension. Ich lese immer erst an verschiedenen Stellen, was andere darüber schreiben.

Kooperationsangebote

Ich bekomme sie gelegentlich per E-Mail geschickt und lehne sie regelmäßig ab. Ich möchte mich hier nicht an ein Unternehmen binden müssen. Wenn mir ein Unternehmen ein teureres Produkt zuschicken würde (zum Beispiel einen schicken neuen E-Reader), dann teste ich das Ding für eine Zeit und schreibe dazu eine ehrliche Meinung. Die kann jedoch auch negativ ausfallen. Ich würde mich da nicht beeinflussen lassen. Allerdings bin ich vermutlich zu wenig Influencer und ein zu kleines Licht in der Bloggerszene, als dass dies geschehen würde. Sollte es doch passieren, dann wäre mir wichtig, vorher genau zu klären, was beide Seiten von einer solchen Kooperation erwarten können und was nicht.

Fremdbeiträge

Was ich generell nicht mache sind Fremdbeiträge auf meinem Blog gegen Geld zu posten, die andere geschrieben haben. Hier will man für Geld nur meine Reichweite kaufen und ich habe wenig Einfluss auf die Inhalte. Das will ich nicht. Es ist mein Hobby und ich bin auf das Geld auch nicht angewiesen. Ich lasse mir nicht das Heft aus der Hand nehmen, was in meinem Blog geschrieben steht.

Umgang mit Werbung

Der Begriff Werbung ist für mich zunächst einmal nicht positiv konnotiert. Ich denke dabei immer erstmal an Beeinflussung. Das ist wohl auch der Grund, warum ich ihn bei mir im Blog sparsam verwende, wo es möglich ist. Der Begriff Werbung impliziert immer auch schon, dass man eventuell keine ehrliche Meinung zu einer Sache liest — der Tod jeder ehrlichen Rezension. Ich muss mir da für mein Blog noch eine bessere Lösung überlegen. Vielleicht einen längeren Disclaimer am Ende eines solchen Beitrags. Mal sehen.

Da ich selbst möglichst neutral schreibe, gebe ich diesen Vertrauensvorschuss auch allen anderen Bloggerinnen und Bloggern, die ich besuche. Sollte ich den Eindruck gewinnen, dass eine Rezension zu beschönigend und nicht als ehrliche Meinung abgefasst ist, dann werde ich dort weniger lesen oder ganz wegbleiben. Ich würde mir daher wünschen, dass viele Blogger sich ihren Stil und die eigene Meinung behalten, und sich nicht für ein paar Kröten verkaufen. Wenn wir nicht mehr ehrlich schreiben, dann können wir uns das auch gleich sparen.

Wie steht Ihr zu diesem Thema? Schreibt mir gerne in die Kommentare.

Jay

2 Gedanken zu “Werbung und Kooperationen?

  1. Hey Jay,

    „Wenn wir nicht mehr ehrlich schreiben, dann können wir uns das auch gleich sparen.“ Ich finde, das fasst meine Meinung zu dem Thema ganz gut zusammen. Ich verurteile keine Menschen, die bezahlte Kooperationen eingehen, für mich sind das dann aber keine BloggerInnen mehr, deren Meinung mich interessieren würde. Das ganze Bloggen ist für mich mein Weg, meine ehrliche Meinung in den Welt zu posaunen und mich dadurch mit anderen zu vernetzen und über Bücher zu sprechen. Wenn Ehrlichkeit als „Vertrauensvorschuss“, wie du es so nett genannt hast, verletzt wird, kann man es auch gleich lassen.
    Was den Begriff „Werbung“ angeht finde ich auch, dass er negativ mit Beeinflussung und Manipulation konnotiert ist. Ich habe mir deshalb einen festen Disclaimer überlegt, der gut sichtbar am Ende eines Beitrags, aber eben auch nicht zu prominent erklärt, welches Buch unter welchen Konditionen zu mir gefunden hat. Als angehende Psychologin weiß ich übrigens auch, dass wir eigentlich nie wirklich unbeeinflusst sind. Auch wenn Neutralität ein hehres Ziel ist und ich mir auch die größte Mühe gebe, trotz aller Subjektivität und Abhängigkeit von aktuellen Faktoren wie Stimmung oder Beziehung zu den AutorInnen etc. meine Meinung möglichst objektiv und allgemein nachvollziehbar zu begründen.
    Ob uns das gelingt, müssen dann wohl andere entscheiden!

    Liebe Grüße
    Sophia

  2. Hallo Jay!

    Erstmal gute Besserung und baldige Erholung! Es scheint ja alles gut geklappt zu haben und ich drücke die Daumen, dass es weiter aufwärts geht! Ein nicht schöner Anlass um das festzustellen, aber wohnst du denn auch in München? Das Bogenhausener KKH kenne ich! 🙂 Wobei ich selber zum Glück nie Patient war …

    Aber zum Thema:
    Die Vermutung liegt nahe, dass man Rezi-Exemplare besser beurteilt – wie andere das machen, ob bewusst oder unbewusst, kann ich natürlich nicht einschätzen, ich selber glaube aber von mir, dass ich das durchaus sehr neutral angehe, wie bei allen anderen Büchern auch. Ich kennzeichne sie in meinen Rezensionen als Leseexemplare und das wars dann auch schon. Die Bewertungen sind hier genauso verschieden von 1 – 5 Sterne und ich hab auch schon Leseexemplare abgebrochen.
    Auch bei Selfpublishern bin ich ehrlich und gebe mal mehr, mal weniger Sterne, bzw. bin genauso kritisch. Mag sein, dass bei manchen Menschen Sympathiepunkte mitspielen, aber das passiert auf unbewusster Ebene. Das mach ich dann sicher auch bei Autoren, von denen ich ein Fan bin und mir die Bücher kaufe 😀

    Von Verlagen hab ich noch nie negatives gehört, weil ich eine kritische Rezension geschrieben hab.

    Das Wort „Werbung“ mag ich in dem Zusammenhang überhaupt nicht.
    Mit Werbung verbinde ich ein Anpreisen eines Produkts gegen Bezahlung, egal ob es mir gefällt oder nicht. Und genau das mache ich ja eben nicht 😉

    Manche schreiben ja mittlerweile sogar „Werbung – aber selbst gekauft“ auf ihre Post auf Facebook etc., was ja ebenfalls falsch ist und sogar abgemahnt werden könnte. Hab ich zumindest gehört von einer Seite, die sich schon rechtlich auskennt. Aber wer weiß… mich nervt das, wenn das überall drüber steht, aber ich sehe / folge auch wenigen solchen Menschen. Auch 1-2 Bloggerinnen gibt es, die jedes Buch über den Klee loben, da les ich auch keine Rezension mehr ^^

    Wenn jemand kommerzielle Kooperationen eingeht ist das seine Sache. Das ist mir ziemlich egal. Hauptsache es ist erkenntlich. Hab ich aber bisher, ehrlich gesagt, nur äußerst selten gesehen. Außer diese Affiliate Links, die gibts öfter mal.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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