8. Juli 2020

Habt Ihr ein schlechtes Gewissen gegenüber Protagonisten, wenn die bspw. hungern müssen und Ihr nebenher futtert?

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Überhaupt nicht. Es ist ein Buch und wenn die Handlung fiktiv ist, warum sollte ich da Gewissensbisse haben?
Die Frage ist doch eher, haben wir ein schlechtes Gewissen, wenn wir vor der Glotze allerlei Dinge in uns hineinstopfen, während wir gleichzeitig in den Nachrichten das vielfache Leid von Menschen auf der ganzen Welt miterleben müssen? Naturkatastrophen, Hungersnöte, Krieg und Vertreibung. Das ist das reale Leben und wir sollten uns täglich vor Augen führen, wie gut es uns eigentlich geht. Wir haben Essen, frisches Trinkwasser aus der Leitung (nicht überall selbstverständlich), Kleidung und ein Dach über dem Kopf. Selbst denen, die in Deutschland als arm gelten und die morgens mit Existenzängsten aufwachen und abends mit ihnen ins Bett gehen, geht es noch gut im Vergleich zu dem, was Menschen überall auf der Welt durchmachen müssen. Denkt an die Erdbeben in Italien oder das vor einigen Monaten in Nepal. Wenn ich sehe, wie dort die Menschen noch heute in Ruinen hausen und alles verloren haben, dann wird mir klar wie glücklich wir uns schätzen können. Was kümmern mich da hungernde Protagonisten?
Oder wie seht ihr das?

Jay

24 Gedanken zu “Habt Ihr ein schlechtes Gewissen gegenüber Protagonisten, wenn die bspw. hungern müssen und Ihr nebenher futtert?

  1. Beim Schreiben ging es mir schon hin und wieder so, dass ich das Gefühl hatte, ich muss so schnell wie möglich den Protagonisten wieder aus der Sch … herausschreiben, in den ich ihn hineingeschrieben hatte.

  2. Hallölle Jay
    Wenn ich ein richtig gute Buch habe, in dem ich abtauchen und dabei sein kann, dann leide ich auch mit den jeweiligen Protagonisten den Buches. Dennoch sollte man die Augen öffnen und scheuen was in der realen Welt los ist. Ich für meinen Teil engagiere mich für Opfer von Flutkatastrophen in unserem Land und denke jeder könnte einen kleinen Teil beitragen um es vom Leben gebeutelten Menschen etwas zu erleichtern.
    Mach weiter so, tolle Artikel. 🙂
    Schöne Woche noch und liebe Grüße
    Miri

  3. Liebe Jay,

    wie mich ein Buch berührt oder nicht, ob ein Protagonist hungert oder z.B. traurig ist, kommt natürlich auch immer ganz darauf an, ob es sich um eine fiktive Geschichte handelt oder nicht.

    Auch fiktive Geschichten berühren mich oder machen mich betroffen, wütend, traurig usw. und dass ist auch gut so. Aber ein schlechtes Gewissen, wenn ein Protagonist in einer erfundenen Story verhungert, habe ich definitiv nicht.

    Anders ist meine Lese-Situation natürlich, wenn ich weiß dass es sich um eine reale Geschichte handelt. Ich möchte nicht unbedingt sagen, dass ich dann ein schlechtes Gewissen habe, aber ich werde dadurch angestoßen meine eigenen Handlungen im Alltag zu überdenken, um verantwortungsbewusster zu agieren. Diese Reaktion bzw. Haltung halte ich für absolut gesund und wichtig.

    Viele Grüße

    Nisnis

  4. Hey Jay,
    Ich sehe das auch so, ich muss bei einer fiktiven Handlung keine Gewissensbisse haben, allerdings quält es mich auch nicht wenn ich in den Nachrichten besagte Zustände sehe. Es erinnert mich daran dankbar zu sein für das was ich habe und bewusster zu nutzen was ich habe (Thema Verschwendung etc.), aber ich fühle mich nicht schuldig dafür das ich es besser habe als andere. Das wäre reine Zeitverschwendung, weil es eh niemandem hilft.
    liebe Grüße,
    Jamie

    1. Hallo Jamie,

      du hast recht, es wäre Zeitverschwendung. Allerdings kann man selbst etwas dafür tun, um die Nöte anderer Menschen zu lindern, wenn es einem selbst gut geht. Zum Beispiel durch Spenden.
      Danke für deinen Beitrag.

      LG
      Jay

  5. Hallo Jay,
    ich sehe das im großen Ganzen genauso wie du. Gleichzeitig finde ich jedoch, dass man sich noch eine andere Frage stellen muss, wenn man diese Frage antworten möchte. Wie relevant ist für uns unser Essen und wie bewusst erleben wir es in unserem Alltag?
    Meine Überlegungen zum Thema findest du wie immer auf meinem Blog.
    Dir wünsche ich einen schönen Start in die Woche.
    Viele Grüße,
    Marie

    1. Hallo Tanja,

      danke für deinen Beitrag. Ich kann mir gerade auch wirklich niemanden vostellen, der ein schlechtes Gewissen deswegen haben könnte. Realität und Fiktion sollten doch die meisten voneinander trennen können.

      Viele Grüße
      Jay

    1. Hallo Patricia,

      richtig. Man sollte sich, meiner Meinung nach, viel mehr Gedanken über die Missstände der realen Welt machen und hier dann auch aktiv werden etwas dagegen zu tun.

      LG
      Jay

  6. Guten Morgen,

    man schein sich heute irgendwie einig zu sein. Ich sehe das genauso, man braucht wegen etwas fiktiven, was der Unterhaltung dient, kein schlechtes Gewissen zu haben.

    LG
    die Yvi
    yvisleseecke.blogspot.de

    1. Huhu Yvi,

      vielleicht nicht unmittelbar. Aber auch fiktive Bücher könnten ein Anstoß sein über bestimmte reale Gegebenheiten nachzudenken, die man vorher noch nicht in Betracht gezogen hat. Vielleicht hatte der Autor/die Autorin ja auch diese Intention. Dann wäre nicht die fiktive Handlung ein Grund für ein schlechtes Gewissen, sondern die reale Welt, zu der ein Bezug hergestellt wird.
      Ich gebe dir jedoch recht: Sich wegen fiktiver Protagonisten schlecht zu fühlen wäre in meinen Augen übertrieben.

      Viele Grüße
      Jay

  7. Hi Jay,

    so schaut’s aus … Nachrichten, Dokus und dergleichen spiegeln das reale Leben – Bücher sind, insofern keine wahren Begebenheiten / Biografien, reine Fiktion. Empathische Anwandlungen durchaus ja, aber echte Menschenschicksale sind doch noch einmal eine völlig andere Angelegenheit.

    Mein Beitrag :o)

    Liebe Grüße
    Patricia

    1. Hallo Patricia,

      ich stimme dir zu. Aus diesem Grund finde ich Tatsachenberichte nochmal ein ganzes Stück heftiger, denn es ist eine Sache von einem fiktiven Ereignis zu lesen oder über Dinge, die tatsächlich so passiert sind oder immer noch passieren. Danke für deinen Beitrag.

      LG
      Jay

  8. Guten Morgen,
    ich sehe es ähnlich wie du. Ich leide zwar mit meinen Protagonisten, aber ich habe keinerlei Gewissensbisse gegenüber fiktiven Personen.
    Anders sieht es aus, wenn man sich das Leid in der Welt betrachtet, denn da stecken wirkliche Menschen dahinter, die fühlen und leiden.
    LG Christine

  9. Ich seh es genauso. Natürlich fühlt man zu einem gewissen Grad mit den Protagonisten mit, aber längst nicht so weit, dass ich mich deshalb schlecht fühlen oder gar Gewissensbisse haben würde. Wie du schon sagst sind die echten Menschen, die leiden, ja wohl sehr viel relevanter, auch wenn ich nicht finde, dass man automatisch ein schlechtes Gewissen haben sollte, nur weil es Leuten schlechter geht als einem selbst. Aber die haben ganz natürlich Vorrang vor fiktiven Charakteren.
    Außerdem nützt es Katniss ja ohnehin nichts, wenn ich ihr Kekse übrig lasse, statt sie selbst zu essen 😀

  10. Huhu Jay,

    ich habe ein ähnliches Beispiel angeführt. Meiner Ansicht nach ist ein schlechtes Gewissen nur dann angebracht, wenn man bewusst eine falsche oder schlechte Entscheidung trifft, aber nicht wegen etwas, das man gar nicht ändern kann. Es liegt durchaus in meiner Macht, mich bewusst zu ernähren und für alles, was ich habe (ob materiell oder nicht) dankbar zu sein. Aber es liegt nicht in meiner Macht, zu ändern, dass ich als Europäerin in eine Luxusgesellschaft geboren wurde. Ähnlich verhält es sich mit Protagonisten. Was bringt es, wenn ich mich schlecht fühle, weil ich zu essen habe und fiktive Persönlichkeiten nicht? Warum sollte ich mich dafür schuldig fühlen? Das ist weder die Absicht der Autor_innen (zumindest der meisten schätze ich), noch ist es für irgendwen hilfreich. Oder soll ich aufhören zu essen, nur weil eine Buch-Figur hungert?

    Montagsfrage auf dem wortmagieblog

    Viele liebe Grüße,

    Elli

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