2. Januar 2026

Der Junge in den falschen Schuhen von Tom Percival

Will trägt die falschen Schuhe – das weiß er selbst, aber wie soll er es ändern? Es sind ja nicht nur die: Auch seine Jacke und sein Haarschnitt sind falsch, er kann die Schulmaterialien nicht kaufen, und oft findet er nicht einmal etwas zu essen, wenn er nach Hause kommt. Seine Eltern haben ihre eigenen Sorgen, und Will versucht alles, um in der Schule so wenig wie möglich aufzufallen. Was ihm nicht immer gelingt. In seiner Verzweiflung gerät er kurzzeitig sogar auf die schiefe Bahn. Erst als sein großes Talent fürs Zeichnen entdeckt wird, findet er das Selbstvertrauen, um echte Freundschaft und auch Hilfe anzunehmen. (Covertext)

Titel: Der Junge in den falschen Schuhen (engl.: The Wrong Shoes) Autor: Tom Percival Verlag: Rotfuchs Seitenzahl: 336 Genre: Kinder-/Jugendbuch Alter: ab 10 Jahren ET: 28.05.2025 Ausgaben: Hardcover, Hörbuch, E-Book ISBN: 978-3757102098 (HC) Sonstiges:

Über den Autor Tom Percival

Tom Percival wuchs auf in einer entlegenen Gegend der Grafschaft Shropshire (im Westen Englands an der Grenze zu Wales). Ziemlich entlegen, wenn man bedenkt, dass er als Kind in einem kleinen Wohnwagen ohne Elektrizität, Leitungswasser oder gar eine vernünftige Heizung wohnte. Er glaubt, er gehört zu den wenigen seiner Altersgruppe, die neben einer Gaslampe das Lesen lernten. Überraschenderweise wurde er (soweit er weiß) nie als „Hippie“ bezeichnet. Heute lebt er mit seiner Freundin und den beiden Söhnen in einem richtigen Haus. Seine Lieblingsfarbe ist Türkis und seine Lieblingszahl ist Sieben. Er schreibt selbst Kinderbücher und illustriert diese, ebenso wie die Bücher anderer Leute, wie zum Beispiel die bekannten Skulduggery-Bücher von Derek Landy.
(Quelle: Goodreads)

Der Junge in den falschen Schuhen

Was Kinderarmut bedeutet

Kinderarmut ist ein schwieriges Thema und ein Problem unserer Gesellschaft, das sich nicht nur auf Kinder in ärmeren Ländern beschränkt. Nein, Kinderarmut findet man (leider) immer mehr auch in den reichen Industrieländern. Etwa jedes fünfte Kind in Deutschland ist von Armit betroffen. Die Eltern tun sich finanziell schwer, ihren Nachwuchs ausreichend zu unterstützen. Das fängt bei gesunder Nahrung und ordentlicher Kleidung an und geht über beengte Wohnverhältnisse bis hin bis zur Teilhabe in Vereinen oder den Besuch weiterführender Schulen. Kinder aus ärmeren Familien haben dadurch einen Nachteil gegenüber ihren Altersgenossen, weil sie sich oft Dinge nicht leisten können, die für andere selbstverständlich sind. Regelmäßige Besuche in Kinos oder Freibädern sind da ebenso wenig drin, wie Mitgliedschaften in Sportvereinen oder anderen Jugendgruppen, die das soziale Miteinander der Kinder fördern sollen. Geburtstagsfeiern und Urlaube können sich die Eltern ebenfalls oft nicht leisten.

Oft schämen sich die Kinder ihrer begrenzten Mittel und versuchen nach außen nicht allzu offen zu zeigen, dass sie bedürftig sind. Nicht selten werden sie von Gleichaltrigen dafür gehänselt, weil sie eben keine teuren Schuhe oder Markenkleidung tragen oder nicht die neuesten Spiele haben. Das hat dann auch einen negativen Einfluss auf ihr Selbstvertrauen, da sie aus der Situation nicht entkommen können und es ist ihnen oft peinlich Hilfe annehmen zu müssen. Genau so ergeht es dem jungen Will in Tom Percivals Buch.

Will – der Held der Geschichte

Will ist ein Junge, der in armen Verhältnissen lebt. Seine Eltern haben sich getrennt und er lebt bei seinem Vater in einer kleinen Wohnung in einem sozialen Brennpunkt. Sein Vater hat seinen Job verloren und nach einem Unfall große Schwierigkeiten eine neue Arbeit zu bekommen. Entsprechend ist das Geld sehr knapp für Vater und Sohn. Wills Schuhe sind alt und haben Löcher und auch regelmäßige Mahlzeiten sind daheim nicht selbstverständlich.

Tom Parceval beschreibt in seinem Buch sehr eindringlich und in jugendgerechter Sprache, mit welchen Problemen Will im täglichen Leben zu kämpfen hat. Will erzählt aus seinem Alltag aus der Ich-Perspektive. Sein bester Schulfreund Cameron hat es da viel besser, denn er stammt aus einem reichen Elternhaus und kann sich alles leisten, wovon Will nur träumen kann.

Für Will macht es das nicht besser, doch der Freundschaft der beiden Jungs tun diese sozialen Unterschiede zum Glück keinen Abbruch, auch wenn Will insgeheim schon etwas neidisch auf Cameron ist.

Als wäre Wills Leben nicht schon schwer genug, muss er sich auch noch mit Kindern an der Schule herumschlagen, die sich bei jeder Gelegenheit über seine Armut lustig machen. Will zeigt Größe und versucht sich nach außen nichts anmerken zu lassen, aber natürlich trifft es ihn hart. Doch obwohl auf seinem Weg viele Hürden liegen, die er überwinden muss, hat er dennoch ein großes Talent: er hat eine künstlerische Begabung und kann fantastisch malen und zeichnen.

Die Lebenserfahrung des Autors

Liest man Wills Geschichte und vergleicht diese mit der Jugend des Autors Tom Percival, dann kommt man nicht umhin zu erkennen, dass es da eindeutige Parallelen gibt. Auch Tom Percival ist in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen (siehe Autoreninfo). Er beschreibt also in seinem Buch Dinge, die er vermutlich selbst so erlebt und gefühlt hat. Und er beschreibt sie ganz vortrefflich. Wills Geschichte ist ergreifend. Man fühlt als Leser mit, wenn Will über seine Sorgen und Nöte spricht, dabei aber auch hin und wieder selbst über seine Situation Witze macht. Will nimmt sein das Ganze selbst nicht allzu ernst. Entsprechend kombiniert der Autor eine gute Portion Empathie für Wills Situation mit einer Portion Humor und Leichtigkeit. Will, der sich über eine Dose echtes Coca-Cola freut, die er sich sonst nicht leistet, oder über gutes Papier zum Zeichnen oder über ein warmes Abendessen bei einer Schulfreundin.

Die Handlung kann bisweilen sehr emotional werden, als seine Experimente mit der Haarschneidemaschine schiefgehen, Will aber kein Geld hat, es beim Friseur richten zu lassen. Da gibt es Lehrer, die ihm nichts Gutes wollen, aber auch ein Kunstlehrer, der sein Talent erkennt und ihn fördert. Will versucht immer das Beste aus seinem Tag zu machen. Obwohl die Verlockung groß ist, kommt er nur kurzzeitig auf die schiefe Bahn. Trotz seines jungen Alters wirkt er jedoch sehr erwachsen und bleibt sich aber am Ende selbst treu. Er erkennt seine Fehler, hört auf sein Bauchgefühl und lernt daraus seine Lektion. Schließlich wendet sich im Buch doch vieles zum Guten.

Der Junge in den falschen Schuhen ist kein Buch mit sonderlich viel Action und überraschenden Plot-Twists. Vielmehr generiert das Buch seine Spannung durch Wills täglichen Kampf, den er führen muss, weil er arm ist. Mit der Zeit erkennt auch Will, dass es nicht die teuren Schuhe sind, auf die es im Leben ankommt, sondern auf die inneren Werte eines Menschen und was dieser tut und wie man sich seinen Mitmenschen gegenüber verhält. Tom Percival gelingt es vortrefflich, diese westlichen Aspekte in seinem Buch so herauszustellen, dass es auch jüngere Leserinnen und Leser verstehen. Die tollen Illustrationen zu den Texten unterstützen zudem die Handlung und machen Der Junge in den falschen Schuhen zu einem lesenswerten Buch für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren.

Mein Fazit zu Der Junge in den falschen Schuhen

5 von 5 Sterne
„Ein toll geschriebenes Kinder- und Jugendbuch.“

Mit Der Junge in den falschen Schuhen schreibt Tom Percival eine einfühlsame Geschichte, emotional ergreifend und voller Herz. Sie beschreibt, was im Leben wirklich zählt, nämlich Ehrlichkeit gegenüber anderen und sich selbst, wahre Freundschaft, Familie und dass es sich lohnt an seinen Zielen festzuhalten und nicht aufzugeben, selbst wenn das Leben einem böse mitspielt. Mir hat Tom Percivals Buch wirklich sehr gut gefallen und ich empfehle es, auch aufgrund der jugendgerechten Sprache und der übersichtlichen Kapitel, vor allem auch als Schullektüre ab der 5./6. Jahrgangsstufe.

Jay

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