10. Juli 2020

Wie schafft es eine Hauptfigur, sich bei dir unbeliebt zu machen?

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Sich bei mir unbeliebt zu machen ist eigentlich eine ziemliche Kunst. Ich sehe Charaktere als „Schöpfungen“ der Autoren und akzeptiere sie so, wie sie vom Autor oder von der Autorin gedacht sind. Demzufolge gibt es für mich eigentlich auch keine „schlechten“ Charaktere, weil sie oft einfach so sein müssen.

Manchmal allerdings geht das auch schief, nämlich dann, wenn die ursprüngliche Intention des Autors der Wahrnehmung des Lesers stark zuwider läuft. Beispiel: Cornelia Funkes Meggie in Tintenherz war von ihr sicherlich als starke und quirlige Heldin gedacht, die bei Lesern beliebt ist und als positiv wahrgenommen wird. Leider ging der Schuss bei mir völlig nach hinten los. Ich empfand sie als überaus nervig, vorlaut, besserwisserisch, egoistisch und erziehungsresistent. Kaum ein Charakter hat es bis heute geschafft sich mit ihrem Verhalten bei mir so schnell unbeliebt zu machen wie sie.

Jay

Ein Gedanke zu “Wie schafft es eine Hauptfigur, sich bei dir unbeliebt zu machen?

  1. Echt, so hast du Meggie wahrgenommen?
    Bei mir hat das Konzept geklappt. Dafür musste ich schwer an mir halten, Die Tribute von Panem nicht entnervt in die Ecke zu feuern, weil der Hauptcharakter sich im dritten Teil für mich einfach zur weinerlichen, beratungsresistenten Pussy gewandelt hat. Bis dahin musste ich schon über ihren Kleiderfetisch hinwegsehen und auch über diese unnütze Dreieckgeschichte. Mal im Ernst, die hatte wirklich größere Probleme, oder nicht.
    Aber bis dahin hab ich ihr noch immer das Potential eingeräumt durch die Erfahrungen zu wachsen und die starke Protagonisten zu werden, die ich mir am Ende gewünscht habe. Und dann war sie das ganze Buch über entweder bewusstlos oder völlig unnütz. Am Ende habe ich mir wirklich gewünscht, Suzanne Collins hätte die Geschichte aus Sicht ihrer Schwester Prim geschrieben, die sich j nach eigener Aussage der Autorin viel eher als ‚Heldinnenmaterial‘ geeignet hat.

    Aber das ist natürlich so die Sache. Durch eigene Leserunden und Feedback weiß ich, dass es sehr sehr schwierig ist, das Bild, das man selbst von seinen geliebten Protagonisten hat, nach außen zu projizieren. Wenn man dann merkt, da läuft was in die falsche Richtung, hilft nur ne krasse Umarbeitung. Es gibt schließlich viele Dinge, die nur ein Autor über seine Helden weiß, und von denen er hofft, es dem Leser zwischen den Zeilen mitzuteilen, ohne ihm gleich nen Charaktersteckbrief in die Hand zu drücken. Das ist aber wirklich nicht immer einfach.

    Trotzdem Danke für deine Meinung. Und ein Hoch auf die Leser, die einfach erstmal akzeptieren können, dass manche Sachen halt so sind, statt schon auf der zweiten Seite wegen enttäuschter Erwartungen mental abzuschalten.

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