12. April 2021

Lesen oder nicht? – Umgang mit Rezensionsanfragen

Hallo zusammen. Es ist wieder Montag und die Montagsfrage steht an. Leider steckt Antonia vom Literaturblog Lauter & Leise im Moment so tief im Examen, dass sie es zeitlich nicht schafft eine Montagsfrage zu stellen und darüber einen Beitrag zu schreiben.

Das ist verständlich, denn es geht wohl allen Bloggern so, dass die Prioritäten im Leben einmal eine Zeit lang woanders liegen (müssen) und man dann einfach nicht zum Schreiben kommt. Mir ging es in den letzten Monaten ebenso. Neue Wohnung, neue Arbeitsstelle und der damit verbundene Umzugsstress ließen mir einfach keine Zeit an Bücher und mein Blog zu denken. Umso schöner ist es dann jedoch, wenn man wieder Zeit zum Schreiben findet und vor allem auch wieder zum Bücherlesen.

Da die Montagsfrage von Antonia heute ausfällt, behelfe ich mir mit einer älteren Montagsfrage, die ich in den letzten Monaten aus zeitlichen Gründen nicht beantworten konnte und hoffe, dass Euch der Beitrag gefällt.

Rezensionsanfragen – Mehr als ich eigentlich lesen kann

Wenn man einige Zeit nicht lesen kann, dann sammeln sich bei uns Buchbloggern nach und nach eine ganze Reihe von Rezensionsanfragen im E-Mail-Postfach. Immer wieder bekommen wir Mails von jungen Autorinnen und Autoren, aber auch von Verlagen, mit denen wir im Kontakt sind. Ständig werden neue Bücher veröffentlicht und natürlich möchte man als junger Autor auch seinen eigenen Debütroman bekannt machen. Ein guter Kanal für Eigenwerbung sind zum einen die sozialen Medien, wie zum Beispiel Facebook, Instagram und Twitter, zum anderen aber auch die Reichweite mancher Bücherblogs. Die Werbung ist günstig: Der Blogger bekommt das Buch kostenlos zum Lesen und man hofft, als Autorin oder Autor, dass es gefällt und dass es eine gute Rezension und Bewertung bekommt. Durch die weite Verbreitung von E-Books bleiben die Kosten für die Autoren/Herausgeber gering, denn man kann das Buch einfach per E-Mail schicken und Druckkosten fallen auch keine an. Man muss nur geeignete Blogger finden, die das Buch auch lesen wollen. Ich für meinen Teil bekomme nahezu wöchentlich solche Anfragen und könnte fast das ganze Jahr über Bücher lesen, die bis dahin noch kaum jemand kennt. Doch die angebotenen Werke sind nicht für jeden Blogger interessant. Hier also die Montagsfrage (vom 22. Februar 2021):

Wie geht ihr mit Rezensionsanfragen um, die uninteressant sind?
Sagt ihr immer die Wahrheit und gebt zu, dass ihr kein Interesse habt?

Ob ich ein Buch lese oder nicht, hängt in erster Linie von der Inhaltszusammenfassung beziehungsweise vom Klappentext ab, sowie vom Genre. Liebesromane und Vampir-Schnulzen sind zum Beispiel nicht so mein Fall. Hingegen kann ich mit Jugendbüchern, Science-Fiction, Fantasy und Dystopien sehr wohl etwas anfangen. Bei manchen Rezensionsanfragen stelle ich mir bisweilen auch die Frage, ob die Autorin oder der Autor mein Blog jemals besucht hat und überhaupt weiß, was ich gerne lese und was nicht. Es wäre demnach sinnlos mir ein Buch über „555 Yogastellungen“ anzubieten oder eines über das „Liebesleben der Pflastersteine“. Abgesehen vom generellen Desinteresse fehlt mir häufig auch die Vergleichsmöglichkeit, um ein Buch angemessen beurteilen zu können. Ich habe inzwischen genug Fantasy/Dystopien/Science-Fiction/Jugendbücher gelesen, um ein Buch einzuordnen, hingegen fällt es mir zum Beispiel schwer eine Bewertung zu einem Fachbuch zu schreiben, wenn ich selbst nicht in dem Thema drin bin. Ich habe das in der Vergangenheit versucht und es funktioniert leidlich, allerdings fühle ich mich beim Schreiben der Rezension und bei der Beurteilung der Qualität unsicher. Es besteht auch immer die Gefahr, dass ein Buch eine recht miese Bewertung bekommt, weil mich das Thema einfach langweilt und ich irgendwann abbreche. So sehr es mich ehrt, dass mir jemand sein Buch schenken möchte, damit ich es lese (dahinter steckt ja immerhin auch ein gewisses Vertrauen in meine Meinung und Expertise), kann ich bei Weitem nicht alles lesen, was mir angeboten wird. Wenn also ein Buch nicht in mein Beuteschema passt, dann schreibe ich das auch in die Absage. Damit möchte ich die schriftstellerische Leistung nicht herabsetzen. Es ist nur einfach nichts für mich, weshalb es gut ist bei der Wahrheit zu bleiben.

Daniel Wolf: Im Zeichen des Löwen, Goldmann Verlag, Februar 2020
Hohe Seitenzahl? Kein Problem, wenn ich den Autor kenne und mag.
© Goldmann Verlag

Andere Bücher wiederum interessieren mich schon, allerdings schreckt mich manchmal die hohe Seitenzahl ab. Wenn ich ein dickes Buch eines meiner Lieblingsautoren kaufe, dann weiß ich im Groben, was ich erwarten kann. Wenn ich ein Buch mit über 500 Seiten eines unbekannten Autors (oder einer Autorin) angeboten bekomme, dann kann das super sein oder sich auch ziehen wie Kaugummi. Ich habe leider in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass der Schreibstil in dicken Büchern oftmals dazu tendiert zu ausschweifend zu werden. Die Handlung kommt nicht voran und man muss sich immer wieder selbst motivieren doch nun endlich mal weiterzulesen. Manchmal haben mich solche Bücher auch in eine Leseflaute gebracht, das heißt ich habe dann ein paar Wochen gar nicht mehr gelesen, weil mir die Motivation fehlte. Inzwischen habe ich gelernt und breche solche Bücher dann kurzerhand ab, weil es hat keinen Sinn sich durchzuquälen (wenn ich auch immer die Hoffnung hege, dass es irgendwann wieder gut und spannend wird). Am liebsten sind mir Debütromane mit einer Seitenzahl bis um die 300 Seiten. Da weiß ich, dass ich sie auch mit einigen Längen im Text in ein bis zwei Tagen schaffen kann. Ist ein Buch mal umfangreicher, dann muss die Inhaltsangabe schon sehr interessant sein, dass ich aufspringe und den Versuch wage. Auch in diesem Fall schreibe ich das dem Autor so und auch diesmal soll die Ablehnung des Werks keine Herabsetzung der schriftstellerischen Leistung sein.

Jeder Bücherfreund hat einen mehr oder weniger hohen SuB. Das sind Bücher, die man im Regal (oder neben dem Nachttisch) stehen hat und die man plant irgendwann zu lesen. Ganz oft sind auf diesem Stapel ungelesener Bücher Werke zu finden, die dort schon seit Jahren liegen, Staub ansetzen und die man sich immer wieder fest vornimmt endlich mal zu lesen. Mir geht es nicht anders. Mein SuB umfasst im Moment geschätzt etwa 300 Bücher, weshalb es mal sein, dass ich mir für ein paar Monate vornehme diesen Stapel zu verkleinern und nicht mit neuen Büchern zu vergrößern. Wie oben bereits angemerkt, könnte ich das ganze Jahr über Rezensionsexemplare lesen, ohne meinen SuB auch nur anzurühren, jedoch gibt es so einige Lieblingsautoren deren Neuerscheinungen mich brennend interessieren. In diesem Fall lehne ich Rezensionsanfragen ab und kaufe auch kaum neue Bücher, weil ich einfach Bücher weglesen möchte, die ich schon lange habe. Ich schreibe das dann auch mit dem Hinweis, sich in ein paar Monaten nochmal zu melden, wenn ich etwas mehr „Luft“ habe (mein generelles Interesse am Buch natürlich vorausgesetzt).

Lesen oder nicht lesen, das ist hier die Frage

Ich empfinde es als sinnlos Bücher zu lesen, für die ich mich nicht interessiere und die einfach nicht in mein Beuteschema passen. Die Zahl der interessanten Bücher ist riesig und die Zeit sie zu lesen ist begrenzt. Niemand würde in einem Buchladen ein Buch kaufen, das kein Interesse weckt. Selbst wenn es einem nichts kostet, wo läge der Sinn es zu haben und dann nicht zu lesen? Die Ablehnung einer Rezensionsanfrage hat daher nichts mit der Qualität des Buches zu tun, die ich über den Klappentext eh nicht beurteilen kann, sondern eher mit nicht vorhandenem Interesse an der Thematik. Das Buch kann super sein, der Autor (oder die Autorin) durchaus ein grandioser Schreiber, doch wenn das Buch nicht zu mir passt, dann kann und werde ich es nicht lesen. Ich finde, man sollte in solchen Fällen auch eine ehrliche Antwort schreiben, warum man das Buch nicht lesen möchte. Man tut sich selbst und dem Autor keinen Gefallen, wenn man die Anfrage akzeptiert, sich dann (vielleicht) durch das Buch quält und irgendwie eine Rezension zusammenschustert, die letztendlich weder dem Buch noch dem Autor gerecht wird. Wichtig finde ich es auch eine Antwort zu schreiben und die Anfrage nicht einfach in den Papierkorb zu schieben.

Eine gute Zusammenfassung meiner Regeln für Rezensionsanfragen gibt es bereits hier im Blog.

Jay

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