5. Januar 2026

Finster von Ivar Leon Menger

Ivar Leon Menger: Finster, dtv Verlag, 2024

Mai 1986. Ein 13-jähriger Junge verschwindet spurlos vom Jahrmarkt in Katzenbrunn. Das passiert nicht zum ersten Mal. Seit Jahren werden in dem kleinen Dorf im Odenwald immer wieder Kinder als vermisst gemeldet. Hans J. Stahl, Kriminalkommissar a. D., beschließt daraufhin, die Ermittlungen an den seither ungelösten Fällen wieder aufzunehmen und auf eigene Faust weiterzuführen. Er kehrt zurück nach Katzenbrunn, das vor allem für seine psychiatrische Klinik bekannt ist. Dabei stößt er auf verstörende Geheimnisse. Während er den wenigen Spuren nachgeht, verschwindet ein weiterer Junge. Stahl läuft die Zeit davon. (Quelle: dtv Verlag)

Titel: Finster Autor: Ivar Leon Menger Verlag: dtv Seitenzahl: 384 Genre: Psychothriller Lesealter: 16+ ET: 22.08.2024 Ausgaben: Taschenbuch, Hörbuch, E-Book Sonstiges:

Über den Autor Ivar Leon Menger

Ivar Leon Menger wurde am 25. Oktober 1973 in Darmstadt geboren, machte dort Abitur und studierte dann in Hildesheim Grafikdesign. Als Diplom-Designer arbeitete er zunächst als Werbetexter in Frankfurt/M. und später in einer Videothek in Darmstadt. Seine Liebe gilt dem Film, weshalb er nebenbei auch Kurzfilme produzierte, die u. a. bei der Berlinale ausgezeichnet wurden. 2007 übernahm er in Darmstadt die Werbeagentur seines Vaters, gründete 2009 seinen eigenen Hörbuch-Verlag, der bis 2013 Hörbücher, E-Books und Printausgaben produzierte. Sein erstes eigenes Buch mit dem Titel Als das Böse kam veröffentlichte Ivar Leon Menger 2022. Es folgten 2023 der Thriller Angst und 2024 der Thriller Finster, der es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. 2025 erschien dann sein Roman Der Tower. Leon Menger lebt mit seiner Familie in Darmstadt. (Quelle: Wikipedia)

Finster – weitaus mehr als nur ein hübsches Cover

Finster lag schon einige Monate auf meinem Stapel ungelesener Bücher (SuB). Er weckte mein Interesse seinerzeit schon mit dem recht einfach gehaltenen, aber dennoch düsteren Cover. Nun ist es bei Thriller-Covern häufig so, dass sie stets trostlos und mystisch erscheinen müssen, um die Aufmerksamkeit der Käufer zu erregen. Die Sonne scheint darauf quasi nie. Das Cover von Finster unterscheidet sich jedoch von den meisten 08/15-Covern, weil es tatsächlich eine Szene aus dem Buch darstellt. Zudem schafft es mit wenig Farben eine wirklich düstere Atmosphäre zu transportieren, als möchte es sagen: „Nein, Junge, nähere dich nicht diesem Wald“.

Das Cover ist die eine Sache. Hat man das Buch aber dann gekauft, stellt sich schließlich die Frage, ob die Handlung auch hält, was das Cover verspricht. Ich bin ja jetzt nicht so der Thriller-Junkie. Mein Leseschwerpunkt liegt in anderen Genres. Jedoch kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass Finster für mich zu den besten Thrillern gehört, die ich in den letzten 25 Jahren gelesen habe. Endlich mal wieder ein Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln und mir tatsächlich eine Gänsehaut verpassen konnte. Also ja, das Cover hält, was es verspricht.

Ein Psychothriller der diesen Namen auch verdient

Was macht Finster nun zu einem guten Thriller (in meinen Augen)? Nun, da wäre zunächst der Schauplatz der Handlung. Ein kleines Dorf mit dem Namen Katzenbrunn (das es in der Realität nicht gibt) ist der Ort des Geschehens. Das Dorf ist wirklich klein. Es hat nur wenige Häuser, viele alte Menschen leben dort, und somit ist auch die Zahl der Protagonisten überschaubar. Die Handlung spielt im Hochsommer bei drückender Hitze, sodass auch Katzenbrunn wie ausgestorben wirkt. Alles wirkt trostlos, abgelegen (kein Verkehr auf der Straße) und irgendwie auch von der Welt vergessen. Dass es im Dorf zudem eine geschlossene Psychiatrie gibt, die in einer alten Jugendstilvilla am Waldrand liegt, macht die ganze Situation auch nicht unbedingt einladender. Ivar Leon Menger schafft es perfekt, die Trostlosigkeit und diese seltsame, geheimnisvolle Atmosphäre zu transportieren. Man spürt: Hinter der Fassade des stillen Dorfes lauert etwas Schreckliches.

Atmosphärisch düster mit interessanten Charakteren

Die Bewohner des Dorfes lernt man im Laufe der Handlung nach und nach kennen, und einige von ihnen haben dunkle Geheimnisse, über die man natürlich nicht spricht. Man kennt sich gut untereinander, aber man schweigt über Dinge, die eigentlich nicht sein dürfen. Im Dorf verschwinden nämlich seit den 60er Jahren immer wieder Teenager (alles Jungen) auf mysteriöse Weise. Manche von ihnen kamen auch aus Nachbarorten. Es gibt keine Leichen und auch sonst kaum Hinweise über den Verbleib der Opfer. Man vermutet, dass ein Unbekannter sie mitnahm und wahrscheinlich tötete – der Greifer. Kommt der Täter aus den Reihen der Dorfgemeinschaft? Könnte womöglich die Psychiatrie etwas damit zu tun haben? Die Handlung lässt hier viel Raum für Spekulationen.

Spekulieren tut auch Kommissar Stahl, der seit einigen Jahren nicht mehr im Dienst ist. Er hat sich aber vorgenommen das Rätsel zu lösen und den geheimnisvollen „Greifer“ zur Strecke zu bringen. Doch wo soll er anfangen? Mit den einzelnen Kapiteln wechseln die Perspektiven der Handlung. So lernt man als Leser verschiedene Bewohner des Dorfes kennen und bekommt Einblicke in deren dunkle Geheimnisse. Doch wer könnte der Greifer sein?

Je tiefer man in die Handlung eintaucht, umso mehr setzen sich einzelne Puzzleteile scheinbar zu einem Gesamtbild zusammen. Doch wer glaubt, die Dinge zu durchschauen, der irrt. Irgendwann verschwindet wieder ein Kind und für Stahl wird die Zeit knapp. Die Wahrheit, so viel kann ich sagen, ist nichts für allzu schwache Nerven.

Ich will nicht zu viel verraten. Der Schreibstil des Autors ist fesselnd und es gibt kaum Passagen, die man hätte kürzen können. Ivar Leon Menger versteht sein Handwerk. Er spielt mit Worten und schafft dadurch eine bedrückende und zugleich faszinierende Stimmung, die es seinen Lesern nicht leicht macht, das Buch wegzulegen. Ich will zum Fazit kommen.

Mein Fazit zu Finster

5 von 5 Sterne
„Atmosphärisch und spannend von der ersten bis zur letzten Seite.“

Mir hat ausgezeichnet gefallen, wie Ivar Leon Menger mit seinen Lesern spielt. Die Hauptpersonen im Buch sind gut ausgearbeitet und vielschichtig beschrieben. Eine Reihe von Nebencharakteren sorgt für die nötigen Zweifel und gibt Raum für Spekulationen. Finster ist wirklich ein Psychothriller, der unter die Haut geht (zumindest ging es mir so). Man taucht ein und bekommt einen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele. Die Atmosphäre ist trotz Sommer und Sonnenschein (kein Nieselregen, kein Nebel, kein Sturm mit Donner und Blitzen), wie man sie sich für einen Thriller wünscht – vage und unberechenbar im Hinblick auf das, was als nächstes kommen könnte. Endlich mal wieder ein Buch, bei dem ich guten Gewissens meine 5 Sterne geben kann.

Jay

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