1. Januar 2026

Spellshop von Sarah Beth Durst

Sarah Beth Durst: Spellshop, Tor Verlag, 2024

Kiela hat es nicht so mit den Menschen – was als Bibliothekarin auch kein Riesenproblem ist. Doch als in der Hauptstadt des Reiches eine Revolution ausbricht und fast die gesamte Bibliothek den Flammen zum Opfer fällt, flieht sie auf eine entlegene Insel und beginnt noch einmal ganz von vorn. Sie bezieht ein kleines, gemütliches Cottage, kocht fantastische Marmelade und lernt ihre Nachbarn kennen. Mit dem durchaus attraktiven Seepferd-Züchter von nebenan bahnt sich sogar so etwas wie eine … Geschichte an.

Doch auch auf der Insel werden Kiela und ihre sprechende Zimmerpflanze Caz mit Problemen konfrontiert.

Zum Glück befinden sich in den Bücherkisten, die sie vor dem Feuer retten konnte, einige nützliche Zaubersprüche, mit denen sie die Dinge ins Lot bringen könnte. Wenn es nur nicht strengstens verboten wäre, sie anzuwenden. (Covertext)

Titel: Spellshop – Vom Zauber der kleinen Dinge (engl. The Spellshop) Autorin: Sarah Beth Durst Verlag: Tor Seitenzahl: 496 Genre: Cozy Fantasy Erste Auflage: 25.09.2024 Ausgaben: Hardcover, Hörbuch, E-Book ISBN: 978-3596710942 Sonstiges:

Über die Autorin Sarah Beth Durst

Sarah Beth Durst wurde am 23. Mai 1974 geboren und ist in Massachusetts (USA) aufgewachsen. Sie schreibt für Kinder, (junge) Erwachsene und hat bisher über 30 Bücher im Genre Fantasy veröffentlicht. Sie wurde mehrmals ausgezeichnet und auch dreimal für den bekannten Nebula Award nominiert, ein Preis für die besten Texte aus den Genres Science Fiction und Fantasy, der seit 1966 verliehen wird. Mit ihren beiden Romanen The Spellshop und The Enchanted Greenhouse kam sie 2024 in die Bestsellerliste der New York Times. Sie lebt mit ihrer Familie in Sony Brook, New York.

Cozy Fantasy, echt jetzt?

Eigentlich …, nun eigentlich schlägt mein Fantasyherz ja für die eher dunkle Seite des Genres. Dazu gehören Welten mit düsterer Stimmung, Horrorelementen und Helden, die auch mal zur bösen Seite tendieren und nicht zu den „Guten“ im klassischen Sinn gehören. Bei Cozy Fantasy* ist das hingegen ganz anders. Hier steht vor allem Wohlfühlatmosphäre, Ruhe und zwischenmenschliche Wärme im Mittelpunkt, also das genaue Gegenteil von Dark Fantasy. Wie also, um Himmels Willen, konnte ich mich so im Buch vergreifen und meine dunkle Fantasy-Seele so peinigen?

*cozy (engl.): gemütlich, behaglich, heimelig

Sarah Beth Durst: The Spellshop

Ich meine, seht euch das Cover von Spellshop doch mal an! Kunterbunt, sonnig und lebensfreudig. Da fehlt eigentlich nur noch das Einhorn vor dem Haus (das übrigens im Buch auch vorkommt). Also ja, ich oute mich jetzt, ich bin auf das Buch wegen des Covers aufmerksam geworden. Gerade, weil es so kunterbunt ist. Diese Hütte sieht geradezu magisch aus, wie sie in diesem augenscheinlich verwunschenen Wald zu stehen scheint. Die Sonnenstrahlen scheinen mystisch durch die Zweige der Bäume auf den Kater mit den Flügeln. Dieser liegt ganz entspannt auf der Treppe und döst in der Wärme. Es ist ein wirklich schönes Cover, das Cozy Fantasy ausstrahlt.

Doch der Umschlag allein war nicht der Grund für den Kauf dieses Buches. Auch die Geschichte an sich fand ich interessant. Der Covertext versprach ein entspanntes Leseerlebnis, spannend, jedoch ohne große Konflikte oder gar Gewalt. Also ein bisschen wie eine Wärmflasche für die Seele. Etwas, das man gut vor Weihnachten gemütlich auf dem Sofa lesen kann.

Mein Leseeindruck

Kiela hat es nicht einfach. Fast ihr ganzes Leben hat sie als Bibliothekarin in der großen Bibliothek der Hauptstadt Alyssium verbracht und sich um die dort verwahrten Bücher gekümmert, darunter auch welche über Zauberei. Als eine Revolution den Kaiser stürzt und bei dieser Gelegenheit auch gleich die ganze Bibliothek in Flammen aufgeht, schafft sie es einige Zauberbücher zu retten und mit einem Boot zu fliehen. Sie kehrt zurück auf die Insel ihrer Kindheit, findet dort die alte verlassene Hütte ihrer Familie und beschließt zu bleiben.

Kiera ist ein sehr vielschichtiger Charakter, die Menschen eher aus dem Weg geht und eigentlich ihre Ruhe haben möchte. Gar nicht so einfach auf einer kleinen Insel, wo jeder jeden kennt und man nicht in einer Menschenmenge untertauchen kann. Mir hat gut gefallen, wie sich Kiela im Laufe der Handlung immer mehr wandelt und ihre Zurückhaltung verliert. Es sind die Dorfbewohner, allen voran der freundliche Larran, die Kiela helfen ihr Schneckenhaus langsam zu verlassen. Sie findet nicht nur liebenswerte Freunde, sie lernt auch die Insel und ihre Probleme näher kennen und schätzen. Mit Zauberei, die eigentlich streng verboten ist, versucht sie Dinge wieder geradezurücken, die dort seit Jahren schieflaufen.

Spellshop ist voller Magie

Das Buch ist voller Magie. Viele interessante Wesen tummeln sich zwischen den Seiten. Da gibt es fliegende Katzen, Seepferde (eine Mischung aus Pferd und Fisch), singende Bäume, Meermenschen, Baumwächter, einen laufender und sprechender Kaktus und einiges mehr. Nicht zu vergessen Kielas treuer Begleiter Caz, ein intelligentes, sprechendes Spinnenkraut, und selbstverständlich darf ein Einhorn ebenfalls nicht fehlen. Doch auch die Dorfbewohner auf der Insel sind so vielseitig, wie der ganze Rest, doch ich will nicht zu viel verraten. Es ist eine stimmungsvolle magische Welt, die Sarah Beth Durst da zaubert und in die man gerne eintaucht.

Wenn man nun meint, Cozy Fantasy wäre langweilig zu lesen, der irrt gewaltig. Zwar gibt es keine mächtigen Krieger, die mit Schwertern und Äxten aufeinander eindreschen, doch leidvolle Momente gibt es dennoch. Spannung entsteht besonders durch die Schicksale einzelner Charaktere und Wesen, die man im Buch kennenlernt und die man mit der Zeit lieb gewonnen hat. Die Probleme der Menschen, die Kiela zu lösen versucht, tragen zur Atmosphäre und Spannung ebenso bei, wie das Wirken der verbotenen Magie. Dies führt bisweilen zu witzigen Ergebnissen, da Kiela eigentlich keine Zauberin ist, und deswegen mit den Zauberbüchern experimentiert. Letzteres wird sie im Laufe der Handlung auch in Schwierigkeiten bringen (was natürlich abzusehen war). Doch es wäre nicht Cozy Fantasy, wenn sich nicht ganz zum Schluss alles zum Guten wenden würde. Dennoch ist es ein Buch, das einen bis zur letzten Seite fesseln kann

Sarah Beth Dursts Welt ist sehr facettenreich und vielschichtig. Auch wenn die Handlung eher ruhig ist, geschehen doch immer wieder Dinge, die Abwechslung in die Handlung bringen. Man sollte also nicht glauben, dass Kiela über dutzende Seiten immer nur Marmelade kocht. Da ständig etwa passiert, wird einem beim Lesen bestimmt nicht langweilig. Hinzu kommt, dass die Autorin natürlich auch eine kleine Liebesgeschichte mit einfügte (klar, ohne eine solche geht es hier ja fast nicht). Hinzu kommt eine gute Portion Humor, vor allem durch Caz, die sprechende Pflanze, und den Kaktus namens Miep. Beide sind eine wirkliche Bereicherung für das Buch und fügen sich wunderbar in die Handlung ein.

Mein Fazit zu Spellshop

4.5 von 5 Sternen
„Eine bezaubernde Geschichte voller faszinierender Charaktere.“

Obwohl Cozy Fantasy eigentlich nicht so mein Genre ist, habe ich es nicht bereut Spellshop gekauft und gelesen zu haben. Es ist eine herzerwärmende, mitunter witzige Geschichte, die man gut zur Entspannung lesen kann. Am besten auf dem Sofa mit einer guten Tasse heißer Schokolade (wie es die Autorin tat). Atmosphärisch ist Sarah Beth Dursts Erzählstil sehr stark und auch die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Sie fügen sich gut in die Welt, welche mit vielen Ideen und Liebe zum Detail entworfen wurde und die man gerne erkundet. Mir hat Spellshop gut gefallen.

Jay

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