Jessi Kirby: Offline ist es nass, wenn’s regnet

Jessi Kirby: OFFLINE ist es nass, wenn’s regnet, Taschenbuch,
Loewe Verlag, 2019

Inhalt

Mari Turners Leben ist perfekt. Zumindest denken das ihre vielen tausend Fans in den Sozialen Medien, die ihr halfen eine Internet-Berühmtheit zu werden, eine sogenannte Influencerin.
Als sie jedoch eines Tages einen Zusammenbruch erleidet und ein Video in Netz stellt, in dem sie zugibt nicht glücklich zu sein und dass alles nur eine Fassade ist, verbreitet es sich rasant und führt zu heftigen Gegenreaktionen ihrer Fans.
Um dem Shitstorm zu entkommen, trifft sie eine spontane Entscheidung: sie möchte den John Muir Trail wandern, einen 211 Meilen langen, nicht ganz ungefährlichen Wanderweg quer durch den Yosemite Nationalpark. Maris verstorbene Cousine Bri wollte ihn mit ihr zusammen bewältigen, um gemeinsam ihren 18. Geburtstag zu feiern, doch das war bevor Mari die Sozialen Medien über ihre Freundschaft zu Bri stellte und ihre Cousine aus ihrem Leben verdrängte. Spontan lässt Mari ihr bisheriges Leben, Facebook und Co. hinter sich und wagt den Trail ohne ihre tote Cousine. Sie stellt sie sich den Herausforderungen der harten Wanderung und lernt ihr junges Leben und die Welt von einer ganz anderen Seite kennen. Schneebedeckte Berge, reißende Flüsse und Blasen an den Füßen, aber auch Sonnenaufgänge wie aus dem Bilderbuch sind Erfahrungen, die sie für immer verändern sollen.

Titel: Offline ist es nass, wenn’s regnet (The Other Side of Lost) Autorin: Jessi Kirby Verlag: Loewe (Harper Teen) Seitenzahl: 336 (320) Alter: 14-17 Erste Aufl.: 14. Januar 2019 (07. August 2018) Ausgaben: Taschenbuch, E-Book ISBN: 978-3743203778 (TB) Sonstiges: Illustriert

Über die Autorin

Jessi Kirby wurde am 28. Juli 1978 in Kalifornien (USA) geboren, wo sie in Mammoth Lakes ihre Kindheit verbrachte. Nach der High School studierte sie Englisch in San Luis Obispo und arbeitete im Anschluss als Englischlehrerin und Bibliothekarin, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Ihren Debütroman Moonglass veröffentlichte sie bereits 2011. Offline ist es nass, wenn’s regnet ist ihr sechstes Jugendbuch. Sie lebt und schreibt in Crystal Cove (Central California) mit ihrem Ehemann und zwei Kindern und versucht das Beste aus ihrem Leben zu machen.

Meine Meinung

Jessi Kirby: The Other Side of Lost, US-Hardcover, Harper Teen, 2018

Vorweg muss ich sagen, dass die Zielgruppe für das Buch Offline ist es nass, wenn’s regnet wohl eher jugendliche Mädchen sind. Weshalb ich als männlicher Blogger das Buch dennoch gelesen (und auch genossen) habe, liegt wohl an meiner aufregenden Vergangenheit als Pfadfinder ab dem zarten Alter von 12 Jahren, und meine Freude an ausgedehnten Wanderungen, zum Beispiel 180 gemütliche Kilometer quer durch den Schwarzwald, über den Westweg von Pforzheim nach Basel. Zu meiner Kinder- und Jugendzeit gab es die überall gegenwärtigen Sozialen Medien, die heute viele unsere Kinder schon in jungen Jahren so vereinnahmen, noch nicht. Soziale Kontakte und Beziehungen spielten sich analog ab und nicht digital. Wollte man Freunde treffen, dann musste man vor die Türe treten und aktiv etwas unternehmen – nach der Schule, im Freibad, im Kino oder wo auch immer. Heute ist das wohl anders, wenn die persönliche Beliebtheit an der Anzahl von „Likes“ und „Freunden“ bei Instagram, Facebooks und anderen Portalen gemessen wird, dann kann man von echten Beziehungen kaum mehr sprechen. Ich kann Eltern und vor allem auch Kindern und Jugendlichen nur wünschen, dass sie in ihrer Freizeit möglichst vieles von dem erleben können, was das echte Leben ausmacht und was ich selbst in ihrem Alter erlebt habe.
Der deutsche Titel von Jessi Kirbys neuem Buch lautet Offline ist es nass, wenn’s regnet, und schon allein den Titel finde ich richtig gut, weil er genau das aussagt, um das es in dem Buch geht. Das wahre Leben mit allen seinen Herausforderungen spielt sich nicht online ab, sondern draußen ohne Handy und dergleichen. Die Protagonistin Mari ist eine Influencerin, eine Online-Persönlichkeit mit über 500.000 Followern und dennoch ist sie einsam. Sie baut seit Jahren beständig an ihrer Präsenz in den Medien und will dabei in erster Linie anderen gefallen. Sie errichtet eine Fassade und täuscht ihre „Freunde“ in den Sozialen Netzwerken über ihre wahres Leben, indem sie genau so handelt, wie man es von ihr erwartet. Sie will immer makellos und perfekt sein, gesund, sportlich und wirklich verliebt, was sie eigentlich so nicht ist. Ihr ganzes junges Leben ist ein Fake und damit zählt sie für mich zu den bedauernswertesten Menschen auf der Erde. In ihrem äußerlich perfekten Leben lässt sie sogar Menschen zurück und schließt sie aus, denen sie wirklich etwas bedeutet, zum Beispiel ihre Cousine Bri, mit der sie noch in ihrer Kindheit eng befreundet war. Bri ist so ganz anders, als Mari. Sie ist aktiv und naturverbunden und ständig mit ihrem Rucksack auf der Suche nach neuen Abenteuern und Herausforderungen. Zu gerne würde sie Mari mit in ihr neues großes Abenteuer mitnehmen, einer mehrwöchigen Wanderung auf dem nicht eben leichten John Muir Wanderweg quer durch den Yosemite Nationalpark. Doch Bri stirbt noch vor ihrem 18. Geburtstag…
Mir hat sehr gut gefallen, dass Mari ihr altes Leben von sich aus aufgibt, die Fassaden ihres Lebens niederreißt und sich der Herausforderung der Wanderung allein stellt. Zunächst noch zögerlich, nur um ihrer verstorbenen Cousine einen letzten Gefallen zu tun, doch später dann mit wachsendem Eifer, obwohl sie immer wieder Selbstzweifel plagen und sie sich selbst für zu schwach und unfähig hält. Sie findet während ihrer Wanderung nicht nur neue (und echte) Freunde, sondern macht auch viele Erfahrungen, indem sie die Welt und ihre unberührte Natur mit allen Sinnen genießt und dabei zu sich selbst findet. Die Härten, denen sie entgegentritt, machen sie reifer und sie merkt, was sie eigentlich in den Jahren vorher verpasst hat. Die Charakterentwicklung ist der Autorin gut gelungen, ebenso wie die Ausgestaltung der anderen Charaktere im Buch. Es gab sogar die eine oder andere Stelle, an der ich selbst lauthals lachen musste (was normalerweise nicht oft vorkommt) und das Buch konnte mich auch immer wieder emotional berühren.
Der Schreibstil ist flüssig und die Sprache den jungen Leserinnen und Lesern angemessen. Der eineinhalb Zeilen Abstand macht es auch Weniglesern einfacher am Text zu bleiben, ebenso wie die überschaubaren Kapitel. Man merkt auch, dass Jessi Kirby selbst in der Natur aktiv ist, denn ihre wunderbaren Naturbeschreibungen und Erklärungen der Verhältnisse auf dem Trail machen es den Lesern leicht, sich Maris Weg vorzustellen. Das ist wohl auch der Grund, weshalb ich das Buch innerhalb von einem Tag lesen konnte und ich von der Lektüre recht angetan war.
Richtig toll geworden, und das muss ich an dieser Stelle auch gleich mit anmerken, ist das Cover der deutschen Ausgabe. Es ist nicht nur schön gestaltet und von den Farben gut gelungen, es spiegelt auch viele Emotionen wieder und trifft gleichzeitig den Kern des Buches. Man sieht Mari von hinten, wie sie offen ihrem neuen Leben entgegentritt. Ebenso gut gelungen sind die zahlreichen Illustrationen im Buch von Imke Sönnichsen, die den Text begleiten.

5 von 5 Sterne
„Ein tolles Buch!“

Mein Fazit

Offline ist es nass, wenn’s regent ist ein Buch, dass ich nur zu gerne empfehlen möchte. Insbesondere jugendliche Mädchen, die gerne lesen, wird es vermutlich gefallen. Das Buch greift aktuelle Themen auf und kontrastiert verschiedene Lebenseinstellungen, die sicher auch noch in einigen Jahren aktuell sein werden. Ich denke auch, dass sich Jessi Kirbys Buch gut als Lektüre für die Schule eignet, weil es Möglichkeiten zu Diskussionen bietet. Ein toll geschriebenes Buch und auch das Cover gehört schon jetzt zu meinen Highlights für 2019.

An dieser Stelle nochmal vielen Dank an den Loewe Verlag für das freundlicherweise zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Jay

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