Torsten Fink: Der Prinz der Rache

Torsten Fink Der Prinz der Rache Deutsche TB-Erstausgabe

Torsten Fink
Der Prinz der Rache
Deutsche TB-Erstausgabe

Inhalt

Eine Katastrophe überflutet eine Erzmine in der reichen Bergbaustadt Xelidor und viele hundert Bergarbeiter finden den Tod. Man macht den geachteten Kaufmann Aretor Merson, einen Teilhaber an der Mine, für den Vorfall verantwortlich und verurteilt ihn wegen Hexerei zum Tode. Seine Frau, die beiden Söhne und die Tochter werden nach der Hinrichtung in die „Halde“ gebracht, einer ehemaligen Pesthöhle, in der man den Abschaum der Stadt auf ewig vergessen konnte. Vil, der 15-jährige ältere Sohn der Mersons tut alles, um seinen Geschwistern und der Mutter das Leben in der Verbannung zu erleichtern, doch das Leben in der Halde ist hart und fordert schon bald ihren traurigen Tribut. Nach dem Tod seines jüngeren Bruders Faras und seiner Mutter schwört Vil bittere Rache gegen alle Beteiligten an ihrem Schicksal. Doch nicht nur will er mit seiner Schwester der Halde entkommen, er möchte auch den Namen seiner Familie wieder herstellen. Mit Skrupellosigkeit und Geschick gelingt es ihm sich einen Platz in der Unterwelt von Xelidor zu erkämpfen und kommt damit seinem Ziel immer näher. Doch die Männer und Frauen, die hinter dem Untergang seiner Familie stehen, sind einflussreich und mächtig und schon bald merkt Vil, dass er für seinen Racheschwur einen allzu hohen Preis zahlen muss…

Über das Buch

Der Prinz der Rache ist ein recht dickes Buch mit 770 Seiten. Es ist in fünf Teile untergliedert. Eine weitere Unterteilung fehlt. Absätze im Buch leiten Perspektivenwechsel ein. Das Buch ist im Januar 2014 bei Blanvalet erschienen und gilt als eigenständiger Roman.

Meine Meinung

Die Geschichte hat einen recht guten Start. Torsten Fink beschreibt anschaulich die Katastrophe in der Mine und die darauf folgenden Ereignisse, die zur Hinrichtung von Artor Merson und zur Verbannung seiner Frau und der Kinder auf die Halde führen. Sofort vermutet man als Leser eine Intrige und ist gespannt auf den weiteren Verlauf der Geschichte. Das Leben in der Halde, einer ehemaligen und gut bewachten Pesthöhle, die als Gefängnis für den Abschaum Xelidors dient, ist sehr gut beschrieben. Wie auch in richtigen Gefängnissen gibt es Hierarchien und einflussreiche „Bosse“, die alle anderen schikanieren und unterdrücken. Hier hat es der Autor wirklich gut verstanden einefesselnde Atmosphäre aufzubauen und die Geschichte glaubwürdig zu erzählen. Die zahlreichen Ungerechtigkeiten gegenüber Vil, seinen jüngeren Geschwistern und der Mutter brachten bei mir das Blut in Wallung. Traurige Höhepunkte waren dann der Tod von Vils kleinem Bruder Faras und der immer deutlicher werdende Verfall der Mutter, der schließlich mit einem Mord an ihr beendet wurde. Hinzu kam, dass Vils Onkel Esrahil, ein Kaufmann in Xelidor, kaum etwas für seine Angehörigen tat, aus Angst ihm könnte ein ähnliches Schicksal widerfahren. Man kann sich also kaum eine bessere Grundlage für ein Rachemotiv, wie es der Titel des Buches verspricht, vorstellen. Das erste Drittel des Romans konnte mich richtig fesseln. :lesen:
Eigentlich hätte es bis Seite 770 so weiter gehen können. Torsten Fink hatte auch wirklich gute Ideen dafür. Zum Beispiel die „Gesegneten“, ausgestoßene Männer und Frauen, denen man Magie nachsagte und vor deren Todesflüche man sich abergläubisch verstesteckte. Vils Beziehung zu einer Gesegneten gab der Geschichte eine weitere interessante Note. Außerdem mächtige Unterweltbosse und deren Schläger, denen Vil in die Quere kam (oder sie ihm), hatten ebenfallsPotential für eine abwechslungsreiche Geschichte. Nicht zuletzt Vils Halden-Freundschaft mit Sed, einem älteren Jungen, der ebenfalls der Halde entkommen konnte. Alles eigentlich wunderbar. Leider war mir die Umsetzung zu einfach und das Spannungspotential zu wenig ausgeschöpft. Wenn ein Hauptcharakter so vom Schicksal gebeutelt ist, wie der junge Vil Merson, dann erwartet man als Leser einen gewissen Grad an Genialität in der Umsetzung seines Rachefeldzugs. Etwas, dass einen innerlich lächeln lässt, weil es eben besonders ist. Die Rache selbst war dann aber reichlich unspektakulär. Vil ersticht seinen ersten persönlichen Feind einfach auf offener Straße und die Passanten sehen zu. Sein Widersachen, einige Seiten vorher noch als nahezu unbezwingbar dargestellt, bitten vorher noch um Gnade, dann ein Stich in dessen Hals, fertig. Ebenso verhält es sich im weiteren Verlauf der Handlung. Einer nach dem anderen stirbt auf eher wenig dramatische Weise. Schade. Man hätte das viel besser zelebrieren können. 8)
Die Handlung ist zwar irgendwo abwechslungsreich, aber sie plätschert manchmal einfach nur dahin.
Zum Schluss hin sollte es dann wohl auf ein großes Finale hinauslaufen und ich hatte gehofft, dass der große Showdown viele offene Fragen lösen und ein überraschendes Ende bescheren würde. Dem war leider nicht so. Der großer Strippenzieher, der vermutlich hinter der Intrige gegen Vils Familie steckt (das kommt nicht so genau heraus), offenbart sich Vil, obwohl er das eigentlich gar nicht müsste und es auch nicht gerade zu diesem geheimnisvollen und einflussreichen Charakter passt. Dadurch sollte der Leser wohl Einblick in die Hintergründe bekommen. Es wird jedoch nicht abschließend geklärt, wer nun alles an der Intrige beteiligt war und vor allem welche Gründe es dafür gab. Allzu viele Fragen bleiben leider offen. Zum Beispiel:

Spoiler Zeigen

Nach der letzten Seite ist man unschlüssig. Soll das jetzt das (unbefriedigende) Ende gewesen sein oder kommt da irgendwann noch eine Fortsetzung nach? Auf dem Buch selbst steht nichts von einem Mehrteiler. Bleibt eigentlich nur noch abzuwarten.

Fazit

3 von 5 Sternen "Gutes Buch mit einem leider nur unbefriedigenden Ende."

3 von 5 Sternen
„Gutes Buch. Leider nur unbefriedigendes Ende.“

Eigentlich eine gute Geschichte mit vielen Ideen und einem vielversprechenden Start. Leider konnte der Roman mich in der zweiten Hälfte nicht mehr so ganz überzeugen. Für die Charaktere hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht, ein bisschen mehr Emotion und einen besseren Einblick in ihre Gedankengänge, ihre Stärken und Schwächen. Zum Schluss bleibt der Autor leider sehr viele Antworten auf interessante Fragen schuldig und lassen mich als Leser ratlos zurück. Das schreit eigentlich schon nach einer Fortsetzung. Dennoch bin ich enttäuscht von diesem allzu vagen Schluss, der mich jetzt auch nicht gerade für einen zweiten Teil einnimmt und der vielleicht niemals kommt.

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