Tom Finnek: Unter der Asche (Historischer Roman)

Tom Finnek: Unter der Asche
Ehrenwirth Verlag, 2009

Inhalt

London 1666. Vier Tage lang brennt sie Stadt.
Man hat wieder einen König, der Handel gedeiht, die Wissenschaft macht Fortschritte, die Menschen schöpfen wieder Hoffnung nach der Schreckensherrschaft der Puritaner
In den Gassen von Southwark am Südufer der Themse, wo Menschen und Tiere sich um Essensreste streiten, schlägt sich der Straßenjunge Geoff mehr oder weniger redlich durch. Tagsüber arbeitet er für den Wirt einer Spelunke, wo seine Schwester Jezebel den Gästen serviert. Abends verzieht er sich in eine dunkle Gasse, wo die Ratten hausen. Und am Sonntag geht er in die Armenschule, wo der geheimnisvolle Master Gerrard unentgeltlich unterrichtet. Auch Geoff ist umgeben von Geheimnissen. Doch als er versucht, ihnen auf den Grund zu gehen, soll dies sein ganzes Leben und das seiner Schwester verändern. Denn die Vergangenheit ist immer noch lebendig, und das ungesühnte Leid von gestern wirkt bis in die Gegenwart. Unter der Asche glimmt das Verlangen nach Rache, das am Ende zum Feuer des großen Brandes führt, welcher ganz London zu vernichten droht.

Über das Buch und den Autor

Tom Finnek, mit bürgerlichem Namen Mani Beckmann, wurde 1965 in Westfalen geboren. Er ist verheiratet, hat zwei Söhne und wohnt mit seiner Familie in Berlin. Sein Roman Unter der Asche erschien 2009 beim Verlag Ehrenwirth Lübbe und hat 645 Seiten in der Hardcoverausgabe. Die Story hat mehrere Handlungsstränge, die immer wieder wechseln. Das Buch ist in acht Teile aufgeteilt, die jeweils mehrere Unterkapitel haben. Hinzu kommt ein erklärender Epilog, der die geschichtlichen Hintergründe des Buches anspricht. Auf der Innenseite des Covers findet man Karten von London, die die wesentlichen Handlungsorte aufzeigen und dem Leser die Orientierung erleichtern.

Meine Meinung

Ich mag London als Stadt und Reiseziel sehr gerne, ebenso die Geschichte der Metropole, die wirklich sehr bewegt und vielfältig ist. Aus diesem Grund hat mich auch Tom Finneks Unter der Asche interessiert, spielt er doch in einer sehr interessanten Zeit. Nicht lange nach dem Tod Oliver Cromwells und der strengen Herrschaft der Puritaner, befindet sich London wieder im Aufwind, bis 1665 die Pest in der Stadt wütet und 1666 The Great Fire of London große Teile der Stadt in Schutt und Asche legt. Finneks Roman spielt genau in jenen tragischen Monaten während der Pest und vor dem Feuer und erzählt vom Leben der Menschen in der schon damaligen Weltmetropole. Sein Augenmerk richtet sich auf den südlichen Teil der Stadt, jenseits der Themse, wo die Armen und Geächteten ihr Dasein fristen und sich mehr schlecht als recht durch den Tag kämpfen. Zentrale Personen des Romans sind der 13-jährige Straßenjunge Geoff und seine ältere Schwester Jezebel, die mit ihrem trunksüchtigen Vater in einem schmutzigen Verhau in Southwark an der Themse leben. Gefallen hat mir, wir detailliert Tom Finnek die Lebenssituation und Probleme der Menschen beschreibt. Ihre Furcht vor der Pest oder auch vor dem Schlitzer von Southwark, der in dem Stadtteil sein Unwesen treibt und Frauen ermordet. Finnek lässt viele verschiedene Aspekte und Details in seine Erzählung einfließen, wodurch sie im Kopf des Lesers sehr atmosphärisch und lebendig wird. Im Laufe der Handlung richtet sich der Fokus dann immer mehr auf die Ereignisse und Hintergründe in Geoffreys und Jezebels Leben. Der neugierige Junge versucht herauszubekommen, warum seine Mutter die Familie verlassen hat, ebenso wie sein älterer Bruder. Dabei gerät er unweigerlich immer tiefer auch in die Geheimnisse, die seine Mitmenschen umgeben. Stück für Stück entdeckt er, dass sich viele Dinge ganz anders verhalten, als man ihm ursprünglich erzählt und wie er zunächst vermutet hat. Unter dem Deckmantel von Lüge und Verrat, erschließen sich ihm die tatsächlichen Ereignisse, die sein junges Leben bis dahin geprägt haben. Was als historischer Roman beginnt, entwickelt sich somit immer mehr zu einer Familiengeschichte, für die die Stadt London nur noch den Rahmen darstellt. Der Titel Unter der Asche ist daher durchaus doppeldeutig zu sehen. Zum einen spielt er natürlich auf das Große Feuer von London im Jahr 1666 an, das jedoch nur zu Beginn des Buches und am Schluss eine wirkliche Rolle spielt (die Handlung ist quasi ein Rückblick auf die Ereignisse, die zu dem Feuer geführt haben sollen). Zum anderen interpretiere ich den Titel als Sinnbild für Geoffreys und Jezebels Suche nach der Wahrheit in ihrer Vergangenheit, die unter einer Vielzahl von falschen Behauptungen und schmutzigen Intrigen verdeckt wurde.
Ich muss gestehen, dass ich im letzten Drittel ein wenig mit Längen zu kämpfen hatte. Durch die regelmäßigen Wechsel der Handlungsstränge geschieht es unweigerlich, dass Ereignisse sich wiederholen, weil sie aus einer anderen Perspektive betrachtet werden. Spätestens auf den letzten 100 Seiten nimmt die Handlung jedoch wieder mehr Fahrt auf und mündet in einem insgesamt stimmigen Ende. Gut gefallen hat mir, dass Finnek versuchte jedem der wichtigeren Charaktere auch eine hinreichend glaubhafte Hintergrundgeschichte zu geben und die Charakterzüge zu erklären. Ich hatte auch durchweg den Eindruck, dass der Autor für den Roman weitreichende Recherchen angestellt hat. In seinem Epilog am Schluss geht auf nochmals gezielt auf die vermuteten geschichtlichen Hintergründe und Erkenntnisse ein. Insgesamt kann ich sagen, dass mir der Roman gut gefallen hat und dass es der Autor wirklich geschafft hat mir einen interessanten Einblick in das London des 17. Jahrhunderts zu gewähren.

3.5 von 5 Sternen
„Ein lesenswertes Stück Geschichte.“

Mein Fazit

Ein durchaus lesenswerter Roman für alle, die sich für die Londoner Geschichte im 17. Jahrhundert interessieren. Da der Roman sich sehr auf die Geschichte von Geoffs Familie und die Ereignisse seiner Kindheit fokussiert, ist er jedoch auch für andere Leser interessant, die solche Romane mögen. In Unter der Asche gibt es so manches dunkle Geheimnis, das gelüftet werden will.

Jay

 

 

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