Thilo Corzilius: Dorn

Thilo Corzilius: Dorn Deutsche Taschenbuchausgabe

Thilo Corzilius: Dorn
Deutsche Taschenbuchausgabe

Inhalt

Drei unerwartete Besuche verändern das beschauliche Leben des jungen Markgrafen Deckard für immer: Ein trauernder Bote, der den Tod des alten Königs verkündet. Eine geheimnisvolle junge Elbin, die um Zuflucht bittet. Und ein finsterer Attentäter, der auf der Suche nach etwas ist, das die Welt Dorn für immer aus dem Gleichgewicht bringen könnte. Deckard begibt sich auf eine Reise, die zunächst nach der lästigen Erfüllung seiner Pflicht aussieht, doch schon bald findet er sich in einem Netz aus Intrigen, Machtgier und Verrat wieder. Und ein großer Krieg beginnt an allen Ecken und Enden des Reiches zu nagen – wie ein hungriges und nimmersattes Tier… (Text dem Buch entnommen)

Zum Buch und zum Autor

Dorn ist ein eigenständiger, abgeschlossener Roman mit 410 Seiten in 17 Kapiteln. Es gibt ein Proludium (Prolog) und ein Postludium (Epilog). Erzählt wird eine Geschichte (die abenteuerlichen Erlebnisse des Markgrafen Deckard von Falkenberg), die der Markgraf dem Wirtsjungen Hinck erzählt. Also eine Geschichte in der Geschichte. Die gesamte Handlung wird aus der Ich-Perspektive des Markgrafen erzählt und ist nochmals in drei größere Abschnitte unterteilt. Jeder der Abschnitte endet daher auch mit einem Interludium, in dem der Leser in die Erzählzeit von Hinck und Deckard zurückversetzt wird. Auf den ersten Seiten des Romans befindet sich zudem eine schön gezeichnete doppelseitige Karte des Kontinents Dorn mit allen wichtigen Orten.
Dorn ist als Taschenbuch 2014 beim Piper Varlag erschienen.

Thilo Corzilius wurde 1986 in Dortmund geboren. Er schrieb vor Dorn bereits andere Bücher, bezeichnet es aber als „jenes Buch, das ich zuerst und immer schon schreiben wollte.“ Inspirieren ließ er sich dabei u. a. von J. R. R. Tolkien und dem deutschen Autor Ralf Isau (Neschan-Trilogie, Der Kreis der Dämmerung). Nach vielen Jahren der Ideen- und Materialsammlung worde Dorn dann endlich fertig.

Meine Meinung

Tja, meine Meinung ist sehr gespalten. Zum einen fand ich die Ideen zur Handlung des Buches recht gut, allerdings scheitert das Buch in meinen Augen an einigen Dingen, die mir sehr wichtig sind. Lasst es mich kurz zusammentragen:
:arrow: Was dem Buch auf Dauer den Reiz nahm war definitiv der Schreibstil, der gar nicht so recht passte. Über die Ich-Perspektive kann man sich bestimmt streiten, ich denke jedoch, dass sich der Autor durch die eingeschränkte Sicht des Hauptcharakters selbst um sehr viele Möglichkeiten zum Spannungsaufbau gebracht hat. Ein allwissender Erzähler wäre hier wohl besser gewesen, aber gut.
:arrow: Was jedoch gar nicht passte und mich immer wieder störte, war der Sprachstil. Der Hauptcharakter ist ein Adliger, Markgraf Deckard (32 Jahre), und dennoch pflegt er eine Ausdrucksweise, die eher zu einem Pubertierenden passt. Aber auch andere ehrwürdige Charaktere (Elben, Grafen, Könige,…) reden wie die Teenager beim Kneipenbesuch. 8)

Flankiert wurde der brachiale Zentralbau… (Markgraf Deckard, S. 86)

Das Wort „brachial“ kommt im Buch noch häufiger vor und passt definitiv nicht in eine Fantasywelt (zumindest sehe ich das so).

„Und aus dem Norden Gamars wegzukommen, wäre ein sehr positiver Nebeneffekt. Es ist saukalt da oben“, grinste sie. (Ellyn, Tochter des Grafen von Gamar, S. 122)

Die grinsende Grafentochter, die sich zudem für den Königsthron bewirbt, hat schon ein paar saugute Ausdrücke parat. :mrgreen:

„Wäre also heute Abend bereits ein möglicher Termin?“ (Amondo zu Deckard, S. 93)

Amando, der Großmeister eines Ritterordens, fragt Deckard nach einem ihm passenden „Termin“ für die Beerdigung des Königs. Fehlt nur noch, dass Deckard schnell noch seinen Terminkalender (oder das Smartphone) zückt. Zudem ist es unglaubwürdig, dass sich der Markgraf der ausdrücklich kleinsten Grafschaft des Reiches mit einem gemeinen Ritter über einen Beerdigungszeitpunkt für den König einig werden muss. Die Beerdigung ist, wann sie eben ist. Punkt. :nono:

„Warum passiert hier nur so eine riesige Scheiße an jeder Ecke?“
(Markgraf Deckard, S. 175)

Ach, ja. Das Leben ist kein Ponyschlecken, Graf Deckard.

„Es ist nur richtig, das nach uns niemand jemals wieder diese Dämonendinger in Gebrauch nehmen kann,“ (König Fjelding, S. 248)

Dämonendinger? So spricht doch kein König.
Das „das“ hinterm Komma ist zudem falsch (und das passierte nicht nur einmal). Vielleicht sollten die Lektoren diese Buchdinger mal genauer lesen bevor sie gedruckt werden. :oops:

Hinzu kommt, dass jeder mit jedem schlichtweg per Du ist. Ganz gleich welchen Stand der andere begleitet. 8)

„Oder bist du bereit, deinen Kandidaten zurückzuziehen, Gräfin?“
(Amondo zur Gräfin von Dinster, S. 109)

„Ist das dein Ernst?“ (Prinz der Nordleute zu Deckard, S. 139)

„Dann muss ich dich fragen, warum es dich schert, was wir Elben tun, Herr?
(Frage eines Elben an Deckard, S. 145)

Hinzu kommen einfach unglaubwürdige Handlungsweisen, die nicht so ganz zum Charakter passen. Nachdem er eine feurige Schlachtenrede an sein Volk gehalten hatte fragt König Fjelding leise:

Wie bekämpft man am besten einen Riesen?

Genauso gut hätte er fragen können, wie er am besten ein Schwert hält. :knight:

Im Blick der Köchin sah ich den Tadel (S. 40)

Der Markgraf von Falkenstein lässt sich von seiner Köchin tadeln. Wäre er ein starker Charakter, dann würde er sie zurück in die Küche schicken und sie wüsste, wo in der Burg ihr Platz ist. :-|

:arrow: Hinzu kommen logische Fehler. Zum Beispiel wurden die Schutzwälle um die Festung der Nordleute aus Holz gebaut. Klar, dass man da zur Verteidigung kein kochendes Pech runterschütten kann, weil Pech, Holz und Feuer… Soweit schon in Ordnung, nur: Warum nutzen dann die Angreifer kein Feuer, um die Befestigungen niederzubrennen, während sie entspannt aus der Ferne zuschauen? Nein, sie rennen wie verrückt dagegen an. :roll:
So manche Handlungen können wirklich nicht nachvollzogen werden. Es wundert einen manchmal schon fast, wie die Helden die ganze Geschichte nahezu unbeschadet überleben konnten. :hmm:

:arrow: Die Charaktere bleiben leider nur sehr blass und farblos. Man erfährt nicht sonderlich viel über sie und mir ist es schwer gefallen eine stabile emotionale Beziehung zu ihnen aufzubauen. Gefährliche Situationen hatten auf meinen Puls eine Wirkung wie ein Entspannungsbad. Einige Emotionen mehr hätten den Beziehungen der Charaktere untereinander sicherlich auch gut getan. Letztendlich habe ich das Buch nur immer weiter gelesen, weil ich wissen wollte , wie es ausgeht. Vielleicht auch, weil ich ihm bis zur letzten Seite eine Chance geben wollte.

2 von 5 Sternen "Leider in einigen Punkten nicht überzeugend."

2.5 von 5 Sternen
„Leider in einigen Punkten nicht überzeugend.“

Fazit

So gut der Einstieg auf den ersten Seiten auch war, letztendlich konnte mich Dorn nicht überzeugen. Vor allem der unpassende Stil störte mich massiv und machte viel von den eigentlich guten Ideen kaputt, was sehr schade ist. Dorn liest sich wie ein Debütroman eines noch unerfahrenen Autors, dem einfach die sprachlichen Mittel fehlen eine fesselnde und genretypische Atmosphäre zu erzeugen. Dialoge zwischen den Charakteren, die vielleicht locker und ungezwungen sein sollten, wirken nicht selten aufgesetzt und den Personen/der Situation nicht angemessen. Ich denke das Buch ist ganz OK für Leser, die leichtere Unterhaltung suchen und die sonst wenig Fantasy lesen. Für anspruchsvollere Leser des Genres könnte es enttäuschend sein.
Thilo Corzilius hat definitiv noch einiges an Potential und ich habe die große Hoffnung, dass er dies in weiteren Romanen zu nutzen weiß.

 Jay

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