Tana French: Geheimer Ort

Tana French: Geheimer Ort Fischer Scherz Verlag (2014)

Tana French: Geheimer Ort
Fischer Scherz Verlag (2014)

Inhalt

Das ehrwürdige und traditionsreiche Mädcheninternat St. Kilda liegt abgelegen in einem großen Park außerhalb Dublins. Wer sein Kind dorthin schickt, kann es sich leisten. Wohlbehütet und sorglos wachsen die Schülerinnen dort unter den wachsamen Augen der Nonnen auf.
Ein ganzes Jahr ist vergangen, seit im Park von St. Kilda die Leiche von Chris Harper, ein Schüler aus dem benachbarten Jungeninternat, aufgefunden wurde. Brutal getötet in einer Mondnacht und mit Blumen auf seiner Brust. Trotz größter Bemühungen konnte die Gruppe der Mordkommission unter der Leitung von Detective Joanne Conway das Verbrechen nicht klären. Niemand hat was gesehen, keiner hatte eine Beziehung mit dem Toten. Der Fall wird auf Eis gelegt.

Monate später hängt am Schwarzen Brett von St. Kilda ein Bild des Jungen mit der Überschrift „Ich weiß, wer ihn getötet hat.“ Nur die wenigen Schülerinnen zweier bitter verfeindeter Cliquen können die Karte geschrieben haben. Eines der Mädchen, Holly Mackey, wendet sich mit dem Bild an den jungen Ermittler Stephan Moran, der zusammen mit Joanne Conway die Ermittlungen in St. Kilda wieder aufnimmt. Doch die Lösung des Falls gestaltet sich schwieriger als gedacht und schon bald finden sich Moran und Conway in einem Sumpf aus Lügen, Intrigen und Schuldzuweisungen wieder, in dem es fast unmöglich erscheint die Wahrheit über den toten Jungen ans Licht zu bringen und den Mörder zu finden.

Über das Buch und den Autor

Tana French wurde im Jahr 1973 in den USA als Tochter eines amerikanischen Ökonomen und einer Italienerin geboren. Sie lebte in verschiedenen Ländern und seit 1990 schließlich in Dublin, wo sie am Trinity College Schauspiel studierte. Nach einer Zeit bei Film und Fernsehen begann sie schließlich auch Bücher zu schreiben und wurde insbesondere durch ihren Debütkrimi Grabesgrün bekannt, der 2008 erschien und ihr mehrere Auszeichnungen einbrachte. Tana French lebt und schreibt auch heute noch in Dublin.
Geheimer Ort ist der inzwischen fünfte Krimi von Tana French und erschien am 28. August 2014 unter dem englischen Titel The Secret Place. Die Übersetzung erschien beim Verlag Fischer Scherz am 16. Dezember 2014. Die deutsche broschierte Ausgabe umfasst gut 700 Seiten in 30 Kapiteln und einem Prolog. Übersetzt wurde er Ulrike Wasel und Klaus Timmermann.

Meine Meinung

Der Krimi hat mir gut gefallen. Tana French konnte mich schon nach wenigen Seiten mit ihrer Handlung einfangen und es viel mir schwer das Buch beiseite zu legen. Zumindest in den ersten beiden Dritteln. Das elitäre Mädcheninternat St. Kilda ist wie geschaffen für eine Vielzahl von Lügen und Intrigen, denn in dieser Schule ist vieles nur äußerer Glanz, ebenso wie bei manchen Hauptcharakteren. Es fiel der Autorin nicht schwer einige interessante Protagonistinnen zu erschaffen, deren typischer Tagesablauf darin besteht, sich selbst bei jeder Gelegenheit möglichst gut in Szene zu setzen, und das oft auch auf Kosten von Mitschülerinnen in Form von Mobbing. Tana French ist es sehr gut gelungen die Wesenszüge der betreffenden  Charaktere einzufangen. Sie spielt mit ihren Gefühlen, Träumen und  Begehrlichkeiten, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Was auf der einen Seite an Gemeinheiten zu Tage kommt, gleicht sich jedoch andererseits durch innige Freundschaften zwischen den Mitgliedern der eigenen Clique wieder aus. Man beschützt sich, steht füreinander ein, hält zusammen wie Pech und Schwefel, wie man es eben von guten Freundinnen erwarten kann und was natürlich die Ermittlungen bremst. Die Autorin verstand es gut sowohl die hässlichen und die guten Wesensarten ihrer Hauptcharaktere facettenreich und überzeugend darzustellen.

Gut gewählt waren auch die beiden Ermittler Conway und Moran. Joanne Conway leidet sehr darunter, dass sie in dem Fall über Monate nicht voran gekommen ist. In ihrer Abteilung wird sie geschnitten, verlacht und behandelt wie eine Aussätzige. Niemand traut ihr die Lösung des Falls zu. Entsprechend steht sie unter Druck, endlich Ergebnisse präsentieren zu müssen. Stephan Moran hingegen sieht in dem Fall seine Chance in die Mordkommission befördert zu werden. Auch er hat den Druck sich beweisen zu müssen, obwohl ihm Conway vor allem anfangs nicht viel zutraut und ihn eher nicht mit dabei haben will. Für sie steht zu viel auf dem Spiel. Doch mit der Zeit raufen die beiden sich zu einem recht guten Team zusammen und es macht Spaß ihre charakterliche Entwicklung zu verfolgen, während sie sich an dem Fall abkämpfen. Für die Detectives Conway und Moran ist nämlich es schwer in einer geschlossenen Gemeinschaft wie dem St. Kilda zu ermitteln, denn sie rennen als Außenstehende gegen eine Wand aus Misstrauen und wissen schon bald kaum mehr zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Sogar die Leiterin des Internats hätte die beiden Ermittler lieber vom Leib, fürchtet sie doch um das Ansehen der Schule und die kritischen Fragen der reichen Eltern. Zahlreiche Vernehmungen und Gedankenspiele lassen jedoch Moran und Conway der Wahrheit Schritt für Schritt näher kommen und gaben mir als Leser ebenfalls viele Gelegenheiten, über die Hintergründe des Mordes und die Täter zu spekulieren. Der ganze Fall wird im Buch auch innerhalb keines Tages gelöst und es ist schon eine Kunst, einen 700-Seiten-Krimi zu schreiben, dessen Handlungszeitraum (Gegenwart) sich über nur einen einzigen Tag erstreckt. :lesen:

Die ganze Handlung des Buches ist in zwei Stränge unterteilt. Der eine beschreibt die Ereignisse in den Monaten vor dem Tod des Jungen und gibt Einblicke in die wahren Begebenheiten, die man als Leser sonst nicht haben könnte. Freunde ausschweifender Ermittlungsarbeit kommen insbesondere im zweiten Handlungsstrang voll und ganz auf ihre Kosten, denn der beschreibt die Arbeit der Detectives in einer Vielzahl von 6-Augen-Gesprächen mit den Schülerinnen. Tana French hat es geschafft beide Stränge vortrefflich zu kombinieren, sodass man sich der Lösung des Falls von verschiedenen Blickwinkeln nähern konnte. Diese Lösung war keinesfalls leicht, denn bis zum Schluss waren sehr viele verdächtig, was natürlich die Spannung hochhielt. Insgesamt ist Geheimer Ort also ein guter Roman und hätte wohl das Maximum an Sternen von mir bekommen, wenn nicht…

…manchmal diese Längen wären. Nach 350 Seiten war dann mal der Punkt erreicht, bei dem ich mir gewünscht hätte, die Handlung würde schneller voran gehen. Hin und wieder wiederholten sich Gedankengänge und auch die Rückblicke auf die Ereignisse vor dem Mord waren zu sehr breitgetreten für meinen Geschmack. Ich glaube, man hätte den Krimi gut um 150 bis 200 Seiten kürzen können, ohne dabei die Handlung und die Spannung zu gefährden. :sleep:

4 von 5 Sternen "Spannend und abwechslungsreich, jedoch mit Längen."

4 von 5 Sternen
„Spannend und abwechslungsreich, jedoch mit Längen.“

Mein Fazit

Geheimer Ort ist ein guter Krimi, der dem Leser viele Gelegenheiten zu eigenen Überlegungen bietet. Die Charaktere sind gut und überzeugend ausgearbeitet und es macht Spaß die Entwicklung der Geschichte mit ihnen zu verfolgen. Leider ist der Roman vor allem im letzten Drittel etwas langatmig geworden. Das eine oder andere Kapitel hätte man hier durchaus kürzen können. Es war definitiv nicht der letzte Roman von Tana French, den ich lesen werde. :)

Jay

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