Tad Williams: Die Nornenkönigin (To Green Angel Tower)

Tad Williams: Die Nornenkönigin
Deutscher Hardcover
Hobbit Presse/Klett-Cotta (2010)

Inhalt

Die Suche nach dem letzten der drei Großen Schwerter beginnt. Uralte Schriften vermuten es im Grab des toten Königs Johan in den dunklen Katakomben unter dem Hochhorst.
Auf dem Abschiedsstein, dem uralten Schicksalsberg der Elben, sammeln sich die Streiter gegen den Sturmkönig. Prinz Josua Ohnehand ist ihr Anführer. Mit von der Partie ist der kleine, weise Troll Binabik mit seiner Wölfin Qantaqa, der kluge Graf Eolair, der Rimmersmann Sludig und sogar der Elfenprinz Jiriki mit seiner zauberschönen Schwester Aditu – und natürlich Simon, Ex-Küchenjunge, Elbenfreund und Mondkalb. Zuletzt trifft auch Prinzessin Miriamel ein. Sie alle haben unendliche Gefahren und Abenteuer bestanden, um diesen Zufluchtsort zu erreichen. Viele Male sind sie nur um Haaresbreite dem Tod entgangen. Nun studieren sie mit verstärktem Eifer die Schriften ihres alten Freundes Morgenes. Immer deutlicher zeigt sich, dass der Schlüssel zu allen Geheimnissen im fernen Erkynland liegen muss, im Grab des toten Königs Johan und in den Katakomben unter dem Hochhorst. Heimlich entschließt sich Miriamel zu einem Alleingang. Simon, der sie liebt, folgt ihr. Nachts verlassen sie den Abschiedsstein, um das letzte der drei Großen Schwerter zu suchen…

Über das Buch und den Autor

Tad Williams
Foto: Deborah Beale

Tad Williams ist am 14. März 1957 in San José in Kalifornien geboren, studierte in Berkeley und arbeitete anschließend in vielen verschiedenen Jobs – als Sänger, Schuhverkäufer, Zeitungsjunge, Radiomoderator, am Theater, beim Fernsehen, als Lehrer, in einer Computerfirma. Er schreibt neben Fantasy-Bestsellern Comics, Drehbücher und Hörspiele. Neben seiner Otherland-Reihe gehört der Mehrteiler um den Drachenbeinthron (Memory, Sorrow and Thorn) zu Tad Williams erfolgreichsten Werken.

To Green Angel Tower (erschienen 1993) ist der dritte und letzte Band der Reihe und gehört mit 1083 Seiten (englische Ausgabe) zu den umfangreichsten Fantasywerken. In der deutschen Übersetzung wurde das Buch in zwei Teile geteilt, wodurch die deutsche Reihe zu einer Tetralogie wurde. Die Nornenkönigin ist der erste Teil des geteilten dritten Bandes, Der Engelsturm der zweite. Beide erschienen erstmalig 1994 beim Wolfgang Krüger Verlag (S. Fischer, Frankfurt/Main). Die Nornenkönigin umfasst 877 Seiten.  2010 erschien eine überarbeitete Neuauflage der ganzen Reihe bei Klett-Cotta/Hobbit Presse mit neuen Covern. Die alte (gelbe) Ausgabe gab es lange Zeit auch noch als Taschenbuch beim Fischer Verlag. Die „neue“ Nornenkönigin hat 860 Seiten und ist in 2 Teile mit insgesamt 26 Kapiteln unterteilt. Es gibt im Buch einen umfangreichen Anhang mit allen Namen, Ortsnamen, fremdsprachlichen Ausdrücken und Begriffen.

Meine Meinung

Auch in diesem Buch gibt es anfangs eine ausführliche Zusammenfassung der Handlung der ersten beiden Bände. Im dritten Band der (deutschen) Tetralogie führt Tad Williams dann einige Handlungsstränge am Abschiedsstein wieder zusammen und bündelt sozusagen die Kräfte der Protagonisten, die sich gemeinsam gegen ihre großen Widersacher stellen müssen, um Osten Ard vor der grausamen Herrschaft des Sturmkönigs zu bewahren. Es gilt das Rätsel um die drei großen Schwerter zu lösen, die man gegen den Sturmkönig einsetzen möchte. Auch in diesem Band spielen die Träume der Protagonisten wieder eine nicht unwesentliche Rolle zum Aufbau der Spannung, da sie der Geschichte etwas sehr mystisches verleihen. Schon Tolkien verwendete sie, um Spannung aufzubauen und dem Leser so einiges an Rätseln mitzugeben. Gleichzeitig nehmen die Träume natürlich auch Einfluss auf die seelischen Befindlichkeiten der Protagonisten und setzen diesen immer wieder zu. Was mir an Die Nornenkönigin recht gut gefallen hat, ist der abwechslungsreiche Mix zwischen realer Action und übersinnlichem Elementen, der die Reihe so vielseitig und fantasievoll macht. Tad Williams hat einen unwahrscheinlich lebendigen und bildhaften Schreibstil, der sich zwar oft in langen, verschachtelten Sätzen äußert, gleichzeitig aber die Welt für den Leser unglaublich anschaulich werden lässt. Ich hatte öfter den Eindruck, dass man die eine oder andere Seite hätte kürzen können, und auch nicht alle Dialoge sind für die weitere Handlung immer notwendig. Dafür „leben“ die Pro- und Antagonisten umso mehr und man hat oft das Gefühl als Beobachter nebendran zu stehen.

Tad Williams: Die Nornenkönigin
Alte dt. Hardcoverausgabe
S. Fischer Verlag (1994)

Simon macht in dem Buch wieder einen großen Schritt in seiner Entwicklung. Gleich zu Beginn wird er von Prinz Josua zum Ritter geschlagen und bemüht sich redlich, den großen Erwartungen an seine neue Rolle auch gerecht zu werden. Nicht nur, dass er immer mehr Verantwortung für sein eigenes Handeln übernehmen muss, er trägt sie nun auch für andere Mitglieder in Josuas Bund gegen den Sturmkönig. Deutlich wird das, als er zum ersten Mal an einer richtigen Schlacht teilnimmt und für die Verteidigung des Abschiedssteins seine Gegner töten muss. Aus dem Mondkalb-Küchenjungen wird ein Krieger, der erste Bart wächst und erste Gefühle für das andere Geschlecht spielen ebenfalls eine Rolle. Simon schlägt sich gut in seiner neuen Rolle und Binabik ist an seiner Seite, wann immer es nötig ist. :knight:
Im Vergleich zum vorherigen Buch ist die Handlung diesmal aktionsgeladener. Während Simon seine ersten Kämpfe bestreitet, schlagen sich seine Freunde im Süden durch die schwer begehbaren Sümpfe des Wran. Ich verrate nicht, wer alles in der Gruppe ist. Ich kann nur sagen, dass es ein weiterer fesselnder Handlungsstrang ist, den Tad Williams mit viel Liebe zum Detail und tollen Ideen entwickelt hat. Großartig geschrieben.

Langsam, Stück für Stück kommt man auch den Lösungen mancher Rätsel näher. Welches Geheimnis umgibt zum Beispiel den zwielichtigen Mönch Cadrach? Was hat es mit dem Signalhorn auf sich, das Simon von den Elben bekam? Welche Rolle spielen die Unterirdischen, die Maegwin in den Tiefen des Berges findet? Nicht immer ist die Lösung einfach, und es macht Spaß selbst die eigenen Schlüsse aus den Hinweisen zu ziehen. Für die Art und Weise, wie Tad Williams die Dinge entwickelt und miteinander verknüpft, kann man ihm nur Respekt zollen. Ich habe nur vier Tage benötigt, um die fast 900 Seiten zu lesen. Wenn das mal kein Hinweis auf eine fantastische Lektüre ist.

5 von 5 Sterne
„Spitzenmäßig geschrieben!“

Mein Fazit

In Die Nornenkönigin wendet sich Tad Williams mit seiner Trilogie so langsam der Zielgeraden zu. Die Spannung, die er schon seit dem ersten Buch langsam aufbaut, erreicht ein weiteres Level und es wird immer schwieriger die Bücher aus der Hand zu legen. Die Sprache ist bildhaft und fantasievoll, die Handlung abwechslungsreich und spannend. So, wie man es nach den ersten beiden Büchern auch erwarten kann. Der Autor lässt nicht nach, sondern nimmt nochmal so richtig Fahrt auf, was das Buch zu einem echten Pageturner macht. Unbedingt zu empfehlen! :thumbup:

Jay

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