Tad Williams: Der Engelsturm (To Green Angel Tower 2)

Gute Märchen sagen dir, dass es nichts Furchterregenderes gibt, als sich der Lüge zu stellen. Und es gibt weder einen Talisman noch ein Zauberschwert, die nur halb so mächtige Waffen wären wie die Wahrheit. (Tad Williams: Der Engelsturm)

Tad Williams: Der Engelsturm
Neue dt. Hardcoverausgabe
Hobbit Presse/Klett-Cotta (2011)

 Inhalt

Simon, der mit Prinzessin Miriamel, seiner großen Liebe, heimlich den Heerzug von Prinz Josua verlassen hat, will für den Prinzen die beiden letzten Großen Schwerter gewinnen. Hellnagel, das in König Johans Grab liegen soll, und  Leid, das an Elias‘ Gürtel hängt. Miriamel sucht das Gespräch mit ihrem Vater. Sie glaubt jetzt zu wissen, dass ihn nur blinde Liebe zu seiner verstorbenen Gemahlin, ihrer Mutter, zum Pakt mit dem Sturmkönig getrieben hat, und will versuchen, ihn auf den Boden der Vernunft zurückzuführen. Doch als sie den Hochhorst erreichen, entwickeln sich die Dinge ganz anders als geplant. Erneut auf sich alleine gestellt, irrt Simon, wie schon bei seiner Flucht im Jahr zuvor, durch die unterirdischen Gänge der uralten Sithistadt Asu’a, während sich vor dem Hochhorst Prinz Josuas‘ Heer zur alles entscheidenden Schlacht gegen den Hochkönig Elias, Pryrates und die Nornen sammelt. Mit der Macht der drei Großen Schwerter versucht man dem Sturmkönig Ineluki entgegen zu treten, doch die 500 Jahre alte Prophezeiung des wahnsinnigen Priesters Nisses hat ihre Tücken, und so wird aus dem letzten Kampf der freien Völker ein verzweifelter Kampf ums Überleben…

Über das Buch und den Autor

Tad Williams
Foto: Deborah Beale

Tad Williams ist am 14. März 1957 in San José in Kalifornien geboren, studierte in Berkeley und arbeitete anschließend in vielen verschiedenen Jobs – als Sänger, Schuhverkäufer, Zeitungsjunge, Radiomoderator, am Theater, beim Fernsehen, als Lehrer, in einer Computerfirma. Er schreibt neben Fantasy-Bestsellern Comics, Drehbücher und Hörspiele. Neben seiner Otherland-Reihe gehört der Mehrteiler um den Drachenbeinthron (Memory, Sorrow and Thorn) zu seinen erfolgreichsten Werken.

To Green Angel Tower (erschienen 1993) ist der dritte und letzte Band der Reihe und gehört mit 1083 Seiten (englische Ausgabe) zu den umfangreichsten Fantasywerken. In der deutschen Übersetzung wurde das Buch in zwei Teile geteilt, wodurch die deutsche Reihe zu einer Tetralogie wurde. Die Nornenkönigin ist der erste Teil des geteilten dritten Bandes, Der Engelsturm der zweite. Beide erschienen erstmalig 1994 beim Wolfgang Krüger Verlag (S. Fischer, Frankfurt/Main). Der Engelsturm umfasst 893 Seiten (inkl. Anhänge).  2010 erschien eine überarbeitete Neuauflage der ganzen Reihe bei Klett-Cotta/Hobbit Presse mit neuen Covern. Die alte (gelbe) Ausgabe gab es lange Zeit auch noch als Taschenbuch beim Fischer Verlag. Der „neue“ Engelsturm hat 889 Seiten und ist in 2 Teile mit insgesamt 34 Kapiteln und ein Nachwort unterteilt. Es gibt im Buch zudem einen umfangreichen Anhang mit allen Namen, Ortsnamen, fremdsprachlichen Ausdrücken und Begriffen.

Meine Meinung

Geschafft! Der letzte Band der (deutschen) Tetralogie Das Geheimnis der Großen Schwerter ist gelesen und Tad Williams hat die Messlatte nochmal ein paar Inches höher gesetzt und erfolgreich bezwungen. Der Engelsturm ist ein würdiger Abschluss der Reihe und zeugt vom großen Potential des Autors. Ich habe die Bücher 1995 zum letzten Mal gelesen und wusste, dass sie gut sind, allerdings war ich nicht auf das Feuerwerk vorbereitet, das Tad Williams für seinen finalen Showdown zum Ende des Buches entzündet. Doch der Reihe nach…

Tad Williams: Der Engelsturm
Alte dt. Hardcoverausgabe
S. Fischer Verlag (1994)

Der zentrale und interessanteste Handlungsstrang des Buches ist in meinen Augen die Reise von Simon und Prinzessin Miriamel zum Hochhorst. Simon, der Miriamel auf dem Weg begleitet, hat jede Menge Gelegenheiten sich gegenüber seiner großen Liebe zu beweisen und sich ihr anzunähern. Der Autor macht es dem jungen Ritter dabei wahrlich nicht einfach und spielt gekonnt mit den Gefühlen der beiden füreinander. Miriamel, die sich erst wenige Monate zuvor dem charmanten Graf Aspitis hingab, ist sich über ihre Gefühle zu Simon ebenso unsicher, wie Simon, in dem trotz zahlreicher Abenteuer und Gefahren immer noch die Angst eines Küchenjungen steckt. Wie kann er als solcher jemals eine die Prinzessin für sich gewinnen? Nein, es ist für beide nicht leicht und für den Leser entfaltet sich eine schöne Geschichte, die glaubhaft mit den Charakterstärken und -schwächen der beiden Jugendlichen spielt. Auch ihre Reise zum Hochhorst ist nicht einfach. Viele Gefahren, allen voran die fanatischen Feuertänzer, lauern auf ihrem Weg, doch richtig brenzlig wird es, je näher die beiden dem Hochhorst und ihren Widersachern Elias und Pryrates kommen. Mir hat das gut gefallen. Weitere Handlungsstränge beschreiben Josuas Weg in die Provinz Nabban, wo er versucht Verbündete und Verstärkung für sein Heer anzuwerben, sowie den Kampf des Sithiprinzen Jiriki und der Hernystiri gegen die Nornen in der unheimlichen Festungsruine von Naglimund. Doch selbst der stetige Wechsel zwischen den Schauplätzen kann den Leser nicht darüber hinweg täuschen, dass die ganze Handlung letztendlich auf einen zentralen Punkt zuläuft, nämlich die Entscheidungsschlacht um den Hochhorst, wo alle Protagonisten und Bösewichter aufeinanderprallen. Diese epische Schlacht steckt voller Überraschungen, das könnt ihr mir glauben. Hier lösen sich viele Rätsel und es zeigt sich, wie genial Tad Williams seine Handlung über die vorherigen Bände hinweg aufgebaut hat. Das zentrale Thema, um das sich alles bewegt, ist natürlich Nisses‘ Prophezeiung über die Macht der drei Großen Schwerter Minneyar, Leid und Dorn (sie geben übrigens der englischen Reihe ihren Namen: Memory, Sorrow and Thorn) und es zeigt sich, dass nichts auf der Welt einfach ist, auch nicht in Osten Ard. Ich fand’s klasse, was der Autor sich für das letzte Drittel des Buches und den Höhepunkt seiner Spannungskurve ausgedacht hat. Keine Chance das Buch beiseite zu legen. Williams‘ lebendiger Sprachstil und seine Fähigkeit die Ereignisse treffend und mitreißend zu beschreiben, ziehen den Leser unweigerlich in den Bann. Alles wirkt schlüssig und durchdacht, sodass man wahrlich von einem epischen Abschluss sprechen kann.
Der Autor lässt sich im Anschluss auch Zeit die Geschichte ausklingen zu lassen. Einige offene Fragen werden noch geklärt und es ist auch manche herzzerreißende Situation mit dabei, die ich hier natürlich nicht verraten werde. Es wird, wie sollte es auch anders sein, alles gut in Osten Ard. Natürlich sind Tote zu beklagen und auch mir fiel es schwer von ihnen zu lesen, und dennoch ist alles irgendwie rund und schlüssig. So manche kleine Überraschung zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht und somit bin ich mir jedenfalls ganz sicher, dass die Leser von Der Engelsturm auf ihre Kosten kommen werden. :-D

5 von 5 Sterne
„Spitzenmäßiger Abschluss!“

Mein Fazit

Der Engelsturm ist ein würdiger Abschluss der Trilogie/Tetralogie Das Geheimnis der Großen Schwerter. Wem die vorherigen Bücher schon gefallen haben, wird auch im letzten Band garantiert nicht enttäuscht werden. Es passt einfach alles zusammen. Die Handlung ist spannend bis zur letzten Seite, abwechslungsreich und genial durchdacht. Hier zeigt sich, dass Tad Williams tatsächlich zu den Großen des Genres gehört und seine Osten-Ard-Reihe mit Recht zum Besten gehört, was Fantasy zu bieten hat. Unbedingt lesen! :thumbup:

Die Geschichte um Simon, Miriamel und Osten Ard geht weiter in The Heart of What Was Lost
(Das Herz der verlorenen Dinge)!

Ich freue mich über eure Kommentare!

Jay

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