Tad Williams: Das Herz der verlorenen Dinge (The Heart of What Was Lost)

It is one thing to win. It is another to convince your enemies that they have lost.
(Tad Williams – The Heart of What Was Lost)

Tad Williams: Das Herz der verlorenen Dinge
Dt. Hardcover (11.03.2017)
Hobbit Presse/Klett-Cotta

Inhalt

Die Welt wurde beinahe völlig zerstört, doch jetzt keimt wieder Hoffnung auf. Zum Ende der Schlacht um Osten Ard schaffte es der Sturmkönig Ineluki, ein untoter, rastloser Geist mit schrecklicher, dämonischer Macht, beinahe die Zeit selbst anzuhalten und die Menschheit komplett auszulöschen. Nur ein Bündnis aus Sterblichen und den unsterblichen Nachkommen Inelukis, den elfengleichen Sithi, konnte den Sturmkönig schließlich besiegen. Nach seinem Fall ziehen sich seine loyalen Ergebenen, der geheimnisvolle Elfenclan der Nornen, in den hohen Norden in ihre dunkle Stadt Nakkiga zurück, die tief in ihrem Berg Sturmspitze liegt. Mit sich führen sie ein unvergleichliches Artefakt, das man auch „Das Herz der verlorenen Dinge“ nennt. Auf ihrer Flucht nach Norden werden sie von Herzog Isgrimnur und einer Armee von Rimmersmännern gejagt, die kein anderes Ziel verfolgen, als die geschlagenen Nornen endgültig zu vernichten, um eine erneute Bedrohung Osten Ards für immer zu vermeiden und den Frieden zu sichern. Verzweifelt und trickreich kämpfen die Nornen um das Überleben ihrer Rasse, und an den Berghängen von Sturmspitze prallen die beiden Armeen schließlich aufeinander. Doch der Kampf und die schwarze Magie der Nornen droht schon bald beide Seiten ins Verderben zu stürzen…

Über das Buch und den Autor

Tad Williams
Foto: Deborah Beale

Tad Williams ist am 14. März 1957 in San José in Kalifornien geboren, studierte in Berkeley und arbeitete anschließend in vielen verschiedenen Jobs – als Sänger, Schuhverkäufer, Zeitungsjunge, Radiomoderator, am Theater, beim Fernsehen, als Lehrer, in einer Computerfirma. Er schreibt neben Fantasy-Bestsellern Comics, Drehbücher und Hörspiele. Neben seiner Otherland-Reihe gehört der Mehrteiler um den Drachenbeinthron (Memory, Sorrow and Thorn) zu seinen erfolgreichsten Werken, die weltweit millionenfach verkauft und in 25 Sprachen übersetzt wurden. Im Moment arbeitet er an der Fortsetzung seiner Osten-Ard-Trilogie und lebt mit seiner Familie in den Bergen von Santa Cruz, Kalifornien.

Tad Williams neues Werk The Heart of What Was Lost (dt.: Das Herz der verlorenen Dinge) ist das erste Buch in der lange erwarteten Fortsetzung seiner berühmten Osten-Ard-Trilogie. Geplant sind insgesamt fünf Bücher, zum einen die zentrale, neue Trilogie mit dem Reihentitel The Last King of Osten Ard (dt.: Der letzte König von Osten Ard) und zwei zusätzliche Bücher dazwischen, von denen Das Herz der verlorenen Dinge das erste ist. Es verbindet den letzten Teil der alten Osten-Ard-Trilogie (Der Engelsturm) mit dem ersten Teil der neuen Trilogie (Die Hexenholzkrone/The Witchwood Crown), der im Sommer 2017 erscheinen soll.

Tad Williams: The Heart of What Was Lost, US-Hardcover
DAW Books (2017)

The Heart of What Was Lost erschien am 04. Januar 2017 in den USA beim DAW-Verlag und gleichzeitig im Vereinigten Königreich bei Hodder & Stoughton. Die deutsche Ausgabe soll am 11. März 2017 bei Hobbit Presse/Klett-Cotta erscheinen und trägt den Titel Das Herz der verlorenen Dinge. Die englische Ausgabe hat 197 Seiten, die deutsche soll 384 Seiten haben. Unterteilt ist die Handlung in fünf große Abschnitte. Im Buch sind zwei Karten abgedruckt, zudem gibt es einen historischen Überblick über die Geschichte der Sithi und Nornen und, wie auch schon in den Bänden der alten Trilogie, ein Namensverzeichnis der Charaktere.

Meine Meinung

Als Tad Williams im April 2014 seinen Fans bekannt gab, er plane eine Fortsetzung für seine Osten-Ard-Reihe zu schreiben, war nicht nur ich begeistert. Nun, es hat natürlich ein paar Jahre gedauert (gut Ding will eben Weile haben), doch jetzt ist es da, das erste Buch der lange erwarteten Fortsetzung. Es ist aber noch nicht die neue Trilogie, sondern „nur“ eine hinführende Geschichte, die wohl auch die Vorgeschichte für den ersten Band der Trilogie (Die Hexenholzkrone) sein soll. Ich hab’s für euch und für mich schon gelesen und habe festgestellt: Tad Williams ist zurück und er schreibt noch genauso, wie schon vor über 20 Jahren. Nur ein paar wenige Sätze und man befindet sich wieder auf schlammigen, ausgetretenen Wegen in irgendeinem eisigen Schneetreiben, irgendwo in den tiefen Wäldern von Rimmersgard. Ich fühlte mich quasi wieder gleich wie zuhause. :-D
Tad Williams startet seine Geschichte mit alten und neuen Charakteren. Herzog Isgrimnur hat wieder eine zentrale Rolle und ebenso Sludig ist mit von der Partie. Keine Rolle (nur Erwähnung) finden jedoch der neue Hochkönig Simon Schneelocke und seine bezaubernde Hochkönigin Miriamel. Ich bin jedoch überzeugt, dass sie im ersten Band der kommenden Trilogie zu Zuge kommen werden. :)
Porto, ein Kriegsmann aus Ansis Pelippe, und der jugendliche Söldner Endri tragen hingegen einen guten Teil zur Handlung bei. Die beiden treffen sich zu Beginn des Buches in Isgrimnurs Heer auf dem Weg nach Norden und zwischen beiden ungleichen Kämpfern entwickelt sich Stück für Stück eine tiefe Freundschaft. Man erlebt aus ihrer Sicht die schrecklichen Seiten des Krieges gegen die Nornen, den menschenfeindlichen hohen Norden und die eisige Kälte, die immer noch das Land überzieht. Tad Williams beschreibt das alles sehr eindrucksvoll und in seinem detaillierten Stil, den man von ihm kennt. Interessant ist jedoch auch, dass er diesmal auch aus der Sicht der Nornen schreibt. Waren sie in der ursprünglichen Trilogie die bösen, unheimlichen und unnahbaren Gegner, die Angst und Schrecken sähen konnten, so bekommt man in The Heart of What Was Lost eine ganz andere Seite von ihnen präsentiert, nämlich eine nahezu menschliche und… verzweifelte.

Tad Williams: The Heart of What Was Lost, UK-Hardcover
Hodder & Stoughton (2017)

Der Leser begleitet den Nornen Viyeki, der mit seinem Volk vor dem Heer der Rimmersmänner nach Nakkiga flieht. Man kann wirklich sagen, dieses Buch ist vorwiegend den Nornen gewidmet, denn man erfährt sehr viel über ihre Lebensweise, den Aufbau ihrer Gesellschaft, ihre Ziele und natürlich auch über ihre Stadt Nakkiga im Berg Sturmspitze. Damit hat Tad Williams einen interessanten Weg beschritten, wie ich finde, denn die Ausgestaltung des Nornenvolks und ihrer Welt hatte er vorher bewusst vernachlässigt, um ihnen eine Aura des Geheimnisvollen zu verleihen. Jetzt erweitert er seine Welt um eben jene Inhalte und eröffnet seinen Lesern und sich selbst damit weiteres Potential für eine gute Geschichte. Mir hat das sehr gut gefallen und ich wurde von Williams flüssigem Erzählstil mal wieder durch das Buch getragen. Manche Passagen stimmten mich auch traurig, weil es auf beiden Seiten schlimme Opfer zu beklagen gibt, und es wird klar, dass der Krieg in diesem Buch zwar eine wichtige Rolle spielt, ihm jedoch das ruhmreiche, heroische Element fehlt, denn es gibt eigentlich keinen so richtigen Sieger. Die Nornen kämpfen verzweifelt und hoffen auf einen Rückzug der Gegner, und für Herzog Isgrimnur ist der Kampf in der eisigen Kälte, der zahlreiche Opfer fordert, nur soetwas wie eine lästige Pflicht, der er für seinen Hochkönig nachkommen muss. Man will Rache und endlich den Krieg beenden und zurück an den heimischen Herd. Das wirkt keineswegs unglaubwürdig, sondern zeigt wie Notwendigkeiten das eigene Handeln beeinflussen, ob man es nun möchte oder nicht.
Das Buch war bis zum Schluss spannend und abwechslungsreich und ich freue mich jetzt auf Die Hexenholzkrone bzw. The Witchwood Crown.

4.5 von 5 Sternen
„Eine sehr gut gelungene Fortführung der Reihe.“

Mein Fazit

Eine gut geschriebene Fortsetzung der „alten“ Osten-Ard-Trilogie, die neue Sichtweisen v. a. auf das Leben und die Gesellschaft der Nornen eröffnet. Spannend, abwechslungsreich, nicht allzu blutig, aber tragisch sowohl für die Menschen, als auch für die Nornen. Wer den Drachenbeinthron und die Folgebände gelesen hat, sollte diese Fortsetzung der Geschichte nicht verpassen. Osten Ard lebt und Tad Williams führt uns durch seine Welt in neue Abenteuer. Leseempfehlung!

Ich habe das Buch im englischen Original gelesen. Es ist gut verständlich, allerdings könnten die oftmals doch recht langen und auch verschachtelten Sätze ungeübten Lesern Probleme bereiten. Wer schon die vorherigen Bände auf Englisch gelesen hat, sollte jedoch keine Probleme mit dem Stil des Autors haben. Am besten mal eine Leseprobe besorgen und selbst ein Urteil bilden.

Habt Ihr das Buch auch schon gelesen? Schreibt mir eure Meinung als Kommentar.

Jay

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