Scott Lynch: Sturm über roten Wassern (Red Seas under Red Skies)

Ich hielt die Welt von einem Meridian zum anderen in meinen Händen und habe mit ihr gespielt. Kaiser haben mir ihre Sünden gebeichtet, Magier mich mit ihrer Weisheit belohnt, Generäle weinten sich an meiner Schulter aus. (Scott Lynch: Sturm über roten Wassern)

Scott Lynch: Red Seas under Red Skies UK-Taschenbuchausgabe Spectra Verlag (2008)

Scott Lynch: Red Seas under Red Skies
UK-Taschenbuchausgabe
Bantam Spectra (2007)

Inhalt

Nach seinem brutalen Kampf mit der Unterwelt, der ihn fast umbrachte, flüchten Locke und sein treuer Freund Jean aus Camorr zu den exotischen Ufern der Stadt Tal Varrar, um ihre Wunden zu lecken. Doch selbst in diesem westlichsten Winkel der Zivilisation können sie sich nicht allzulange ausruhen und tun schon bald wieder das, was sie am besten können: von den unberechtigt Reichen zu stehlen, um es in ihre eigenen Taschen zu stecken.
Diesmal jedoch haben sie es auf den größten Schatz überhaupt abgesehen: den Sündenturm, dem exklusivsten und am schwersten bewachten Spielkasino der Welt. Seine neun Stockwerke ziehen die wohlhabendste Kundschaft an – und um bis ganz nach oben zu kommen muss man überaus kreditwürdig und unterhaltsam sein… und abslout tadellos spielen. Denn Requin, der kaltblütige Meister des Hauses, stellt eine unumgehbare Regel auf: wer im Sündenturm beim Spiel betrügt, verliert sein Leben.
Locke und Jean, davon natürlich gänzlich unbeeindruckt, haben jedoch einen ausgeklügelten Plan ausgeheckt, um sich den Weg bis hinauf ins neunte Stockwerk zu lügen, zu betrügen und zu erschwindeln… direkt zu Requins gefüllter Schatzkammer. Unter dem Schutz falscher Identitäten steigen sie Schritt für Schritt höher, bis sie näher an der Beute sind als je zuvor.
Doch in Tal Verrar ist jemand hinter das Geheimnis der beiden gekommen. Ein Schatten aus ihrer Vergangenheit, der alles daran setzt die dreisten Kriminellen für ihre Sünden büßen zu lassen. Locke und Jean müssen all ihre Cleverness aufwenden, um ihre geldgierigen Seelen zu retten. Und selbst das könnte diesmal nicht reichen… (Übersetzung Klappentext)

Scott Lynch beim Signieren am LONCON 3 August 2014

Scott Lynch beim Signieren am LONCON 3
August 2014

Über das Buch und den Autor

Scott Lynch wurde am 2. April 1978 in St. Paul, Minnesota geboren und ist der älteste von drei Brüdern. Er verbrachte sein ganzes bisheriges Leben in dieser Gegend und lebt derzeit im Staat Wisconsin, nicht weit von seiner Geburtsstadt. Seine Partnerin ist die anerkannte Fantasy- und Science-Fiction-Autorin Elizabeth Baer.
Sturm über roten Wassern (engl.: Red Seas under Red Skies) ist der zweite Teil eines Dreiteilers mit dem Reihentitel Gentleman Bastards. Der erste Teil erschien in Deutschland bereits 2006 unter dem Titel Die Lügen des Locke Lamora. Red Seas under Red Skies erschien 2007 beim Verlag Bantam Spectra und führt die mehr oder weniger abgeschlossene Handlung des ersten Buches fort. Das Buch ist über die Jahre in den verschiedensten Ausgaben aufgelegt worden und hat um die 780 Seiten (Taschenbuchausgabe). Es ist auch als E-Book und Hardcover erhältlich. In Deutschland ist Sturm über roten Wassern 2008 bei HEYNE erschienen und ist mit 950 Seiten noch ein ganzes Stück dicker geraten. Übersetzt wurde das Buch, ebenso wie der Vorgängerband, von Ingrid Herrmann-Nytko.
Das dritte Buch der Reihe trägt den Titel Republik der Diebe (engl.: Republic of Thieves) und erschien erstmalig im Oktober 2013.

Meine Meinung

Sie sind zurück! Locke und Jean laufen in diesem zweiten Band der Reihe zu neuer Bestform auf und Scott Lynch spinnt auf 780 englischen Seiten abermals eine Handlung voller überraschender Wendungen. Nach ihrer gelungenen Flucht aus Camorr müssen die beiden „Gentleman Bastards“ erstmal zur Ruhe kommen, doch schon bald bereiten sie ihren neuesten Coup vor. Natürlich wird der Leser bis zum Schluss im Unklaren gelassen, wie der genau ablaufen soll. Man bekommt nur immer wieder Teile der Vorbereitung mit und rätselt und rätselt. Selbstverständlich wird das ganze mit der Zeit immer schwerer für Locke und Jean, denn wieder einmal würden einflussreichere Personen sich gerne ihrer Fähigkeiten bedienen und sie für ihre Zwecke ausnutzen, was letztendlich dazu führt, dass die Lage für beide immer bedrohlicher und auswegloser zu werden scheint. Scott Lynch verarbeitet in seinem Buch wieder eine ganze Reihe toller Ideen, erschafft liebenswerte Charaktere, die man schnell ins Herz schließt, und erweitert die Handlung sukzessive mit neuen Problemen und Unwägbarkeiten, sodass man nicht selten denkt, wie soll das alles nur wieder enden? Während in der ersten Hälfte des Buches die Handlung noch etwas schleppend voranschreitet, nimmt sie im zweiten Teil ein ganzes Stück an Fahrt auf – genau zu dem Moment, als die Piraten ins Spiel kommen. Piraten? Jaja, schon richtig gelesen. Ich will hier jedoch nicht mehr dazu sagen. Lest es selbst, denn es lohnt sich. :)
Man merkt in manchen Kapiteln, dass der Autor noch relativ jung ist und das er noch nicht die langjährige Erfahrung der „großen“ Fantasyautoren mitbringt. Die Geschwindigkeit der Handlung ist nicht immer ausgewogen. Manchmal dachte ich mir „Jetzt könnte es langsam mal weiter gehen“ oder auch „Quatscht nicht so lange herum, handelt!“. An anderen Stellen macht die Handlung plötzlich relativ große Zeitsprünge, obwohl man gerne etwas mehr dazu gelesen hätte. Insgesamt tut das der Story jedoch absolut keinen Abruch. Es macht Spaß das Buch zu lesen und in die Fantasywelt von Scott Lynch abzutauchen. Der rote Faden des Buches wirkt durchdacht und trotzdem ist vieles nicht voraussehbar, was natürlich gut ist und die Spannung fördert. Der Autor schreckt auch nicht davor zurück wichtige Personen zu Gunsten der Dramatik zu opfern (man kennt das bereits aus dem ersten Band) und auch seine Personen sind auch nicht in allen Punkten perfekt. Sie haben Ecken und Kanten und werden dadurch lebendig. Wer das erste Buch gelesen und gemocht hat, dem kann ich guten Gewissens auch den zweiten Band empfehlen.

4 von 5 Sternen "Eine würdige Fortsetzung des ersten Teils der Reihe."

4 von 5 Sternen
„Eine würdige Fortsetzung des ersten Teils der Reihe.“

Mein Fazit

Ich kann nur schwer sagen, ob mir der erste Teil oder Red Seas under Red Skies besser gefallen hat. Trotz kleinerer erzählerischer Mängel (die aber in meinen Augen nicht sonderlich ins Gewicht fallen), braucht sich die Fortsetzung absolut nicht zu verstecken. Die Handlung ist abwechslungsreich, die Dialoge tiefgehend und auch voller Witz und die ganze Riege der Charaktere kann sich durchaus sehen lassen. Mir hat das Buch insgesamt sehr gefallen und ich wurde gut unterhalten. Ich hoffe natürlich, dass es euch ebenfalls zusagt. Ich freue mich über Kommentare und Eindrücke. Eine Leseempfehlung von mir. :thumbup:

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen. Insgesamt ist es für etwas fortgeschrittenere Leser gut verständlich. Leider hat Scott Lynch immer wieder Phasen, wo er sich plötzlich einer ganzen Reihe weniger gebräuchlicher Wörter bedient, sodass ich empfehle ein Wörterbuch bereit zu halten. Ich würde dennoch empfehlen das Buch auf Englisch zu lesen, denn die deutsche Übersetzung fand ich leider (wie schon beim ersten Band) weniger prickelnd. Das liegt wohl in erster Linie an der Übersetzerin, deren Stil mir wenig zusagt. :-x

Jay

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