Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora (The Lies of Locke Lamora)

»Eines Tages, Locke Lamora«, orakelte er, »eines Tages wirst du in deinem maßlosen Ehrgeiz einen so großen, so herrlichen, so überwältigenden Mist bauen, dass die Himmel brennen, die Monde im Kreis tanzen und die Götter höchstselbst voller Begeisterung Kometen scheißen werden. Ich hoffe nur, dass ich das noch erleben darf.«
»Ich bitte dich, Chains«, gab Locke zurück. »So was wird mir nie passieren.«
(Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora)

Scott Lynch: The Lies of Locke Lamora

Scott Lynch: The Lies of Locke Lamora

Inhalt

Locke Lamora ist der „Dorn von Camorr“ und der Anführer der Gentleman Bastards, einer kleinen Gruppe eingeschworener Trickbetrüger, die mit schlau ausgearbeiteten, geradezu bühnenreifen Inszenierungen die Adligen und Wohlhabenden im Herzogtum Camorr um ihren Reichtum bringt. Locke und seine Gentleman Bastards sind gewitzte Diebe, doch sie machen sich damit nicht nur die herrschende Schicht in Camorr zum Feind, sondern auch die Unterwelt, denn seit vielen Jahren gibt es zwischen den Herrschenden und den Bossen der kriminellen Banden im Stadtstaat Camorr eine geheime Vereinbarung. Solange nämlich die Reichen und der Adel von Verbrechen verschont bleiben, dürfen die Bosse der Unterwelt und ihre Handlanger weitestgehend ungestraft die anderen Einwohner Camorrs um ihr Geld erleichtern. Diese geheime „Friedensvereinbarung“ zwischen den Herrschenden und der Unterwelt interessiert jedoch die Gentleman Bastards wenig, deren Keller sich mit Schätzen füllt.
Das Leben scheint perfekt, bis eines Tages der geheimnisvolle Graue König beginnt mit Hilfe eines ruchlosen Magiers den Frieden zu stören und die Unterwelt in Aufruhr zu versetzen. Die Herkunft des Grauen Königs und Ziele sind unklar, aber um sie zu erreichen benötigt er die unfreiwillige Hilfe von Locke und seinen Gentleman Bastards. Schon bald befinden sich diese zwischen den Fronten und kämpfen verzweifelt um ihr Leben…

Zum Buch und zum Autor

Scott Lynch beim Signieren am LONCON 3 August 2014

Scott Lynch beim Signieren am LONCON 3
August 2014

Scott Lynch wurde am 2. April 1978 in St. Paul, Minnesota geboren und ist der älteste von drei Brüdern. Er verbrachte sein ganzes bisheriges Leben in dieser Gegend und lebt derzeit im Staat Wisconsin, nicht weit von seiner Geburtsstadt. Seine Partnerin ist die anerkannte Fantasy- und Science-Fiction-Autorin Elizabeth Baer.

Die Lügen des Locke Lamora (engl.: The Lies of Locke Lamora) ist der erste Teil eines Dreiteilers mit dem Reihentitel Gentleman Bastards. Das Buch erschien erstmalig 2006 bei Orion Books. Inzwischen gibt es viele verschiedene Ausgaben mit einer Seitenzahl von jeweils um die 700. In Deutschland ist Die Lügen des Locke Lamora im Jahr 2007 als Taschenbuch bei HEYNE erschienen und hat 850 Seiten. Übersetzt wurde es von Ingrid Herrmann-Nytko.
The Lies of Locke Lamora wurde für mehrere Auszeichnungen vorgeschlagen, u. a. für den World Fantasy Award 2007. 2008 erhielt es den Sydney J. Bounds Best Newcomer Award der British Fantasy Society. Das zweite Buch der Reihe trägt den Titel Sturm über roten Wassern (engl.: Red Seas under Red Skies).

Meine Meinung

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Scott Lynch: The Lies of Locke Lamora
Karte des Stadtstaats Camorr
(c) Scott Lynch, Wisconsin (USA)

The Lies of Locke Lamora wurde wurde mir von Fantasyfans in einer Signierschlange am LONCON 3 in London empfohlen. Ich hatte bis dahin von Scott Lynch noch nichts gelesen. Die Empfehlungen waren so überzeugend, dass ich mir vor Ort alle drei Teile des Buches kaufte und auch gleich im Anschluss noch von Scott Lynch signieren lies. Dann lagen die Bücher erstmal ein paar Monate auf meinem SuB bis ich mich vor wenigen Tagen an den ersten Band des Dreiteilers machte und ich muss sagen, dass ich jede einzelne der 30 Lesestunden wirklich genossen habe. :)
Die Charaktere, allen voran natürlich Locke Lamora und seine Gentleman Bastards (in der deutschen Ausgabe heißen sie leider Gentleman-Ganoven)* sind fantastisch ausgearbeitet, mit eigenen geschichtlichen Hintergründen, viel Witz und Charme und absolut liebenswert. Obwohl sie Diebe und Betrüger sind, kann man Genialität und Hingabe, und v. a. auch ihre Bereitschaft sich füreinander aufzuopfern nur bewundern. Sie sehen sich als Familie, Brüder, Freunde, sind für einander da, mutig, witzig und haben Stil.

To us — richer and cleverer than everyone else!
(Drinkspruch der Gentleman Bastards)

Mir ist jeder einzelne der kleinen Gruppe schnell ans Herz gewachsen. Das wirkte sich natürlich stark auf die Spannungskurve aus, denn man fiebert natürlich mit, wenn „die Kacke am dampfen ist“. Noch in der ersten Hälfte des Buches läuft alles ziemlich glatt und ich hatte den Eindruck, dass den Gentleman Bastards wahrlich niemand und nichts etwas anhaben kann. Zu gut sind ihre Pläne durchdacht und jede Eventualität berücksichtigt.

There’s no freedom quite like the freedom of being constantly underestimated.
(The Gentleman Bastards)

Der tiefe Fall des besorgten Lesers kommt dann in der zweiten Hälfte. Zahlreiche unerwartete Wendungen und natürlich die Rätsel und Ereignisse um den Grauen König und seine Motive lassen einen bis zur letzten Seite nicht mehr los. Scott Lynch hat es perfekt verstanden mich zu unterhalten. Es war ein Wechselbad der Gefühle, denn es gibt viele wirklich amüsante Stellen, aber auch einige recht traurige. :-/ Gegenüber dem Grauen König und seinem Soldmagier empfand ich seitenweise regelrechten Hass, und als dann die Zeit der Rache kam verspürte ich regelrecht grimmige Freude.

Spoiler Zeigen

 

Ich denke, wenn ein Buch es schafft mich als Leser derartig in den Bann zu ziehen, hat der Autor eine großartige Leistung vollbracht. :thumbup:
Das Buch ist in mehrere größere Abschnitte und Kapitel unterteilt und die Handlung spielt sich auf wenigstens zwei verschiedenen Zeitebenen ab. Die eine erzählt die Geschehnisse mit den erwachsenen Gentleman Bastards, ihre Trickbetrügereien und den Kampf gegen ihre ruchlosen Gegner. Die zweite Handlungsebene erzählt von ihrer Kindheit, wie sie zu Dieben werden und als Brüder durch dick und dünn gehen. Wahrscheinlich wachsen sie einem gerade deshalb so sehr ans Herz, weil man sie quasi schon als Kinder kennen und schätzen lernt. Ich fand es einfach herzerfrischend von ihren Taten zu lesen.
Ich könnte noch so manches mehr über das Buch schreiben, will aber nicht zu viel verraten. Daher meine Empfehlung: Lasst euch darauf ein, die Geschichte ist es wert. :)

5 von 5 Sternen "Ein tolles Buch! Mehr davon!"

5 von 5 Sternen
„Ein tolles Buch! Mehr davon!“

Mein Fazit

The Lies of Locke Lamora ist ein Fantasybuch nach meinem Geschmack. Tolle Charaktere, eine abwechslungsreiche Handlung mit vielen guten Ideen und dazu eine Spannungskurve, die insbesondere in der zweiten Hälfte stark ansteigt. Ich kann das Buch guten Gewissens empfehlen und hoffe, dass Ihr ebenso viel Spaß damit habt, wie ich. :thumbup:

 

So gut die Story auch ist, auf Englisch verlangt sie dem Leser einiges ab. Es gibt vor allem am Anfang sehr viele wenig gängige Wörter, die das Lesen beträchtlich erschweren. Nach den ersten 50 Seiten wird es dann besser und es ist durchaus machbar. Ich empfehle unbedingt ein Wörterbuch bereit zu halten.

Jay

* Die HEYNE-Übersetzerin Ingrid Herrmann-Nytko schafft es in meinen Augen einfach nicht einen englischen Text adäquat ins Deutsche zu übertragen. Die Gentleman Bastards wurden einfallslos mit „Gentleman-Ganoven“ übersetzt und der Begriff „Ganoven“ impliziert bei mir als Leser, dass es sich bei den Gentleman Bastards um beliebige Kleinkriminelle ohne jeglichen Schneid handelt, was sie aber definitiv nicht sind. Ganz im Gegenteil. Ich vermisse hier wieder einmal die Kreativität der Übersetzerin einen treffenden Namen für die Gruppe zu finden, der ihren Charakter widerspiegelt.
Ingrid Herrmann-Nytko hat seinerzeit schon den Namen des Dämonenjägers Arlen Bales (Peter V. Brett: Das Lied der Dunkelheit) regelrecht entmystifiziert und Bales einfach platt mit Strohballen übersetzt. Ein Frevel, bei dem sich mir bis heute regelrecht die Nackenhaare aufstellen. :angry:
Hätte Frau Herrmann-Nytko Harry Potter übersetzt, er würde vermutlich Harald Töpfer heißen. :angry1:

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