Pierce Brown – Red Rising

Der Tod ist nicht sinnlos, wie du sagst. Sinnlos ist ein Leben ohne Freiheit, Darrow. Sinnlos ist ein Leben in den Ketten der Angst, der Angst vor Verlust, vor Tod.
(Pierce Brown – Red Rising)

Pierce Brown: Read Rising Broschierte Ausgabe Heyne Verlag (2014)

Pierce Brown: Read Rising
Broschierte Ausgabe
Hodder and Stoughton (2014)

Inhalt

Tief unter der Oberfläche des Mars arbeiten die Clans der Roten unter härtesten Bedingungen in den Minen, um das kostbare Helium-3 abzubauen. Es wird für die Umwandlung der Marsoberfläche benötigt, um für die Überbevölkerung der Erde neuen Lebensraum zu schaffen. Der junge Darrow ist einer von ihnen, ein sogenannter Höllentaucher, der als Fahrer eines Minenbohrers täglich sein Leben riskiert. Als jedoch eines Tages seine Frau von den Goldenen, der herrschenden Kaste der Menschheit, getötet wird, schwört er Vergeltung und kommt dabei hinter ein großes Geheimnis. Die Roten arbeiten faktisch als Sklaven für einen Traum, der längst wahr geworden ist, denn die Marsoberfläche ist längst bewohnbar und besiedelt und die Goldenen leben in einer Welt voller Luxus und unterdrücken den Rest der Menschheit mit harter Hand. Darrow schließt sich dem Widerstand an und wird in das Marsinstitut eingeschleust, ein Ausbildungslager für die Elite der Goldenen, um selbst ein Goldener zu werden und dann das Joch der Unterdrückung abzuschütteln. Doch die Ausbildung ist hart und Darrow kommt in einen moralischen Zwiespalt, denn er hat nicht damit gerechnet, unter seinen Feinden Freunde zu finden…

Über das Buch und den Autor

Pierce Brown ist ein US-amerikanischer Autor und wurde am 28. Januar 1988 in Denver (Bundesstaat Colorado) geboren. Nach eigenen Angaben schrieb er seinen Debutroman Red Rising vor einigen Jahren innerhalb von zwei Monaten über der Garage seiner Eltern in Seattle und hätte im Traum nicht damit gerechnet, dass sein Roman einmal ein Millionenbestseller werden könnte. Die Rechte für die Verfilmung der Reihe liegen seit Februar 2014 bei Universal Pictures.
Red Rising ist der erste Band seiner Red-Rising-Trilogie, die er mit Golden Son (dt.: Red Rising – Im Haus der Feinde, Band 2) fortsetzt und mit Morning Star (dt.: Red Rising – Tag der Entscheidung, Band 3) beendet. Das Buch ist durchweg aus der Perspektive des Hauptcharakters Darrow geschrieben. Es ist in vier Abschnitte und insgesamt 44 Kapitel unterteilt.  Die deutsche Ausgabe hat 576 Seiten und ist im September 2015 bei Heyne erschienen.

Meine Meinung

Red Rising gehört zu den Buchreihen, von denen ich immer mal wieder hörte, mich jedoch nie genauer damit befasste. Ich hatte zwar den Titel immer irgendwo im Hinterkopf und wusste, dass es ein solches Buch gibt, habe es aber nicht bewusst in der Buchhandlung gesucht. Eine Bekannte hat mich dann vor ein paar Wochen darauf gestoßen und gemeint, ich müsse es unbedingt lesen, eigentlich sofort damit anfangen, weil es so unwahrscheinlich gut wäre. Nun, ich habe mir das Buch besorgt und dabei beschlossen es in der deutschen Übersetzung zu lesen und ausnahmsweise mal nicht im englischen Original. Keine schlechte Idee, wie sich herausstellte, denn die Handlung ist doch relativ komplex und die Charaktere sind doch recht zahlreich. Die Welt, die Pierce Brown aufbaut ist detailreich und auf faszinierende Weise grausam. Eine Welt, wie man sie sich in ferner Zukunft vorstellen könnte. Die Menschheit hat die Grenzen ihres Planeten überschritten und das Sonnensystem bevölkert.

Pierce Brown: Red Rising Dt. Ausgabe Heyne fliegt (2015)

Pierce Brown: Red Rising
Dt. Ausgabe
Heyne fliegt (2015)

Die Gesellschaft ist mit Hilfe von Farben in verschiedene Kasten eingeteilt und die mächtigen „Goldenen“ beherrschen und unterdrücken alle. Es ist ein Rahmen, der durchaus real wirkt, projiziert er doch aktuelle weltpolitische Probleme auf eine größere Leinwand in der Zukunft. Reiche, bisweilen arrogante Gesellschaftsschichten, die auf dem Rücken ärmerer im Luxus leben und sich dabei nicht scheuen Raubbau an den Ressourcen zu betreiben. Ich sehe Red Rising daher durchaus in einigen Teilen gesellschaftskritisch und nicht so weit von der Realität entfernt, wie es für einen Science-Fiction-Roman zunächst den Anschein hat. Dass die Unterdrückung der „niederen Farben“ durch die Goldenen im Laufe der Trilogie zu einer Revolution führen kann, ist beinahe abzusehen. Hier sehe ich auch gleich Parallelen zum Dreiteiler Die Tribute von Panem, der auf einer ähnlichen Welt der Unterdrückung basiert und in dem ein Großteil der Gesellschaft von einer Minderheit ausgebeutet und unterdrückt wird. Pierce Browns Lösung ist jedoch eine andere, denn er schickt seinen Protagonisten Darrow ins Feld mit der Aufgabe, die Grundlagen für den Umsturz erst zu schaffen. Darrow ist unbestritten ein Held mit Ecken und Kanten, der den Leser schnell für sich einnimmt. Dennoch blieb zwischen ihm und mir immer eine gewisse Distanz bestehen, d. h. ich habe ihn nicht in mein Herz geschlossen, verfolge jedoch mit Spannung seinen Weg über allerlei Hürden an die Spitze. Interessant fand ich, dass das Buch nicht auf einen mehr oder minder blutigen Rachefeldzug hinauslief, sondern Darrows Einstellungen sich mit der Zeit auch wandeln. Ist er anfangs noch von Rachegedanken beseelt, so gerät er später immer mehr in moralische Zwickmühlen als er merkt, dass auch die Goldenen nur, wenn auch recht arrogante, Menschen sind und ähnliche, überaus menschliche Probleme haben. Die Freunde, die er unter ihnen findet, haben zum Beispiel oft unter dem Erwartungsdruck ihrer Familien zu leiden, sind verpflichtet andere Familien zu hassen, weil es die Tradition so will oder wurden von den Eltern bereits abgeschrieben und müssen sich ständig aufs Neue beweisen und um ihren Platz kämpfen. Entsprechend vielfältig sind die Charaktere im Buch und der Autor legt sehr viel Wert auf die Beziehungen der Protagonisten untereinander, ihre Gedanken und Emotionen. Für Darrow ist es besonders hart, denn er muss seine Freunde über seine Herkunft belügen, will sie jedoch gleichzeitig nicht verlieren. Es ist ein sehr schmaler Grat und Pierce Brown hat Darrows innere Kämpfe mit sehr viel Feingefühl gemeistert, wie ich finde. Ich will zu den anderen Charakteren hier nichts weiter schreiben, um nicht zu viel zu verraten. Entdeckt sie selbst für euch. :)
Zugesagt hat mir auch die Erzählgeschwindigkeit. In dem Buch passiert unwahrscheinlich viel. Es ist aktionsgeladen und abwechslungsreich. Gut fand ich, dass es auch nicht zig verschiedene Handlungsstränge gibt, sondern der Autor eigentlich ständig bei seiner Hauptfigur Darrow bleibt. Auch gibt es nicht DIE Spannungskurve und den großen Showdown, auf den alles hinausläuft. Vielmehr ist es eine Aneinanderreihung vieler Spannungskurven und die Handlung ist geprägt von immer wieder neuen Ereignissen und häufigen Wechseln. Dadurch wird sie auch weniger vorhersehbar für den Leser, was natürlich prinzipiell gut ist. Der Schluss ist angemessen, ohne großen Cliffhanger, und macht Lust auf die Fortsetzung Red Rising – Im Haus der Feinde. Rundum ein gelungenes Erstlingswerk, wie ich finde.

4.5 von 5 Sternen "Abwechslungsreich und gut geschrieben!"

4.5 von 5 Sternen
„Abwechslungsreich und gut geschrieben!“

Mein Fazit

Red Rising ist ein gelungener erster Band einer spannenden Trilogie. Er bietet eine interessante Rahmenhandlung mit einem Maß an Gesellschaftskritik, facettenreiche Charaktere und jedem Menge Abwechslung und Spannung. Wer zum Beispiel Die Tribute von Panem gerne gelesen hat, dem könnte Red Rising auch gefallen. Ich kann das Buch empfehlen. :thumbup:

 

Sprachniveau: 3 von 4 (Fortgeschrittene)

Sprachniveau: 3 von 4 (Fortgeschrittene)

Ich habe das Buch auf Deutsch gelesen, mir jedoch die englische Version auch angesehen. Aufgrund der relativ komplexen Charakterbeziehungen und der vielen Hintergründe, könnte die englische Originalausgabe den Leser mehr fordern. Die deutsche Übersetzung ist gut gelungen.

Jay

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