Peter V. Brett: Das Lied der Dunkelheit (engl.: The Warded Man/The Painted Man)

Don’t be afraid of the dark! (Peter V. Brett: The Painted Man)

Das Lied der Dunkelheit Deutsche (broschürte) Taschenbuchausgabe

Das Lied der Dunkelheit
Deutsche (broschierte) Taschenbuchausgabe

Inhalt

Der Tag gehört den Menschen, die Nacht den Dämonen. Sobald die Sonne untergeht ziehen sich die Familien in ihre Häuser zurück, hinter Barrieren von Schutzrunen, die sie vor den düsteren Horden bewahren sollen, die mit der Dämmerung wie Nebel aus dem Boden aufsteigen und auf die Jagd gehen – nach Menschen.
Arlen ist eigentlich ein zurückhaltender 13-jähriger Junge, der sein Heimatdorf Tibbet’s Brook noch nie verlassen hat, aber wie viele Kinder davon  träumt eines Tages ein Kurier zu werden, einer jener mutigen und vielfach bewunderten Reiter, die Neuigkeiten und Nachrichten zwischen den Siedlungen transportieren und sich unterwegs oft allein gegen die Dämonen behaupten müssen. In einer verhängnisvollen Nacht jedoch wird Arlens Mutter bei einem Dämonenangriff tödlich verwundet und sein Vater, vor Furcht wie gelähmt, wagt nicht sie zu retten. Arlen läuft daraufhin nach einem Streit davon und begibt sich dadurch in allergrößte Gefahr, denn die Nacht bricht herein…
Ein paar Jahre später wird Renna zur Mörderin, zumindest behaupten das die Menschen, nachdem sie aus Notwehr töten musste, und Mörder werden in Tibbet’s Brook den Dämonen vorgeworfen. Doch ihr Schicksal wendet sich, als ein  junger Mann sie rettet, ein Mann, dem sie vor Jahren einst versprochen war und den man im Volksmund nur erfürchtig den Tätowierten nennt. Es ist ein Mann, der Dämonen nicht fürchtet…
Rojers Eltern kommen bei einem Dämonenangriff auf ihr Wirtshaus ums Leben. Mit letzter Kraft bittet seine Mutter einen anwesenden Messenger den Jungen zu retten und drückt diesem das Kleinkind in die Arme. Jahre später erkennt Rojer als Jugendlicher, dass er mit seinem Geigenspiel Einfluss auf das Verhalten von Dämonen nehmen kann. An der Seite von Renna und dem Tätowierten nimmt er nun den hoffnungslos erscheinenden Kampf gegen die dunklen Horden der der Nacht auf und die drei geben den Menschen zurück, was diese schon lange verloren glaubten – den Mut sich zu wehren.

Über das Buch

Das Buch ist 2008 in England unter dem Titel The Painted Man (560 Seiten) erschienen. Der US amerikanische Titel lautet The Warded Man (480 Seiten). Es handelt sich dabei um den ersten Teil von Peter V. Bretts Dämonenzyklus (Demon Cycle). Der nachfolgende Band erschien 2010 unter dem Titel The Desert Spear (dt.: Das Flüstern der Nacht), der dritte Band (2013) trägt den Titel The Daylight War (dt.: Die Flammen der Dämmerung).
In Deutschland erschien Das Lied der Dunkelheit bei Heyne nur als broschürte Ausgabe und kommt dabei auf knapp 800 Seiten. Die englischen und die deutsche Ausgabe sind in 32 Kapitel unterteilt, die jeweils eine eigene Überschrift haben. Zudem findet man über jedem Kapitel eine Jahreszahl bzw. einen Zeitraum angegeben, in dem die Handlung spielt, was dem Leser die zeitliche Einordung der Ereignisse erleichtert. Die Geschichte wird aus den Persepktiven der unterschiedlichen Hauptcharaktere erzählt.

Meine Meinung zum Buch

Wenn man verschiedene Rezensionen zu The Painted Man liest, dann bekommt man wie immer verschiedenste Meinungen präsentiert. Man mag von der Story halten, was man will, aber ganz bestimmt ist sie nicht langweilig. In meinen Augen hat Peter V. Brett mit viel erzählerischem Geschick eine unglaublich fantastische Welt voller Magie und mittelalterlichem Flair erschaffen, die durch unzählige Details besticht und den Leser in den Bann zieht. Die Charaktere sind ganz wunderbar ausgearbeitet, haben interessante Hintergrundgeschichten und sind auch emotional sehr glaubwürdig. Es fällt einem daher als Leser nicht schwer, sich in sie hinein zu versetzen und mitzufühlen. Zumindest ging es mir so. Das trifft nicht nur auf Arlen, Renna und Rojer zu, sondern auch auf andere wichtige Charaktere, wie zum Beispiel die Heilerin Leesha oder Rennas Vater, der jedoch weniger liebenswert ist.
Lasst es mich deutlich sagen: Man wird im Fantasygenre momentan wohl nur wenige (aktuelle) Bücher/Reihen finden, die sich an Ideenreichtum und erzählerischer Umsetzung mit The Painted Man messen könnten. Wohlgemerkt, ich spreche hier nur von der englischen Originalausgabe, die ich gelesen habe, und nicht von der deutschen Übersetzung. Letztere kann ich nur so weit beurteilen, als dass die Eindeutschung der englischen Nachnamen mal wieder ein Graus ist. Renna Gerber (engl.: Tanner) mag ja noch einigermaßen passen, aber Arlen Strohballen (engl.: Bales)…? Dankeschön, Frau Herrmann-Nytko, dass passt ja nun mal gar nicht zu einem Dämonen bezwingenden Helden der Geschichte, eher zum Freund vom Ziegenpeter auf Heidis Alm in den Bergen. Flair adieu. :cry:
Doch Peter V. Brett hält sich nicht mit den Details auf. Seine Geschichte hat ganz klar epische Ansätze, die spätestens im zweiten Band der Reihe deutlich werden. Es geht beim Dämonenzyklus um nichts Geringeres, als um den Kampf der Menschheit gegen die Unterwelt, die immerwährende Schlacht Gut gegen Böse, das Ringen jedes Einzelnen mit den Ängsten in den Abgründen der eigenen Psyche, die Furcht vor der Dunkelheit und vor den Dingen, die man nicht begreift, die Verzweiflung, Mut und Hoffnung. Der Ausgang ist nicht absehbar.
Leser sind enttäuscht, weil das Marketing der Verlage bisweilen Brett auf eine Stufe mit Tolkien stellt. Man sollte solchen Werbeaussagen nicht immer glauben. Tolkien schrieb in einer anderen Zeit und sein Herr der Ringe ist daher nicht direkt zu vergleichen. Es gibt bei Brett keine Orks, keine bärtigen Zwerge, keine Halblinge und Elfengesänge. Bretts Epos ist anders, will auch ganz anders sein. Brett hat Ideen und vermag diese lebendig, abwechslungsreich und auch glaubhaft umzusetzen, mit starken, liebenswerten Charakteren in einer gut durchdachten neuen Fantasywelt mit eigenen Regeln. Das erzählerische Geschick hat er mit Tolkien durchaus gemeinsam. Seine Ideen bringen Abwechslung ins allzu viel kopierte Genre und sorgen dafür, dass sich The Painted Man positiv hervorhebt. Nicht mehr und nicht weniger – und das ist mehr, als man erwarten kann.

5 von 5 Sternen "Tolle Fantasywelt, tolle Charaktere."

5 von 5 Sternen
„Tolle Fantasywelt, tolle Charaktere.“

Fazit

The Painted Man hebt sich durch seine vielen Ideen positiv aus der Masse der Bücher im Fantasygenre heraus. Peter V. Brett hat es gekonnt geschafft diese Idee auch erzählerisch umzusetzen. Dieser erste Teil der Reihe ist dabei vor allem eine Einführung der wichtigen Charaktere für eine epische Handlung, die in Das Flüstern der Nacht (Band 2) und Die Flammen der Dämmerung (Band 3) noch mehr an Dynamik gewinnt. Ich konnte an der englischen Originalausgabe nichts Negatives finden, denn sie konnte mich wahrlich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln. Ein großartiges Werk von einem großartigen Autor des Genres. Leseempfehlung! :thumbup:

 

Jay

 

 

The Painted Man UK Hardcover und Taschenbuchausgabe

The Painted Man
UK Hardcover und Taschenbuchausgabe

The Warded Man US Taschenbuchausgabe

The Warded Man
US Taschenbuchausgabe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Peter V. Brett studierte englische Literatur und Kunstgeschichte an der Universität von Buffalo und machte seinen Abschluss 1995 mit 22 Jahren. Er arbeitete zunächst über 10 Jahre als Lektor für medizinische Fachliteratur, bevor er sich der Fantasy-Literatur zuwandte und hauptberuflicher Autor wurde. Schon als Kind hatte er großes Interesse an Fantasy-Literatur. Heute lebt er mit seiner Frau und einer Tochter in Brooklyn (New York). Er mag Comics und Rollenspiele und nach seiner Aussage hatte der Roman Shogun von James Clavell ziemlich großen Einfluss auf sein Schreiben. Sein erstes Buch erschien 2008.
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