Peter V. Brett: Selias Geheimnis / Barren (Kurzgeschichte)

Peter V. Brett: Selias Geheimnis (Barren)
Heyne (Harper Voyager), 2018

Inhalt

Jede Nacht wird das Land von blutdürstigen Dämonen überrannt. Seit Jahrhunderten können die Menschen nur überleben, weil sie sich mit Einbruch der Dunkelheit hinter Schutzsiegeln versteckt – mächtigen Symbolen voller Kraft und Magie. Nun jedoch wurden Kampfsiegel wiederentdeckt, die man lange verloren glaubte und endlich haben die Menschen die Chance den Dämonenhorden mit wirksamen Waffen entgegenzutreten und ihnen Einhalt zu gebieten.

Den kleinen Ort Tibbets Bach haben die Kampfsiegel sehr verändert. Spannungen und lange verdeckt schwelende Zwistigkeiten zwischen den Dorfbewohnern brechen auf. Die alte Dorfsprecherin Selia, die von allen Dorfbewohnern seit jeher nur „die Unfruchtbare“ genannt wird, ist die stabile Stütze, die das Dorf seit langem zusammenhält. Doch die Dämonenhorden sind immer weiter auf dem Vormarsch und eine neue Bedrohung für Tibbets Bach wirft ihre Schatten voraus. Selia muss die Dorfbewohner einmal mehr hinter sich vereinen, doch sie trägt in sich ein seit Jahren gehütetes Geheimnis, das nun langsam wieder an die Oberfläche kommt und die Dorfgemeinschaft auf eine harte Probe stellen wird. Wenn Tibbets Bach den nahezu aussichtslosen Kampf tatsächlich überleben soll, dann muss Selia den dunklen Schatten der Vergangenheit und den Erinnerungen, die sie seit langem tief in sich vergraben hat, entgegentreten – Erinnerungen an die Frau, die sie einst war und die Frau, die sie einst liebte…

Infos zum Buch

Titel: Selias Geheimnis (Barren) Autor: Peter V. Brett Verlag: Heyne (Harper Voyager) Reihe: Dämonenzyklus (The Demon Cycle) Seitenzahl: 223 (120) Alter: 16+ Erste Aufl.: 8. Oktober 2018 (20. September 2018) Ausgaben: Hardcover, E-Book, Taschenbuch (D)
ISBN: 978-0008234126 (HC Englisch), 978-3453319707 (TB Deutsch) Extras: Karte, Grimoire der Siegel (in der deutschen Ausgabe)

Infos zum Autor

Peter V. Brett studierte englische Literatur und Kunstgeschichte an der Universität von Buffalo und machte seinen Abschluss 1995 mit 22 Jahren. Er arbeitete zunächst über 10 Jahre als Lektor für medizinische Fachliteratur, bevor er sich der Fantasy-Literatur zuwandte und hauptberuflicher Autor wurde. Schon als Kind hatte er großes Interesse an fantastischen Welten. Heute lebt er mit seiner Frau und zwei Töchtern in Brooklyn (New York). Er mag Comics und Rollenspiele und nach seiner Aussage hatte der Roman Shogun von James Clavell ziemlich großen Einfluss auf sein Schreiben. Sein erstes Buch (The Painted Man) erschien 2008 und wurde ein internationaler Bestseller.

Barren (Novella)

UK-Hardcoverausgabe
Harper Voyager, 2018

Meine Meinung

Mit Barren veröffentlichte Peter V. Brett die inzwischen vierte Novella in seiner Dämonenwelt-Reihe. Obgleich ich den Dämonenzyklus insgesamt sehr gut finde, bin ich nach der Veröffentlichung von The Core, dem finalen Band, eigentlich ganz froh, dass die Reihe weitgehend abgeschlossen ist. Barren ist in diesem Zusammenhang für mich nicht mehr als ein kurzer Rückblick in die Vergangenheit, ein weiterer Aspekt beziehungsweise eine Ergänzung der Geschichte, die jedoch für den Ausgang in The Core nicht allzu relevant ist. Dennoch ist Barren ganz nett zu lesen und ermöglicht es Fans einmal mehr in Bretts von Dämonen heimgesuchte Welt einzutauchen, wenn auch nur für ein paar Kapitel. Ich habe das Buch innerhalb weniger Stunden gelesen, jedoch konnte es mich jetzt nicht erneut zu Begeisterungsstürmen hinreißen, da es nichts wesentlich Neues beinhaltet (abgesehen von Selias Geheimnis, das gelüftet wird). Ich sehe es daher mehr als einen Lückenfüller bis zu dem Tag, an dem Peat mit einer neuen Geschichte von sich hören lässt.

Signierte Titelseite

Zentrale Figur von Barren ist Selia, die schon recht graue Dorfsprecherin von Tibbet’s Brook. In dem Dorf spielt auch die ganze Handlung. Verschiedene Einwohnergruppen sind unzufrieden, was an jahrelangen Zwistigkeiten untereinander liegt, die in der schweren Zeit im Kampf gegen die Dämonen so langsam aufzubrechen beginnen. Selia, die versucht das Dorf gegen die Übermacht der Dämonen zusammenzuhalten, sieht sich immer öfter persönlichen Angriffen durch die Unzufriedenen ausgesetzt. Selias Geheimnis, das nur wenige im Dorf kennen, wird dabei auch als Druckmittel gegen sie verwendet, um sie als Dorfsprecherin zu diskreditieren.
Mir hat gut gefallen, dass das Buch zwei Handlungsstränge verfolgt. Zum einen sind das die Ereignisse in der Vergangenheit, als Selia noch eine junge Frau war und die für ziemliche Turbulenzen im Dorf sorgten. Zum anderen sind das die Ereignisse in der Gegenwart, in denen sie als betagte Frau verzweifelt versucht das Dorf im Kampf gegen die Dämonen zu vereinen. Der Wechsel erfolgt mit jedem neuen Kapitel und ist, wie ich finde, gut gelungen. Die Handlung zeigt eine sehr persönliche Sicht auf Selia und entbehrt nicht einer gewissen Kritik an gesellschaftlichen Moral- und Wertvorstellungen, die in Peter V. Bretts mittelalterlich geprägten Welt sogar noch größeren Einfluss auf zwischenmenschliche Beziehungen in der überschaubaren Dorfgemeinschaft haben, als in unserer aufgeklärten Zeit. Der Autor wagt sich in Barren erfolgreich an ein Thema, das für das Fantasygenre nicht allzu typisch ist und macht daraus eine interessante Geschichte, welche die Leserinnen und Leser auch emotional bewegen kann.

Ich habe versucht das Buch auf Deutsch zu lesen – ich bin nicht weit gekommen. Ich komme einfach nicht mit Ingrid Herrmann-Nytkos Übersetzung zurecht. Dass man englische Eigennamen von Personen wörtlich ins Deutsche übersetzt, passt einfach nicht und wirkt mitunter nahezu lächerlich. Ich habe darüber auf der Leipziger Buchmesse mit Peter V. Brett gesprochen und der fand es ebenfalls äußerst verwunderlich. Vielleicht merkt man es nicht, wenn man von Anfang an nur die deutschen Ausgaben gelesen hat. Wenn man sich jedoch einmal an englische Namen wie Arlen Bales gewöhnt hat, dann kann man mit Arlen Strohballen nicht so recht viel anfangen. Ich habe schlussendlich trotzdem wieder zum englischen Original gegriffen, das glücklicherweise einen Tag später mit der Post eintraf.

3.5 von 5 Sternen
„Eine gelungene Ergänzung der Reihe.“

Mein Fazit

Selias Geheimnis ist eine nette aber kurze Geschichte, die Peter V. Bretts Dämonenzyklus um einen weiteren Aspekt bereichert. Die Geschichte ist gut und spannend zu lesen, wenn auch bestimmte Passagen, wie zum Beispiel die detailliert geschilderten Kämpfe gegen die Dämonenbrut, inzwischen kein sonderlich großes Novum mehr darstellen. Es gab davon in den Büchern der Serie bereits zu viele, als dass sie sich nicht irgendwo wiederholen würden. Interessant fand ich jedoch die Idee um Selias Geheimnis, sowie die Wechsel der Handlungsstränge. Dadurch wurde Selia als Protagonistin mit ihren zahlreichen Sorgen und Ängsten recht gut in den Mittelpunkt gerückt, was sich positiv auf die Spannungskurve auswirkte. Allerdings denke ich, dass Peter V. Brett sich so langsam in eine andere Richtung wenden sollte und hoffe auf zahlreiche (unbedingt) neue Ideen in seinen kommenden Büchern.

Sprachniveau: 3 von 4 (Fortgeschrittene)

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen. Das Niveau ist angemessen, für manche Ausdrücke sollte man vielleicht ein Wörterbuch parat haben. Insgesamt ist der Text aber gut verständlich.

Jay

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