Ostseepiraten – Zu Besuch bei den Störtebeker Festspielen 2018

Als ich noch ein Kind war, stöberte ich gerne in den Büchern meiner Großmutter, die so in den Regalen standen. Sie selbst liest kaum und Bücher waren eigentlich nur dafür da, dass etwas im Regal steht. Ich konnte jedoch ein paar wenige alte Bücher finden, die mich interessierten, darunter ein Abenteuerbuch über den Ostseepiraten Klaus Störtebeker. Die Legende um den Piraten ist schon viele Jahrhunderte alt und ich weiß auch nicht mehr, wer der Autor der damaligen Ausgabe war, die noch in altdeutscher Schrift gedruckt war. Ich weiß jedoch, dass mich das Leben der Piraten schon immer fasziniert hat, waren doch die ersten Playmobil-Männchen meiner Kindheit ein paar Piraten mit einem Ruderboot und einer Schatzkiste voll Gold. Viele Kinder sind mit spannenden Abenteuer- und Piratenbüchern aufgewachsen, allen voran Robert Louis Stevensons weltbekannter Roman Die Schatzinsel, der übrigens erstmals in den Jahren 1881 und 1882 als Mehrteiler in der britischen Kinder- und Jugendzeitschrift Young Folks erschien. Auch ich habe natürlich Die Schatzinsel gelesen und noch so einige andere Klassiker, und las natürlich auch das Buch über Klaus Störtebeker aus den Regalen meiner Oma. Das muss inzwischen so etwa 35 Jahre her sein, und habe die Geschichte in guter Erinnerung behalten, wenn man das nach einer solch langen Zeit überhaupt sagen kann.
Nun, 35 Jahre später, mache ich Urlaub auf der schönen Insel Rügen, und wer hier nicht nur Sonne und kilometerlangen weißen Sandstrand genießen möchte (einen schöneren Sandstrand gibt es auch in den Südländern nicht), der sollte im Sommer unbedingt auch einen Besuch der Störtebeker-Festspiele in Ralswiek ins Auge fassen. Es ist ein großartiges Erlebnis für Jung und Alt, auch wenn man das Buch nicht gelesen hat. Ich will an dieser Stelle nicht zuviel von der Handlung verraten, sondern eher beschreiben, wie ich die Inszenierung fand.

Ensemble der Störtebeker Festspiele 2018

Die Festspiele finden alljährlich von Ende Juni bis September in dem kleinen Küstenörtchen Ralswiek im Norden der Insel Rügen statt. Die liebevoll gestaltete Kulisse der Naturbühne direkt am Meer ist allein schon einen Besuch wert. Während auf der breiten Bühne im Vordergrund die Legenden um Klaus Störtebeker in tollen Kostümen inszeniert wird, fahren im Hintergrund immer wieder nachgebaute Koggen der Hanse auf und ab. Bisweilen wird von den Schiffen auch geschossen und die Zuschauer verfolgen ein Spektakel aus Feuer und Explosionen, was wirklich beeindruckt. Einige weitere Spezialeffekte und Stunts runden die aufwändige Inszenierung auf der Naturbühne ab.

In einer dramatischen Szene trägt Klaus Störtebeker seine Geliebte Selma über die Bühne.

Auch den Schauspielern gelingen vor dieser schönen Kulisse echte Glanzleistungen. Mit viel Ausdruck und, wie man schnell merkt, Leidenschaft versetzen sie die Zuschauer in die Zeit der Hanse zum Ende des 14. Jahrhunderts. Die zentrale Figur ist natürlich Klaus von Alkun, der später im Stück von seinem späteren Freund, dem berüchtigten Piraten Gödeke Michels, den Namen „Störtebeker“ (Stürz den Becher) bekommt. Aber auch die anderen der vielen Dutzend Darsteller und Statisten lassen das Mittelalter aufleben. Das ganze Stück wirkt bis ins kleinste Detail einstudiert. Jeder Handgriff, jede Bewegung und jedes Wort scheint genau abgestimmt. Alles wirkt fließend und leicht.

Hanse Koggen in einer Seeschlacht

Wenn man dann noch bedenkt, dass die ganze Aufführung gut 2 Stunden dauert, zuzüglich einer 30-minütigen Pause, dann kann man jedoch ein wenig erahnen, welche starke Leistung die Schauspieler und auch die ganze Mannschaft hinter den Kulissen allabendlich abliefern, zumal manche Darsteller sogar mehrere Rollen spielen. Insgesamt sollen es über 150 Mitwirkende sein. Die moderne Bühnentechnik macht es zudem möglich, dass auch wirklich jeder Zuschauer die Geschehnisse deutlich mitbekommt und auch ausdrucksstarke Dialoge gibt es im Stück mehr als genug. Schade ist nur, dass aufgrund der Ferne zur Bühne (vor allem auf den hinteren Plätzen) recht viel der Mimik verloren geht, aber dieses Problem haben sicher alle Theater. Umso mehr versucht man durch Gestik und, wie bereits erwähnt, starke Dialoge und mit viel Emotion die Menschen zu fesseln, was durchweg vortrefflich gelingt. Hut ab!

Einen großen Teil des Flairs der Störtebeker Festspiele in Ralswiek machen auch die vielen Tiere aus, die während des Stücks zum Einsatz kommen. Insgesamt allein 30 Pferde galoppieren immer wieder über die Bühne, hinzu kommen ein Esel und sogar ein Adler, der von hinten tief über die Zuschauerränge fliegt, um schließlich auf Störtebekers Faust zu landen. Die Tiere machen das Bühnenstück erst so richtig lebendig und sind nicht nur für die Kinder unter den Zuschauern ein Hingucker. Man erkennt schnell die große Liebe zum Detail, mit der die Macher der Festspiele ihre Besucher mitreißen wollen.

Der Pirat Gödeke Michels (links) und Klaus Störtebeker beim Trinken (rechts).

Meine Empfehlung

Insgesamt sind die Störtebeker Festspiele in Ralswiek in jedem Fall einen Besuch wert. Ich war mit meiner Freundin dort und wir hatten einen wundervollen Abend, zumal auch das Wetter mitspielte. Wer Rügen besucht, sollte sich das Spektakel nicht entgehen lassen. Mein Vater war vor einigen Jahren dort und ebenfalls sehr angetan. Die Karten sind erschwinglich und man bekommt wirklich etwas für sein Geld geboten. Am besten, man bucht seine Plätze schon ein paar Wochen vorher online, dann hat man vor Ort nicht den Stress und kann daheim in Ruhe auswählen, wo man gerne sitzen möchte. Wir waren recht nahe an der Bühne (Preisgruppe II) und haben pro Person 32,00 € zzgl. 4,00 € Bearbeitungsgebühr/Porto für die Karten bezahlt. Weitere Bilder, Infos und auch die Karten gibt es auf der offiziellen Website der Festspiele unter www.stoertebeker.de
Interessant ist auch zu wissen, dass die Geschichte um Klaus Störtebeker in mehreren Teilen inszeniert wird. 2018 beginnt sie mit dem ersten Teil „Ruf der Freiheit“ und beschreibt im Prinzip, wie aus Klaus von Alkun der Pirat Störtebeker wird, als er sich gegen die Obrigkeit auflehnt. In den folgenden Jahren wird es weitere Teile geben, die daran anknüpfen. Es lohnt sich also die Festspiele mehrmals zu besuchen. Für 2019 plane ich das jedenfalls wieder und freue mich schon darauf.

Jay

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