Kevin Brooks: The Bunker Diary (Rezension)

Fear serves a purpose. It’s not just for watching spooky films or riding rollercoasters. It’s there for a reason. It keeps us alive. (Kevin Brooks: The Bunker Diary)

Kevin Brooks: The Bunker Diary UK-Taschenbuchausgabe Penguin Books (2013)

Kevin Brooks: The Bunker Diary
UK-Taschenbuchausgabe
Penguin Books (2013)

Inhalt

Als der sechzenjährige Linus erwacht findet er sich in einem Bunker unter der Erde wieder. Er weiß, er wurde entführt, aber der geheimnisvolle Fremde bleibt dem Teenager, ebenso wie sein Motiv, völlig unbekannt. Schon bald erkennt Linus, dass er in einer schrecklichen Falle sitzt, alle Räume des Bunkers werden überwacht und ein Entkommen scheint unmöglich. Bald schon bekommt er im Bunker Gesellschaft von fünf weiteren Verschleppten, die neunjährige Jenny und vier Erwachsene, die verschiedener nicht sein können. Um den willkürlichen Schikanen des unbekannten Entführers zu widerstehen, müssen sie versuchen sich zusammenzuraufen und ihr unfreiwilliges Zusammenleben unter der Erde so erträglich wie möglich gestalten. Doch der Fremde spielt mit ihnen täglich Katz und Maus und Fluchtversuche ziehen harte Strafen nach sich. Die Situateion läuft schließlich völlig aus dem Ruder, als der Unbekannte anbietetet denjenigen freizulassen, der einen der anderen tötet…

Zum Buch und zum Autor

Kevin Brooks wurde am 30. März 1959 in Pinhoe (England) geboren und schrieb schon mehrere Bücher für Jugendliche und junge Erwachsene (Young Adult). The Bunker Diary erschien 2013 und gehört zu den erfolgreichsten Büchern des Autors. 2014 gewann das Buch die begehrte Carnegie Medal, eine britische Auszeichnung für die besten Kinder- und Jugendbücher.
The Bunker Diary hat 260 Seiten und ist damit vergleichsweise dünn. Es wurde unter dem Titel Bunker Diary ins Deutsche übersetzt und ist seit 1. März 2014 auch in deutschen Buchhandlungen zu finden. Neben der Taschenbuchausgabe gibt es das englische Original noch als Hardcover und ebook, die deutsche Ausgabe, neben dem Taschenbuch, nur als ebook. Sie hat einen Umfang von 300 Seiten und wurde von Uwe-Michael Gutzschhahn übersetzt. Das Buch ist (wen überrascht’s) ein Tagebuch, das aus der Perspektive des Hauptcharakters Linus geschrieben ist. Die einzelnen Kapitel sind die verschiedenen Tage im Bunker, jeweils mit einem Datum und Wochentag als Überschrift.

Meine Meinung

Spannend, beklemmend, durchdacht. Ich habe The Bunker Diary in nur zwei Tagen auf Englisch gelesen. Gut, dass Buch ist nicht sonderlich dick, aber auch dünne Bücher können sich bekanntlich über Wochen hinziehen, wenn sie den Leser nicht immer wieder neu überraschen und fesseln können. The Bunker Diary konnte das von der ersten bis zur letzten Seite. Wir lernen zunächst Linus kennen, einen 16-jährigen Jungen, der von einem Fremden entführt und in den Bunker verfrachtet wird. Dieser hat nur einen sicher abgeriegelten Aufzug als Ausgang. Man erfährt nichts genaueres über den Entführer oder seine Motive für die Tat. Dafür lernen wir aber Linus mit der Zeit immer besser kennen, denn der Roman ist aus seiner Perspektive geschrieben. Stück für Stück enthüllt der Autor die Hintergrundgeschichte des Jungen durch seine Gedanken und Aufzeichnungen und man bekommt einen guten Einblick in dessen Gefühle, die während des ganzen Romans immer wieder starken Belastungen ausgesetzt sind. Linus ist anfangs verzweifelt und hat Angst, später sind es vor allem Zweifel an sich und die Angst um die anderen im Bunker, insbesondere die kleine Jenny. Der Fremde spricht nicht zu den Gefangenen und als Leser weiß man nicht, wie man die ganze Situation eigentlich einschätzen soll.
Als dann nach und nach Jenny und die anderen vier Erwachsenen in den Bunker verfrachtet werden (anders kann man es nicht ausdrücken), wird die ganze Sache interessant. Wie wird sich die Gruppe in der prekären Situation entwickeln? Welche Gruppendynamik ist zu erwarten? Wer wird als erstes zerbrechen, ausrasten, sterben?
Der große Unbekannte spielt mit seinen Opfern, lässt sie immer wieder leiden und bestraft hart, wenn diese sich nicht nach seinen ungeschriebenen Regeln verhalten. Aus der Sicht von Linus‘ Charakter bekommt man die ganze Härte zu spüren und zudem die Verzweiflung, den Schikanen des Fremden ständig und nahezu hilflos ausgeliefert zu sein. Dennoch versucht nicht nur Linus die Hilflosigkeit durch kleine persönliche Triumphe zu kompensieren.

Let me tell you this: I know I might die here. I’m well aware of that. I know that you might kill me. In fact, I think you probably will. But you can’t kill my thoughts. Thoughts don’t need a body. They don’t need air. They don’t need food or water or blood. So even if you do kill me, I’ll still be thinking of you. Do you understand what I’m saying? I’ll be thinking of you until the end of time. And that’s a stone-cold promise. (Linus in: Kevin Brooks: The Bunker Diary)

Der Charakter von Linus ist gut beschrieben und über ihn erfährt man natürlich am meisten. Seine Eindrücke, Gedanken und Gefühle schreibt Linus in einem persönlichen Tagebuch nieder, das er mehr oder weniger regelmäßig führt. Wir sehen die Mitbewohner der „Bunker-WG“ durch seine Augen und sie alle zeigen Charakterzüge, die mich als Leser neugierig auf die weitere Entwicklung machten. Linus verhält sich, trotz seines jungen Alters, recht vernünftig, abgeklärt und schon fast erwachsen, ohne jedoch seinen jugendlichen Charme einzubüßen. Ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll, aber ich fand das sehr gut. Ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen. Über die anderen will ich hier nicht zu viel schreiben, um nicht alles schon vorweg zu nehmen.
In der Handlung gibt es viele Wendungen, insbesondere durch die Taten des Fremden, der für die sechs Menschen im Bunker unerreichbar bleibt. Je nach Situation schwanken auch die Gefühle der sechs Gefangenen sehr stark. Über Freude, Hass, Zorn, Verzweiflung, Zuversicht und Resignantion ist quasi alles vertreten. Dieses Wechselbad der Gefühle durchlebt man als Leser zusammen mit Linus, es ist glaubhaft und macht die allgemeine Hilflosigkeit nur allzu deutlich.
Der ganze Roman lebt letztendlich natürlich von der Frage, ob es die Gefangenen schaffen dem Bunker zu entkommen und ob vielleicht jemand von ihnen auf der Strecke bleibt. ich werde es natürlich nicht verraten, aber das Ende ist dem Inhalt würdig. Ob es nun gut oder schlecht ist, das muss jeder für sich entscheiden. Mir hat es jedoch gefallen. :-D

4,5 von 5 Sternen "Ein spannender Thriller von der ersten bis zur letzten Seite."

4,5 von 5 Sternen
„Ein spannender Thriller von der ersten bis zur letzten Seite.“

Mein Fazit

Das war mein erstes Buch von Kevin Brooks und ganz sicher nicht mein letztes. Ich bin mit hohen Erwartungen herangegangen und sie wurden erfüllt. Nichts ist einfach in The Bunker Diary und im täglichen Kampf ums Überleben im Bunker, aber gerade das macht es so gut für mich. Angeblich soll es ja Menschen geben, die das Buch absolut nicht spannend finden, aber dass sind wohl die gleichen, die entweder bei Horrorfilmen einschlafen oder einfach nur ein mangelndes Empathieempfinden. Kevin Brooks hat hier in meinen Augen eine vortreffliche Arbeit abgeliefert und an einem einfachen Handlungsschauplatz eine Geschichte kreiert, die es wirklich in sich hat. Es ist sicher einiges an Psychologie mit im Spiel, den die Handlung lebt von Linus‘ zum Teil recht tiefgängigen Gedanken. Das erwarte ich jedoch von einem solchen Roman und alles andere wäre für mich nicht glaubhaft. Leseempfehlung von mir! :thumbup:

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen. Es gibt eine ganze Reihe von Wörtern, die nicht so gängig sind. Wer also nicht so fit ist, sollte ein Wörterbuch bereithalten. Wer viele englische Bücher liest sollte jedoch mit The Bunker Diary keine Probleme haben.

Jay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This Blog will give regular Commentators DoFollow Status. Implemented from IT Blögg

Facebook IconTwitter IconFolgt uns mit Bloglovin'Folgt uns mit Bloglovin'Folgt uns mit Bloglovin'