John Boyne: The Boy in the Striped Pyjamas (Der Junge im gestreiften Pyjama)

What exactly was the difference? he wondered to himself. And who decided which people wore the striped pyjamas and which people wore the uniforms?
(John Boyne: The Boy in the Striped Pyjamas)

John Boyne: The Boy in the Striped Pyjamas UK-Paperback (2006)

John Boyne: The Boy in the Striped Pyjamas
UK-Paperback (2006)

Inhalt

Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus. Der 9-jährige Bruno muss mit seinen Eltern und seiner Schwester aus dem wohlbehüteten Leben in Berlin ins ländliche Polen ziehen. Sein Vater, ein überzeugter Soldat und Nationalsozialist, hat dort im Auftrag des Führers eine verantwortungsvolle neue Stelle angetreten. Doch schon bei seiner Ankunft ist Bruno wenig begeistert von seiner neuen Heimat. Nicht nur dass er seine Freunde vermisst, es gibt auch keine Möglichkeiten neue Freunde zu finden. Ein meterhoher und kilometerlanger Zaun führt direkt vor dem abgelegenen Wohnhaus vorbei. Vielen Menschen, auch Kinder, scheinen dahinter zu leben, doch es ist ihm und seiner Schwester verboten in ihre Nähe zu kommen. Was tun die Menschen dort und warum haben sie alle diese gestreiften Schlafanzüge an? Als er eines Tages den Zaun erkundet sieht er auf der anderen Seite den gleichaltrigen Shmuel. Eine eindrucksvolle Freundschaft entsteht, die keine Zäune zu kennen scheint und die Brunos Leben verändern wird…

Über das Buch und den Autor

John Boyne wurde 1971 in Dublin (Irland) geboren, wo er auch heute lebt. Er schrieb mehrere sehr erfolgreiche Romane, darunter Der Junge im gestreiften Pyjama, der sich weltweit millionenfach verkaufte und ausgezeichnet wurde. John Boynes Romane wurden in über 40 Sprachen übersetzt.
The Boy in the Striped Pyjamas ist eindeutig Boynes erfolgreichstes Werk und erschien 2006. Es fällt unter das Genre Kinder- und Jugendbuch, wobei fraglich ist, ob es wirklich für (jüngere) Kinder geeignet ist. Empfohlen wird es ab einem Alter von 12 Jahren. Mit nur 220 Seiten vergleichsweise kurz und in insgesamt 20 Kapitel unterteilt. Vielleicht wird es deswegen auch häufig als Schullektüre her genommen.

Meine Meinung…

… ist diesmal ziemlich gespalten. Der Junge im gestreiften Pyjama gehört ja inzwischen schon zu den modernen Klassikern, die man liest, um irgendwann mal mitreden zu können. Seit fast 10 Jahren bearbeiten ganze Schulklassen das Buch und interpretieren fleißig, was der Autor mit dem ganzen Machwerk eigentlich aussagen wollte. Ehrlich gesagt, mir hat sich das nicht so recht erschlossen. Von den Büchern, die ich bisher von John Boyne gelesen habe, war The Boy in the Striped Pyjamas eindeutig das Werk, das mich am wenigsten vom Hocker reißen konnte. :-|

Bruno, der 9-jährige Protagonist, war sehr flach und farblos dargestellt. Es fiel mir schwer mich in ihn hinein zu versetzen. Das lag vermutlich auch daran, dass er sich für sein Alter bei weitem zu naiv zeigte. Ich hatte bisweilen den Eindruck, er wäre höchstens fünf. Als Sohn eines hochrangigen Soldaten hat er zum Beispiel, obwohl er in Berlin lebt, noch nie etwas von Adolf Hitler gehört, spricht sogar das Wort „Führer“ immer wieder falsch aus (dt.: Furor; engl.: Fury). Er hinterfragt für sein Alter die Dinge, die er sieht, zu wenig und ist viel zu leichtgläubig, als dass man hier noch von einem glaubwürdigen Charakter sprechen könnte. Man könnte es vielleicht verstehen, wenn es nur anfangs so gewesen wäre, aber Bruno entwickelt sich über die Handlung hinweg in der Beziehung auch nicht sonderlich weiter. Er sieht zum Beispiel das Unrecht in vielen Situationen, aber ist ihm gegenüber so unkritisch und tatenlos, dass es fast schon weh tut.

Und wenn sie sich sahen, stellte Bruno besorgt fest, dass sein Freund von Tag zu Tag noch dünner zu werden schien und sein Gesicht immer grauer wurde. Manchmal nahm er mehr Brot und Käse für Schmuel mit, und gelegentlich gelang es ihm sogar, ein Stück Schokoladenkuchen in seiner Tasche zu verstecken. Doch es war ein langer Weg vom Haus zu der Stelle im Zaun, wo die beiden Jungen sich trafen, und unterwegs bekam Bruno manchmal Hunger und merkte, wie ein Bissen von dem Kuchen zum nächsten führte, der dann wiederum zu einem weiteren führte, bis nur noch ein kleiner Rest übrig war, den er Schmuel nicht anbieten mochte, weil das seinen Hunger nur angestachelt und nicht gestillt hätte. (John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama, Kapitel 15)

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Freundschaft zwischen Bruno und dem jüdischen Jungen Shmuel, der zufälligerweise auf den Tag genau so alt ist, wie Bruno. Soweit OK. Allerdings nahm mir die Freundschaft der beiden im Buch viel zu wenig Raum ein. Sie war in meinen Augen nur sehr oberflächlich und wenig emotional (wenn man einmal vom emotionalen Schluss absieht). Die beiden Jungen unterhalten sich zwar täglich am Zaun, allerdings erfährt man nur wenig über den Inhalt ihrer Gespräche. Es gibt also keine Aussagen, die einem Leser so recht zum Nachdenken anregen könnten. Schade, denn ich denke, dass hier einfach viel Potential verschenkt wurde die Geschichte tiefgründiger zu gestalten. :-|

Das Buch gibt einen (schwachen) Einblick in das Leben in und um Auschwitz. Eigentlich wird vieles nur angedeutet und man muss zwischen den Zeilen lesen können. Als Erwachsenen sollte einem das gelingen, jedoch erfährt man dadurch nichts wesentlich Neues über die Verhältnisse im Lager. Somit kann man oft nur den Kopf nicken oder schütteln und sagen, „Ja, so war das“.
Für jüngere Leser hingegen werden die Andeutungen nicht immer durchschaubar sein. Es könnte also die eine oder andere Erklärung nötig sein. Als problematisch sehe ich dabei, dass manche Dinge einfach zu verharmlost dargestellt werden. Das Lagerleben im KZ ließ sicherlich nicht zu, dass sich Kinder täglich irgendwohin verdrücken, um unbeobachtet durch den Zaun mit Besuchern von außen zu sprechen. Der Zaun ließ sich sicherlich auch nicht einfach anheben, um darunter hindurch zu kriechen, wie im Buch erwähnt. Ich finde, dass dies der damaligen Realität nicht gerecht wird.
Ein Erwachsener würde das alles als Unsinn entlarven und ein Kind würde eventuell eine falsche Vorstellung vom harten Leben in den KZs bekommen. Andererseits kann man jungen Lesern das Grauen auch nicht im Detail schildern. Ich bin deshalb ziemlich gespalten, da ich nicht weiß, wie ich das nun werten soll. Vielleicht sollte man Kinder- und Jugendliche bis zu einem bestimmten Alter mit der Holocaustthematik verschonen, anstatt einer halbherzigen und zu weichgespülten Umsetzung. :-|

Der Schluss des Buches ist natürlich für die Leser ein Schock. Der Autor drückt kräftig auf die Tränendrüsen und sorgt dafür, dass das Buch auch nach Beendigung im Kopf herum spukt. Die Tragödie hat mich jedoch nicht zu den Taschentüchern greifen lassen. Man könnte ein bisschen den Eindruck bekommen, dass John Boyne das Thema Holocaust nur deshalb gewählt hat, weil die Handlung dadurch an zusätzlicher Dramatik gewinnt. Ohne ihm jetzt irgendetwas unterstellen zu wollen, aber verkaufsfördernd war dieser Rahmen ganz bestimmt.
Insgesamt hatte ich mir von dem hochgelobten Buch einiges mehr erwartet. Byone erwähnte selbst, dass er das erste Manuskript des Buches in nicht einmal drei Tagen geschrieben hatte. Vielleicht hätte etwas mehr Zeit der Handlung gut getan.

3 von 5 Sternen "Konnte meine Erwartungen nicht so recht erfüllen."

3 von 5 Sternen
„Konnte meine Erwartungen nicht so recht erfüllen.“

Mein Fazit

Die Idee von The Boy in the Striped Pyjamas fand ich durchaus interessant und ich glaube, dass man daraus eine wundervolle Handlung hätte entwickeln können. Nur leider sehe ich einige Teile nach dem Lesen recht kritisch. Mir war das alles zu wenig logisch, zu harmlos, zu oberflächlich, und damit meine ich leider auch die jungen Protagonisten und die Freundschaft zwischen Bruno und Shmuel. Wenn einem das Buch zum Nachdenken anregen soll, was ja im Falle der Holocaustthematik naheliegend wäre, dann hat es diesen Zweck bei mir persönlich eindeutig verfehlt. Positiv anzumerken ist jedoch der flüssige Schreibstil. Das Buch ist in gut vier Stunden gelesen. :lesen:

Einen positiven Aspekt gibt es jedoch noch. Das Buch ist in relativ einfachem Englisch geschrieben und würde sich daher auch als englischsprachige Schullektüre (evtl. ab der 7./8. Klasse) eignen.

Jay

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