John Boyne: The Boy at the Top of the Mountain

John Boyne: The Boy at the Top of the Mountain UK-Hardcover Doubleday (2015)

John Boyne: The Boy at the Top of the Mountain, UK-Hardcover, Doubleday (2015)

Inhalt

Wir schreiben das Jahr 1936, als die Geschichte beginnt. Der 7-jährige Pierrot lebt allein mit seiner Mutter in Paris. Das Leben ist sehr hart für die beiden, nachdem Pierrots Vater, vom Ersten Weltkrieg noch stark traumatisiert und ein Trinker, der Familie den Rücken kehrt und schließlich ums Leben kommt. Kurz darauf stirbt auch Pierrots Mutter an einer schweren Krankheit und der Junge findet sich im Waisenhaus in Orleans wieder. Doch überraschend meldet sich Pierrots Tante, die er selbst nie kennenlernen durfte und nimmt ihn zu sich, damit er in einem mysteriösen Haus nahe dem Ort Berchtesgaden bei ihr lebt. Doch das besagte Haus ist kein gewöhnliches Haus, sondern der „Berghof“, der repräsentative Wohnsitz des Führers Adolf Hitler und Pierrots Tante ist seine Haushälterin.
Anfangs noch distanziert findet der Führer schon bald Gefallen an dem aufgeweckten Knaben, nimmt ihn unter seine Fittiche und macht aus ihm einen Hitlerjungen. Schon bald wird Pierrot von dieser gefährlichen Welt aus Macht, Geheimnissen und Verrat vereinnahmt und indoktriniert. Schließlich muss er sich entscheiden, wo seine Loyalität liegt, beim Führer oder bei den Menschen, die ihn lieben.

Über das Buch und den Autor

Signierte Ausgabe

Signierte Ausgabe

John Boyne wurde 1971 in Dublin (Irland) geboren, wo er auch heute lebt. Er schrieb mehrere sehr erfolgreiche Romane, darunter Der Junge im gestreiften Pyjama, der sich weltweit millionenfach verkaufte und mehrfach ausgezeichnet wurde. John Boynes Romane wurden in über 40 Sprachen übersetzt.

Mit The Boy at the Top of the Mountain veröffentlich John Boyne am 01. Oktober 2015 ein weiteres Buch, dass zur Zeit des Nationalsozialismus spielt und das Schicksal eines Jungen beschreibt. Das Buch ist beim britischen Doubleday Verlag erschienen, der zum Medienkonzern Random House gehört. Der Roman hat 215 Seiten in 14 Kapiteln und ist als Hardcoverausgabe und als Taschenbuch erschienen. Ich besitze eine signierte Erstausgabe.

Meine Meinung

Nachdem ich vor wenigen Tagen erstmalig Boynes Bestseller The Boy in the Striped Pyjamas gelesen habe, war ich gespannt, ob mir der neueste Roman, der in dieser Zeitperiode spielt, besser gefallen wird. Mit 215 Seiten ist das Buch nicht allzu dick und es hat mich so gefesselt, dass ich es quasi am Stück lesen musste. :lesen:

Das Buch ist ein Coming-of-Age-Roman und dreht sich um den jungen Pierrot, den man aufgrund seines kindlichen Wesens und der herben Schicksalsschläge, die ihm widerfahren, schnell ins Herz schließt. Umso mehr schmerzte es mich als Leser verfolgen zu müssen, wie sich sein Wesen unter dem Einfluss von nationalsozialistischer Indoktrination und der verlockenden Macht über andere immer mehr ins Negative wandelte. Pierrot wird zum Paradebeispiel der Verführung von Kindern und Jugendlichen durch die Nationalsozialisten in jener Zeit. Er ist ein Opfer seines Umfeldes und in seinem speziellen Fall sogar des Führers persönlich. In den wenigen Jahren auf dem Berghof wird Pierrot (auf dem Berghof heißt er Pieter (warum eigentlich nicht „Peter“, Herr Boyne?), was nicht so französisch klingt (aber dafür ziemlich englisch)) immer mehr zum glühenden Verfechter Adolf Hitlers und seiner Ideologie. Je weiter man liest, umso bitterer wurde es für mich, als ich tatenlos dabei zusehen musste, wie der unbescholtene Knabe schließlich zum Mittäter wird. Ich will jedoch nicht mehr dazu sagen. :)
John Boyne konnte die charakterliche Entwicklung des Jungen glaubhaft beschreiben. Manchmal mag einem die eine oder andere Handlungsweise etwas überzogen vorkommen, doch ist aus der Geschichtsschreibung bekannt, wie fanatisch zum Teil selbst die Jüngsten des deutschen Volkes an der NS-Ideologie festhielten. Vielleicht nicht alle, aber (zu) viele.

Die erste Hälfte des Buches beschreibt Pierrots Lebensweg bis zu seinem Eintreffen auf dem Berghof und ist nach Aussage des Autors reine Fiktion. Die zweite Hälfte beinhaltet hingegen auch einige real stattgefundene Ereignisse auf dem Berghof und gewähren dem Leser somit auch Einblicke in geschichtliche Hintergründe. Zudem bringen sie Abwechslung in die Handlung und erlauben einen vagen Blick auf das politische Geschehen. Zum Beispiel trifft Pierrot allerlei Nazi-Größen. Himmler, Goebbels und einige andere besuchen den Führer auf dem Berghof und schieden ihre Pläne. Eva Braun feiert ihren 30. Geburtstag.
Mit der Ankunft von Pierrot auf dem Berghof spielt sich die ganze Handlung auch dort ab, abgesehen von gelegentlichen Besuchen in Berchtesgaden. Von der Außenwelt quasi abgeschottet bekommt der Junge sehr wenig von den Schrecken des Krieges mit. Dadurch wird es für ihn auch unmöglich eine kritische Haltung einzunehmen, da er die Gräueltaten und das Grauen des Krieges nicht unmittelbar mitbekommt. Wie sehr Pierrot gleichzeitig Opfer und Täter wird zeigt sich vor allem auch in dem sich stark verändernden Verhältnis zu seinen Freunden. :-|

John Boyne: The Boy in the Striped Pyjamas UK-Paperback (2006)

Anzumerken ist auch, dass John Boyne den Roman mit seinem Bestseller The Boy in the Striped Pyjamas verbandelt. So trifft Pierrot kurz auf Brunos Familie (Bruno ist der Sohn des späteren Lagerkommandanten von Auschwitz) und auf den Hitlerjungen Kotler, der im anderen Buch als Leutnant Kotler Angst unter den KZ-Häftlingen verbreitet.

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch. Auch in diesem Buch deutet Boyne immer wieder an wie abgrundtief böse alle deutschen Soldaten zu sein scheinen. Mich hat das ein wenig genervt. Sicher gab es in der Wehrmacht und in der SS so manchen Sadisten, aber man kann das sicherlich nicht grundsätzlich pauschalisieren. Mir war das manchmal zu klischeehaft. In John Boynes Irland besaufen sich ja auch nicht alle Iren ständig an Guinness und züchten Schafe. Ok, vielleicht ja doch. :-D

Das Ende des Buches ist dann auch ganz anders, als man es hätte vermuten können. Ich will nicht zu viel verraten, aber es ist kein schlechtes Ende und es ließ mich nachdenklich zurück. :hmm:

4,5 von 5 Sternen "Super geschrieben."

4,5 von 5 Sternen
„Super geschrieben.“

Mein Fazit

Ich fand The Boy at the Top of the Mountain ein ganzes Stück besser als Boynes Pyjama-Bestseller. Das liegt vermutlich daran, dass die Geschichte ein ganzes Stück glaubwürdiger erzählt wird. Sie ist zudem stark emotional, spannend bis zur letzten Seite und birgt einige Überraschungen. Schade ist, dass John Boyne manchmal zu klischeehaft schreibt. Ich finde es wäre nicht notwendig gewesen, denn sein Schreibstil ist wirklich gut genug, als dass er künstlich Spannung hätte aufbauen müssen. Insgesamt ist es ein wunderbar geschriebenes Buch, das ich in einem Durchgang verschlungen habe. Daher eine Leseempfehlung von mir an dieser Stelle. :thumbup:

 

Das Buch ist als Jugendbuch geschrieben und entsprechend gut verständlich ist der Wortschatz.

 

Jay

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