John Boyne: Beneath the Earth (Kurzgeschichten)

John Boyne: Beneath the Earth UK-Hardcover Doubleday (2015)

John Boyne: Beneath the Earth
UK-Hardcover
Doubleday (2015)

Inhalt

In dieser Sammlung von zwölf dunklen und überraschenden Geschichten erkundet John Boyne die Extremformen menschlichen Befindens in all ihrer Brillanz und Brutalität. Es geht um die Geheimnisse, die wir verbergen und wie sie uns verändern und formen. Es geht um die Härte von schweren Verlusten für eine Beziehung und um die Mühen, die wir in Kauf nehmen, um unsere Familien zu schützen. Und wie weit würden Menschen gehen, um sich selbst zu schützen?
(Übersetzung Klappentext)

Über das Buch und den Autor

Der Autor John Boyne wurde 1971 in Dublin, Irland, geboren, wo er auch heute lebt. Bekannt wurde er unter anderem durch seinen Roman Der Junge im gestreiften Pyjama, der viele Buchpreise gewann. Seine Bücher wurden inzwischen in über 45 Sprachen übersetzt.

Mit Beneath the Earth bringt John Boyne erstmalig eine Kurzgeschichtensammlung auf den Markt. Es beinhaltet 12 Geschichten auf 268 Seiten, die aus verschiedenen Erzählperspektiven geschrieben wurden. Erschienen ist Beneath the Earth (dt.: Unter der Erde) am 27. August 2015 als Hardcover beim britischen Verlag Doubleday. Das Taschenbuch soll im April 2016 folgen. Von einer deutschen Übersetzung ist noch nichts bekannt.

Meine Meinung

Ich mag Anthologien (Kurzgeschichtensammlungen). Vor allem, wenn verschiedene Autoren daran beteiligt sind, die man bisher noch nicht kannte bzw. die man noch nicht gelesen hat, und man so die Chance hat neue Autoren für sich zu entdecken. Bei dieser Anthologie ist es ein bisschen anders, denn alle Geschichten stammen aus der Feder eines einzigen Autors. Natürlich kenne ich John Boyne schon länger und habe auch schon so manches Buch von ihm gelesen, die mir alle recht gut gefallen haben. Ich glaube eine Anthologie eines einzigen Autors zeigt seine Vielseitigkeit am besten, denn mit jeder Geschichte präsentiert er neue (hoffentlich interessante) Charaktere, Beziehungen und neue Ideen für die Handlung, die es zu gestalten gilt.  Das alles natürlich mit einem Spannungsbogen und auf einer begrenzten Anzahl von Seiten, was eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe ist, wie ich finde. Ich war deshalb sehr gespannt auf jede einzelne Geschichte in Beneath the Earth und wie John Boyne sie letztendlich meistern würde. :)

Um es vorweg zu sagen. Die wenigsten der zwölf Storys sagten mir zu, denn ich erwartete zwölf „dunkle und überraschende“ Geschichten, die jedoch meist weder sonderlich dunkel, noch allzu überraschend waren. Man kann wohl sagen, sie waren interessant zu lesen, allesamt stilistisch durchaus gut geschrieben, lesenswert und konnten mich auch zum Nachdenken anregen. Weder habe ich mich gelangweilt, noch waren die Handlung und Personen unglaubwürdig. Es ist nur so, dass ich wesentlich mehr Mystik erwartet hatte. Nicht unbedingt viel Gewalt und Blut, aber doch ein tieferes Eintauchen in die Psyche der Protagonisten, die mich auch erschrecken und mit eine leichte Gänsehaut bescheren sollte. Diese Erwartungen wurden bei mir nicht zuletzt durch das tolle Buchcover geweckt. Leider fand ich die meisten Geschichten dann doch eher durchschnittlich. Manche waren aber gut, und dass sind diese hier…

In „Boy, 19“ geht es um einen Callboy, der sich sein Studium mit Liebesdiensten finanziert, die er über das Internet buchen lässt. Eines Nachts trifft er einen Freier, von dem er wohl am wenigste erwartet hätte Homosex zu wollen.
In „Haystack Girl“ rächt sich ein Bruder an seiner Schwester dafür, dass sie sein größtes Geheimnis über das Handy an der Schule verbreitete. Er zahlt es ihr in barer Münze heim… (mehr sag ich nicht).
In „A Good Man“ dreht sich die Handlung um einen Auftragskiller. Die Geschichte beschreibt seine beiden Leben, dem tödlichen Killer, der für Geld einfach nur einen Job zu erledigen hat und dem fürsorglichen Familienvater, der einen Literaturkurs an der Universität besucht und sich mit den Klassikern beschäftigt. Ich finde es ist eine überaus interessante Persönlichkeit, die John Boyne da erschaffen hat.
In „Amsterdam“ versucht ein Ehepaar den gewaltsamen Tod ihres kleinen Sohnes zu verarbeiten. Es geht hierbei um die Schuldfrage und die Selbstvorwürfe, die die Ehe stark belasten. Die Geschichte ist interessant geschrieben und John Boyne schaffte es sogar eine Portion Humor mit einzuflechten, obwohl die Handlung an sich sehr tragisch ist.
Am besten gefallen hat mir die letzte der 12 Geschichten, die dem Buch auch seinen Namen gibt. „Beneath the Earth“ beginnt mit dem Satz

It was no easy task to dig the child’s grave. (John Boyne: Beneath the Earth)

Es soll ein Kind vergraben werden, im winterharten Boden einer Farm. Der Gräber des Loches ist ein Mensch, der aufgrund seiner schweren Kindheit zu dem wurde, was er ist. Diese Geschichte gewährt dem Leser tatsächlich einen Blick in einen Abgrund der menschlichen Seele und zeigt durch Andeutungen, wie es dazu kommen konnte. Schon mit dem ersten Satz schafft es John Boyne, wie auch bei vielen der anderen Geschichten, mich sofort in die Handlung zu ziehen und zu fesseln. Dabei ist sie recht kurz und umfasst nur insgesamt 12 Seiten.

3 von 5 Sternen "Konnte meine Erwartungen nicht so recht erfüllen."

3 von 5 Sternen
„Konnte meine Erwartungen nicht so recht erfüllen.“

Mein Fazit

Wie gesagt, die Kurzgeschichtensammlung Beneath the Earth ist sicher nicht schlecht. Ich bin nur mit ganz anderen Erwartungen an das Buch herangegangen, die leider nur bedingt erfüllt wurden. Wer jedoch Anthologien mag und Boynes Vielseitigkeit als Autor näher kennenlernen möchte, ist mit Beneath the Earth gut beraten. Viele gute Ideen sind das Buch geflossen und lesenswert ist es allemal.

Sprachniveau: 3 von 4 (Fortgeschrittene)

Sprachniveau: 3 von 4 (Fortgeschrittene)

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen. Im Gegensatz zu John Boynes Jugendbüchern fand ich das Sprachniveau hier etwas höher. Wer regelmäßig auch englische Bücher liest sollte damit jedoch kein allzu großes Problem haben. Vieles ist gut verständlich und der Wortschatzmeist  gängig.

Jay

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