Joe Abercrombie: Königsklingen (engl.: Last Argument of Kings)

Rules are for children. This is war, and in war the only crime is to lose.
(Joe Abercrombie: Last Argument of Kings)

Deutsche Taschenbuchausgabe

Deutsche Taschenbuchausgabe

Inhalt

Logan Neunfinger, der wohl berüchtigste Barbar des Nordlandes, steht vor seinem letzten großen Kampf. Zwar hat er die Nase gestrichen voll vom Kämpfen, aber was getan werden muss, muss eben getan werden, denn der König der Nordmänner, sein ältester Freund und gleichzeitig größter Feind, denkt gar nicht daran klein beizugeben und Logan ist der einizige Krieger, der den blutigen Krieg beenden kann. Logan stellt sich auf die Seite der Nordmänner und ist gewillt die Dinge gerade zu rücken. Einige hundert Meilen entfernt kämpft auch Glokta einen verzweifelten Kampf gegen Intrigen und Feinde die er selbst nicht richtig kennt, denn der König liegt im Sterben und der Adel überwirft sich fast im Kampf um die Krone. Jetzt geht es darum nicht zwischen die Räder zu kommen und in dieser tödlichen Auseinandersetzung die Oberhand zu behalten. Zum Glück helfen Folter, Drohungen und Erpressung, wie in den guten alten Zeiten, und es gibt wohl kein Handwerk, auf das sich Glokta besser verstehen würde.
Jezal, der Soldat der schon immer nach Ehre und Ruhm strebte, hat sich nach seiner strapaziösen Reise ans Ende der Welt für ein weitaus geruhsameres Leben in den Armen seiner Liebsten entschieden. Das Problem ist nur, dass Liebe ebenfalls ziemlich schmerzhaft und strapaziös sein kann und wenn der Ruhm sich schon regelrecht aufdrängt, wäre Jezal der letzte, der sich dagegen sträuben und einen vielversprechenden Auftrag ablehnen würde.
Der König auf dem Totenbett, die Leibeigenen kurz vor der Revolte und der Adel ist hinter der Krone her. Es gibt einiges zu tun, doch Bayaz, der größte aller Magier, hat wieder einmal einen riskanten Plan in der Hinterhand und es gibt kein Riskio, dass größer wäre, als das erste Gesetz der Magie zu brechen…

Zum Buch

Hardcoverausgabe von Subterranean Press (USA)

Hardcoverausgabe von
Subterranean Press (USA)

Königsklingen (engl.: The Last Argument of Kings) ist der dritte und finale Teil der Reihe The First Law von Joe Abercrombie. Die deutsche Taschenbuchausgabe hat mit 944 Seiten schon einen gewaltigen Umfang, doch die englische Ausgabe ist mit knapp 700 Seiten auch kein Buch, das man mal eben so zwischendurch liest. Unterteilt ist das Buch in zwei große Abschnitte (Teil 1 und Teil 2) und die wiederum in insgesamt 60 Kapitel, was es einem einfacher macht, da die Kapitel überschaubar bleiben.
Königsklingen ist bei Heyne erschienen und auch als eBook erhältlich.
Eine besonders schöne, limitierte und illustrierte Hardcoverausgabe gab es 2012 bei Supterranean Press. Die Auflage betrug einmal 500 Stück und einmal 26 Stück (ledergebunden und im Schuber). Alle Bücher sind nummeriert und wurden von Joe Abercrombie signiert.

 

Meine Meinung

Joe Abercrombie hat mit diesem dritten Band seines ersten Dreiteilers bewiesen, dass er sein Handwerk mehr als versteht. Seinen Erzählstil kann man dabei durchaus als einzigartig bezeichnen, denn er lässt kein Mittel aus, um den Charakteren seiner Geschichte Leben einzuhauchen. Man taucht ein in eine Handlung, die auf der einen Seite keine traditionelle Fantasy widerspiegelt (Orks und Drachen gibt es nicht), aber sich dennoch als Fantasy aller erster Güte herausstellt.
:arrow: Das Buch ist unterhaltsam, denn Abercrombies Charaktere machen die Lektüre zum reinen Lesevergnügen. Geistreiche Konversationen und tiefe Einblicke in die Gedankengänge der Hauptpersonen halten den Leser ganz nahe am Geschehen und ringen ihm nicht selten ein Schmunzeln ab.

“She had a crooked smile on her face as she turned, but it slid off suddenly when she saw who was standing there. Glokta snorted. ‚Don’t worry, I get that reaction from everyone. Even myself, every morning, when I look into the mirror.‘ If I can even manage to stand up in front of the damn thing.”

:arrow: Das Buch is fesselnd und die relativ kurzen Kapitel tragen ihren Teil dazu bei, dass man sagt: „Ach, nur eines noch und dann schlafen.“ Es liegt wohl an Abercrombies Gabe dem Leser den Eindruck zu vermitteln, dass die Lösung des Problems eigentlich nicht bis zum nächsten Tag warten kann. Man muss wissen, wie es ausgeht und längere Pausen sind absolut keine Alternative.
:arrow: Joe Abercrombie hat Niveau. Es handelt sich nicht um platte Schlag-drauf-Fantasy, sondern um Texte mit Tiefgang, über die man nachdenken kann (aber nicht muss). :hmm:

But you love to play the good man, don’t you? Do you know what’s worse than a villain?
A villain who thinks he’s a hero. A man like that, there’s nothing he won’t do, and he’ll always find himself an excuse.

:arrow: Die Handlung bringt Abwechslung, denn sie wird erlebt aus der Sicht der Hauptcharaktere. Dadurch gewinnt der Leser auch einen guten Einblick in deren Gedankengänge, hat Anteil an ihren Emotionen und Plänen. Abercrombie hat die Gabe Situationen atmosphärisch perfekt zu beschreiben und glaubhaft zu vermitteln. In dem Moment ist man wirklich Logan, Glokta oder Jezal.
:arrow: Wunderbar ausgefeilte Charaktere, jeweils mit jeder Menge glaubwürdiger Stärken und Schwächen und einer detaillierten Hintergrundgeschichte, lassen Abercrombies Welt im Kopf des Lesers lebendig werden. Wo sonst trifft man z. B. auf einen Barbarenhelden, dem das Kämpfen eigentlich zuwider ist und der sich in diesem Moment gegen alle denkbaren Klischees stemmt, die einem Barbarenkrieger anhaften? Abercrombies Charaktere wirken nicht nur völlig real, sie sind es. Sie sind keine Superhelden (zumindest meistens nicht) und haben mehr Schwächen, als es ihnen oftmals lieb ist. Ihr Heldentum besteht darin, dass sie gegen ebendiese Schwächen ankämpfen und dabei auch nicht immer gewinnen.

I have learned all kinds of things from my many mistakes. The one thing I never learn is to stop making them. (Cosca)

Man liebt sie und man hasst sie. Man ist fasziniert von Gloktas Gerissenheit und Voraussicht, doch genauso missbilligt man sein Tun im Folterkeller der Inquisition – ok, manchmal auch nicht. :twisted:
Eines ist jedoch klar: Man wird sie nicht vergessen, ebenso wenig wie die bekannten Superhelden unserer Kinofilme.

Was bleibt sind stille, vielleicht nachdenkliche Momente nach der letzten Seite und ein Durchatmen. Knapp 700 englische Seiten (oder 940 deutsche) lesen zu müssen mag viele Menschen zunächst abschrecken, aber Abercrombie ist jede Seite wert. In Königsklingen führt er die vielen Handlungsstränge seiner Trilogie zu einem großen Ganzen zusammen und überrascht dabei durch viele spannende Wendungen. Nein, langweilig wird es bestimmt nicht und das Ende ist auch keines aus dem Bilderbuch. Keine Prinzessin wird wach geküsst und kein einsamer Held reitet in den Sonnenuntergang, denn dafür bleibt Abercrombie viel zu nahe an seiner Realität und die ist meist grausam und so gar nicht rosarot.

Mein Fazit

5 von 5 Sternen "Ein würdiges Ende der Trilogie."

5 von 5 Sternen
„Ein würdiges Ende der Trilogie.“

Das Buch ist sein Geld wert. Königsklingen ist Fantasy vom Feinsten und besticht durch hervorragend ausgearbeitete Charaktere über die man gerne liest, denn ihre Stärken und Schwächen machen die Lektüre zu einem kurzweiligen Lesevergnügen. Hinzu kommt eine wunderbar ausgearbeitete Rahmenhandlung mit vielen verschiedenen Handlungssträngen, welche Abercrombies Welt überaus lebendig werden lassen. Es bleibt nur zu hoffen, dass wir bald wieder von Logan, Glokta und Konsorten hören und lesen werden. :thumbup:

 

 

 

Englischer Hardcover Erstausgabe (Gollancz, London, 2008)

Englischer Hardcover
Erstausgabe
(Gollancz, London, 2008)

Englische Taschenbuchausgabe

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Italienische Taschenbuchausgabe

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Polnische Taschenbuchausgabe

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