Jan Büchsenschuß: Oleander

Jan Büchsenschuß: Oleander E-Book, Verlag Schardt (2015)

Jan Büchsenschuß: Oleander
E-Book, Verlag Schardt (2015)

Inhalt

Die traditionsverbundene Familie Oleander hat eine lange Familiengeschichte und ist wie keine andere Familien von Stand. Seit Jahrhunderten verstehen sich ihre Mitglieder als Bewahrer von Kultur und Moral. Sie verdammen alles, was in ihren Augen oberflächlich und trivial ist und wer ihren hohen ethischen und literarischen Ansprüchen nicht gerecht wird, verschwindet schon mal unter mysteriösen Umständen. Die Oleanders leben nach ihren eigenen strengen Regeln und Gesetzen, schon immer.
Als schließlich das reiche Familienoberhaupt Simon Oleander stirbt, versammeln sich die Angehörigen im Stammsitz der Familie zur Eröffnung des Testaments. Doch es wird eine Überraschung, denn um erben zu können, müssen die Hinterbliebenen innerhalb weniger Tage ein literarisches Rätsel lösen, das in den tausenden von Büchern vergraben liegt. Es beginnt eine Schnitzeljagd durch die Bibliotheken und geheimen Plätze des Hauses, die Stunde um Stunde für alle Beteiligten immer gefährlicher wird und der Tod selbst spielt mit.

Über das Buch

Ich habe das Buch vom Autor Jan Büchsenschuß als E-Book angeboten bekommen. Die broschierte Ausgabe selbst hat nur knapp 200 Seiten. Das Cover ist ziemlich dunkel gehalten und zeigt einen Oleander, passend zum Titel und zum Familiennamen der Protagonisten. Mir gefällt das Design sehr gut. Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt und bereits im Oktober 2015 erschienen.

Meine Meinung

Ich mag Bücher über Bücher und genau darum geht es in Oleander. Der Einstieg in die Handlung geht schnell und ohne großes Geplapper. Es werden die Hauptpersonen vorgestellt, während sie um den großen Eichentisch in der Villa Oleander, dem Stammsitz der Familie, sitzen und auf die Testamentseröffnung warten. Die potentiellen Erben sollen ein literarisches Rätsel lösen, um in den Genuss der vielen Millionen zu kommen und die Spannung steigt, denn alle haben natürlich Interesse an dem Erbe. Anfangs läuft die Jagd nach der Lösung noch recht harmlos, doch schon bald ist der erste Tote zu beklagen und aus der Jagd nach dem Erbe entwickelt sich ein blutiges Versteckspiel mit dem Mörder. Ich kann die Intention des Autors hier schon nachvollziehen, allerdings fand ich es ein bisschen schade, dass die durchaus interessanten literarischen Rätsel recht schnell in den Hintergrund gedrängt wurden und schon bald fast keine Rolle mehr spielten. Vielmehr verschwinden immer wieder Personen und kommen ums Leben und als Leser kann man über die wahren Hintergründe lange Zeit nur rätseln. Was mir aber am meisten zu schaffen machte, war die Unnahbarkeit eigentlich aller Protagonisten. Es gab wirklich keine Person, der ich an irgendeiner Stelle eine einzelne Träne nachgeweint hätte oder deren Wege durch das große, dunkle Haus ich mit einem Herzklopfen verfolgt hätte. Dadurch ging leider sehr viel Spannung verloren. Dabei hätte die alte Villa der Oleander-Familie mit ihren geheimen, engen Gängen, den verborgenen Türen und Kammern, den wenig genutzten Zimmern und den vielen vielen Büchern eine ganz wunderbare Atmosphäre zur Handlung beitragen können. Oft zogen die Familienmitglieder jedoch in kleinen Gruppen durchs Haus, wodurch ebenfalls viel Spannung auf der Strecke blieb. :-|
Weder konnten mich die Charaktere emotional berühren, noch war ihre Interaktion untereinander von allzu großen Emotionen geprägt. Da finden die Oleanders ein Mitglied der Familie erhängt in einem Bücherzimmer und schließen auch Mord nicht aus. Jedoch wird kein großes Brimborium daraus gemacht (warum auch?). Ab mit der Leiche in den kühlen Keller und dann erst mal beim Butler einen Kaffee und ein Frühstück bestellt, als wäre das alles nicht so wild. Ok, so wie im Buch die Morde der Oleanders an weniger intellektuellen Zeitgenossen beschrieben wird, kann man den Familienmitgliedern schon einen gewissen Grad an emotionaler Armut zugestehen. Wenn es jedoch um nahe Verwandte geht, kann ich dies nicht so recht glauben. Sie wissen, dass vermutlich ein Mörder sein Unwesen treibt, aber es besteht wenig Interesse daran ihn (oder sie) zu finden.
Was die Morde im Haus betrifft fehlte mir auch so ein bisschen die Originalität bzw. Kreativität des Mörders, wenn es darum geht die Oleanders einen nach dem anderen um die Ecke zu bringen. Das hätte der Handlung nochmal einen Kick geben können. Vor allem weil sich die Oleanders selbst als intellektuell Privilegierte sehen, die dem gemeinen Volk einiges voraus haben, wäre ein ihnen überlegener Gegner ein interessanter Kontrast gewesen, den man emotional wunderbar hätte  ausschlachten können. Arroganz und Selbstverliebtheit trifft auf Mordlust und überlegenes Kalkül, was für eine Mischung. :)
Der Schluss war nachvollziehbar und ließ bei mir auch kaum Fragen offen, allerdings habe ich auch hier einen richtigen Showdown vermisst. Man hätte mehr daraus machen können

3 von 5 Sternen „Blieb leider hinter meinen Erwartungen zurück.“

3 von 5 Sternen
„Blieb leider hinter meinen Erwartungen zurück.“

Mein Fazit

Für mich ist Oleander ein Buch mit grundsätzlich sehr guten Ideen, jedoch mit vielen Baustellen, die der Handlung ein gehöriges Maß an Spannung entziehen. Das Hauptproblem war für mich definitiv die etwas farblosen Charaktere, zu denen ich kaum einen Bezug herstellen konnte. Außerdem fehlte mir bei Oleander insgesamt ein wenig die Genialität der Antagonisten, was der Handlung einiges an Abwechslung hätte bringen können. Leider wurde hier sehr viel Potential verschenkt, sodass meine Bewertung in diesem Fall nur durchschnittlich ausfällt.

Jay

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