James Corey: Leviathan erwacht (Leviathan Wakes)

James Corey: Leviathan erwacht
Dt. Taschenbuchausgabe
Heyne Verlag, 2012

Inhalt

Die Übervölkerung der Erde mit über 30 Milliarden Bewohnern hat es notwendig gemacht, dass die Menschheit mit Hilfe der Raumfahrt weitere Teile des Sonnensystems besiedelt und für sich gewinnt. Auf dem Mond und dem Mars sind Kolonien entstanden. Raumflotten schützen den neuen Machtbereich sowie die Erz- und Gasvorkommen und im Asteroidengürtel bauen die Nachfahren der ersten Siedler wichtige Rohstoffe für die Planeten ab. Doch zwischen den Kolonien gibt es politische Spannungen und Misstrauen bestimmt das Zusammenleben.
Auf dem Zwergplaneten Ceres im Asteroidengürtel kämpft Detective Miller als Polizist tagtäglich für die Sicherheit der Station. Als er jedoch die verschwundene Tochter einer Industriellenfamilie finden und zurück nach Hause bringen soll, gerät er auf seiner Suche in einen Strudel bedrohlicher Ereignisse, die ihn kreuz und quer durch das Sonnensystem schicken und sein Leben für immer verändern sollen.
Als James Holden, erster Offizier eines Eistransporters, einem havarierten Schiff zu Hilfe eilt, ahnt er noch nicht, dass die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel steht. Denn das Schiff in Not birgt ein Geheimnis, welches die menschliche Zivilisation für immer verändern könnte.

Über das Buch und die Autoren

Hinter dem Autorennamen James S. A. Corey verbirgt sich das Autorenduo Daniel James Abraham und Tyler Corey Franck. Das Pseudonym setzt sich aus den Mittelnamen der beiden Autoren zusammen. Die Buchstaben S. A. stehen zudem für Scarlet Abraham, Daniel Abrahams Tochter.
Daniel Abraham (*14. November 1969) hat bereits mehrere Science Fiction und Fantasyromane geschrieben. Er lebt heute in Albuquerque, Neu Mexiko, mit seiner Frau Katherine Abraham und ihrer gemeinsamen Tochter Scarlet.
Tyler Franck wurde in Portland (Oregon, USA) geboren und lebt derzeit in Neu Mexiko, wo er als Assistent von George R. R. Martin arbeitet. Die Rahmenhandlung der Bücher hatte Franck ursprünglich als Grundlage für ein Rollenspielsystem geplant. Er entwickelt auch die Handlung der Reihe weiter.

Jahr 2011 erschien der erste von neun geplanten Bänden der SF-Buchreihe The Expanse unter dem Titel Leviathan Wakes. Das Buch wurde unter anderem 2012 für einen HUGO Award (Best Novel) nominiert. Im April 2012 kam dann die deutsche Übersetzung Leviathan erwacht mit 670 Seiten in die Regale. Die Handlung ist in 55 Kapitel unterteilt, wobei die Sicht immer zwischen Detective Miller und James Holden wechselt. Zudem gibt es einen Prolog und einen Epilog. Die Fortsetzung erschien unter dem Titel Calibans Krieg ebenfalls bei Heyne. Jährlich folgte seit 2011 ein weiterer Band.

Meine Meinung

Eigentlich bin ich ein sehr großer Fan von Science Fiction Romanen. Ich habe in meiner Jugend exzessiv Perry Rhodan gelesen, die bekannten Silberbände, und konnte selten davon lassen. Neben der Fantasy ist Science Fiction definitiv mein bevorzugtes Genre, weshalb ich gerne auch neue Autoren entdecke und mich überraschen lasse. Wie genau ich zu den Büchern von James Corey kam, kann ich jetzt nicht mehr sagen. Irgendwann kreuzten sie meinen Weg und ich habe sie auf meinen SuB gelegt.
Leviathan erwacht hat mir insgesamt recht gut gefallen. Die Handlung ist spannend und die Ideen haben Potential. Leider waren manche Dinge sie in meinen Augen nicht immer ganz schlüssig. Zwar hat es mich nicht gestört, aber ich hatte als Leser immer den Eindruck, dass man es ein Stück besser hätte schreiben können. Dieses Gefühl der Oberflächlichkeit in der Handlung trat immer wieder bei mir auf, was mich beim Lesen etwas irritiert hat. Die Handlungsweisen mancher Pro- und Antagonisten waren für mich auch nicht immer ganz nachvollziehbar. Gut, dass man selbst vielleicht anders handeln würde, liegt an der Position des Lesers, der oft mehr weiß, als die Charaktere. Hin und wieder musste ich jedoch einfach nur den Kopf schütteln, denn es fehlten den Autoren offenbar zur passenden Zeit die richtigen, etwas glaubwürdigeren Ideen für die Feinheiten der Handlung. Insgesamt lieferten Daniel Abraham und Tyler Franck jedoch ein schlüssiges Konzept ab, was nicht unerheblich zur Spannung beitrug. Die Welt und das politische System sind gut ausgearbeitet, ebenso wie das soziale Gefüge und die Spannungen zwischen den Bewohnern der einzelnen Kolonien. Die Raumfahrttechnik scheint auf einem niedrigeren Niveau stehen geblieben zu sein, ohne sich weiter zu entwickeln, was natürlich immer wieder zu Problemen führt. Wer also Kämpfe mit Laserwaffen und gigantische Raumschlachten à la Star Wars erwartet, wird etwas enttäuscht sein. Alles läuft viel langsamer ab, hat jedoch trotzdem seinen eigenen Charme und genug Dramatik für ein spannendes Lesevergnügen. Ich habe das Buch zügig gelesen. Längen konnte ich nur selten finden, denn durch den ständigen Perspektivenwechsel zwischen den beiden Hauptcharakteren Miller und Holden, hatte man verschiedene Blickwinkel auf die Ereignisse und vor allem auch in die jeweiligen Gedankengänge er Charaktere. Dadurch fiel es mir leicht mich in sie hinein zu versetzen und vor allem auch ihre Handlungen zu verstehen, die oft auch durch ihre Lebensgeschichte beeinflusst wurden.

Ein schön gestaltetes Cover der englischen Ausgabe.

Einer der Hauptcharaktere ist Detective Miller, ein Polizist auf dem Asteroiden Ceres im Asteroidengürtel. Er ist ein Cop, wie man ihn schon aus anderen Büchern und Serien kennt, denn das Leben hat ihm hart mitgespielt, er trinkt gerne einmal einen über den Durst, hat nur wenige Freunde und hat sich auch sonst mit seiner Lebenssituation und der Arbeit auf einem Steinbrocken ohne Himmel und Sonnenlicht abgefunden. Doch im Buch bleibt nichts so, wie es immer war.
James Holden, der Raumfahrer wird, ebenso wie Miller, ungewollt in Ereignisse hineingezogen, die er nur schwer kontrollieren kann. Er ist ein liebenswerter, guter Mensch, manchmal schon wieder so gut und gerecht, dass er sich und andere damit in Gefahr bringt. Holden ist ein interessanter Charakter, von dem ich hoffentlich in den kommenden Bänden noch mehr lesen werde. Über die anderen Charaktere, zum Beispiel in Holdens Schiffsmannschaft, will ich hier keine Worte verlieren. Sie passen gut in die Handlung, soviel sei verraten, wenn ich mir auch etwas mehr Vorgeschichte zu ihnen gewünscht hätte, aber das kommt vielleicht noch nach.
Das Ende war für mich überraschend, weil ich es so nicht erwartet hätte, und es schürt auch die Erwartungen der Leser nach einer Fortsetzung. Das Potential ist zumindest vorhanden. Inwieweit die Handlung in Calibans Krieg wieder aufgenommen wird, muss ich sehen. Ich freue mich jedoch schon auf die Fortsetzung.

4 von 5 Sternen
„Ein gut gelungener Einstieg in die Reihe.“

Mein Fazit

Ein gut gelungener Auftakt zum geplanten neunbändigen Weltraumepos. Leviathan erwacht ist schön zu lesen, spannend und abwechslungsreich, und wartet auch mit guten, nicht allzu flachen Charakteren auf. Freunde von Science Fiction Romanen kommen auf ihre Kosten, auch wenn die Charaktere manchmal etwas wenig nachgedacht haben, was an der Glaubwürdigkeit kratzt. Wer möchte kann das Buch natürlich auch auf Englisch lesen. Ich hatte die deutsche Ausgabe auf meinem E-Book-Reader.

Jay

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