Helsinki – Markt- und Inselerkundung (08. August 2017)

Blick aus dem Hotelfenster im 9. Stock (Töölö Towers).

Heute war mein erster ganzer Tag in Finnland und es war ein guter Tag. Ich bin um 9.00 Uhr aufgestanden und zum Frühstücksraum gegangen. Das Frühstück war reichhaltig (Rührei, frisches Brot und Brötchen, Käse, Truthahn, Schinken, gesalzene Butter und jede Menge O-Saft), denn wenn ich schon dafür bezahle, dann nehme ich auch mit, was geht. Morgen natürlich wieder.

Ich ließ es ruhig angehen. Nachdem Finnair meinen Koffer geschrottet hat, bin ich mit meinem Schreiben der Fluggesellschaft und dem defekten Koffer in einen Kofferladen in einem der zahlreichen Einkaufszentren in Helsinki gefahren. Mir war eigentlich schon von Beginn an klar, dass man den Schaden nicht reparieren kann, also musste ein neuer her. Finnair war so nett, mein 40,00 € Billigteil vom Tedi (kauft dort bloß keine billigen Koffer) auf 70,00 € zu schätzen. Der Ersatzkoffer, den ich schließlich aus dem Laden trug, war von 140,00 € auf 75,00 € runter gesetzt und somit ein echtes Schnäppchen. Ich würde mal sagen, die Aktion hat sich gelohnt und mein Ärger sich gelegt. :)

Kauppatori: Der Marktplatz am Südhafen, direkt an den Landungsdocks.

Petrus hat den Finnen heute einen wolkenlosen Himmel beschert, weshalb ich eigentlich einen Spaziergang die Küste entlang unternehmen wollte. Vorher wollte ich aber noch ein Buch besorgen, da morgen ja der Worldcon im Conference Center (Messukeskus) in Helsinki beginnt. Finnlands größter und am besten sortierter Buchladen befindet sich jedoch am anderen Ende der Stadt in der Nähe des Südhafens. Es ist der „Akateeminen Kirjakauppa“ in der Pohjoisesplanadi 39 (lustige Sprache, oder?). Also machte ich mich eifrig auf den Weg dorthin. Praktischerweise hält die Tram zum Südhafen direkt vor meinem Hotel. Kleiner Tipp für Helsinki-Touristen: Die Wochenkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel kostet nur 36,00 € (2017) und man kann rund um die Uhr mit allen Bussen und Trams im Stadtgebiet fahren.
Als ich jedoch am Südhafen ankam, musste ich sogleich meinen ursprünglichen Plan ändern und durch den Markt „Kauppatori“ schlendern, wo Handwerker und Künstler ihre handgefertigten Waren den Touristen zum Kauf anbieten. Natürlich ist da auch der eine oder andere Souvenierstand mit chinesischer Massenware (Kühlschrankmagnete, Schlüsselanhänger, Plüschelche und anderer Plunder) mit dabei, jedoch kann man an vielen Ständen dort wirkliche tolle Handarbeiten kaufen, von extrem scharfen Finnenmessern (für Pfadfinder) über geschnitzten Holztassen (Kuksas) und Silberschmuck, bis hin zu Rentierfellen und Pelzmützen ist alles dabei. Natürlich zu höheren Preisen, aber von recht guter Qualität, wie ich mich selbst versichern konnte. Ich glaube, ich muss da demnächst nochmal her. Kuksas und Messer kann man schließlich immer gebrauchen. :)

Orthodoxe Kirche (Uspenskin katedraali) in Helsinki, Nähe Südhafen.

Wie dem auch sei, ich bin gleich mal am Südhafen hängen geblieben. Von dort kann man auch so einige wichtige Sehenswürdigkeiten entdecken. Ein großes Gebäude aus roten Ziegeln und 13 glänzend goldenen Kuppeln auf einer Anhöhe hat schon bei meiner Ankunft meine Aufmerksamkeit erregt. Nach näherer Erkundung stellt sie sich als orthodoxe Kirche (Uspenskin katedraali) heraus, die 1868 von Alexej Gornostajew im altrussisch-byzantinischen Stil errichtet wurde. Man kann sie kostenlos besichtigen und sie ist wahrlich einen Besuch wert. Auch von innen ist sie sehr eindrucksvoll und mit einer Vielzahl von Ikonen ausgestattet. Schon beim Betreten fängt den Besucher die feierliche Stimmung des Gebäudes ein. Die orthodoxe Kirche ist übrigens, nach der evangelisch-lutherischen Kirche, die zweitgrößte Kirche in Finnland.

Die orthodoxe Kirche von innen.

Natürlich will ich euch auch noch ein Bild der Kirche von innen zeigen, damit ihr einen Eindruck vom Prunk bekommt, der sich hier bestaunen lässt. Die „Kathedrale der Himmelfahrt Marias“, wie sie auch genannt wird, gilt als das größte orthodoxe Gotteshaus außerhalb Russlands, wie mir mein Reiseführer erzählt. Vom der Anhöhe des Kirche aus hat man zudem einen wunderbaren Blick auf den Südhafen und den Markt. Von dort geht es dann auch weiter.

Da ich nicht einschätzen konnte, wie das Wetter in der kommenden Woche, nach dem Worldcon, sein wird, habe ich mir vorgenommen den schönen Tag zu nutzen und gleich noch mit einer Fähre auf eine der geschichtsträchtigen vorgelagerten Inseln Helsinkis überzusetzen. Die Insel Vallisaari liegt mit der Fähre nur knapp 20 Minuten vom Südhafen entfernt und bietet gerade für Fotografen eine Vielzahl von tollen Motiven. Früher war Vallisaari ein Militärstützpunkt. Vor allem die Russen haben im 19. Jahrhundert die Insel stark befestigt.

Alexander Battery auf der Insel Vallisaari vor Helsinki

Die Festungsanlagen kann man heute noch besuchen, wenngleich sie schon ziemlich heruntergekommen sind. Bis vor einigen Jahren war die Insel zudem ein Stützpunkt der finnischen Armee gewesen. Erst 1996 verließen die letzten Familien die Insel. Seit 2016 ist der nördliche Teil Vallisaaris der Öffentlichkeit zugänglich, der Südteil ist weiterhin aus Sicherheitsgründen Sperrgebiet. Für 8,00 € (hin- und zurück) bin ich übergesetzt und habe mir die alten Bauten angesehen. In zwei Stunden kann man, den Rundweg gut bewältigen und dabei noch an so manchen Blumen riechen bzw. einige Bilder schießen. Die Insel bietet auch wunderbare Aussichtspunkte auf die Festungsinsel Suomenlinna, die ich nächste Woche unbedingt noch besuchen möchte. Vallisaari selbst ist sehr stark bewaldet und man tut alles, damit sie als Naturschutzgebiet erhalten bleibt.

Blick von der Insel Vallisaari auf die Festungsinsel Suomenlinna

Viele seltene Pflanzen und auch Schmetterlinge haben sich dort angesiedelt, auch wenn ich kaum einen zu Gesicht bekam, was wohl am starken Wind lag. Überhaupt ist das Klima hier sehr angenehm. Selbst an einem sonnigen, wolkenlosen Tag kommt man in Helsinki kaum ins Schwitzen, da ständig eine leichte Brise für Abkühlung sorgt. Das macht die Sommertage sehr erträglich.
Nach etwa zwei Stunden nahm ich die Fähre zurück nach Helsinki. Eigentlich wollte ich am Kauppatori eine Fischplatte zum Abendessen einnehmen, da es jedoch schon fest 18.00 Uhr war und die meisten Stände bereits zusammenpackten, habe ich es gelassen. Stattdessen habe ich mich auf die Suche nach dem Buchladen gemacht, den ich ja ursprünglich hier am Südhafen aufsuchen wollte. Meine Abstecher haben sich jedoch gelohnt. Nach einigem hin und her fand ich schließlich auch, was ich suchte.

Akateeminen Kirjakauppa – Finnlands größte Buchhandlung in Helsinki

Der Akateeminen Kirjakauppa ist tatsächlich ein großer Buchladen, etwa vergleichbar mit einem größeren Hugendubel bei und in Deutschland. Obgleich es dort natürlich viele finnische Bücher gibt, konnte ich leider nicht das finden, was ich eigentlich wollte, nämlich eine finnische Ausgabe von Joe Abercrombies Half a King als Hardcover. Schade, denn die anderen beiden Teile der Reihe waren erhältlich. Ganz umsonst war der Aufwand jedoch auch nicht, denn ich konnte eine Erstausgabe von Robin Hobbs neuem Buch Assassin’s Fate mitnehmen, die mir noch in meiner Sammlung fehlt. Robin Hobb ist ja auch als Gast am Worldcon zugegen… :)
Zum Abschluss des Tages noch ein Blick in den Buchladen. Ich denke, ich werde demnächst dort nochmal reinschauen. Für heute reicht es mir. Morgen gibt es dann die ersten Bilder vom SF-Worldcon hier in Helsinki und auch von so manchen bekannten Autoren. Bis dann also.

Jay

 

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