Helsinki – Die Freizeitinsel Seurasaari in Helsinki (15. August 2017)

Der größte Strand von Halsinki im Stadtteil Töölö gelegen.

Helsinki ist Finnlands Hauptstadt. Zwar wurde die Stadt bereits 1550 gegründet, als Finnland noch zum Königreich Schweden gehörte, zur Hauptstadt wurde sie jedoch erst 1812, als das damalige, neugegründete Großfürstentum Finnland zum russischen Reich gehörte. Und obwohl die Stadt mit Abstand die größte in ganz Finnland ist, hat sie „nur“ um die 630.000 Einwohner, was im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten eher klein und überschaubar ist. Finnland ist ein junges Land, dass dieses Jahr (2017) gerade mal ihr 100-jähriges Bestehen feiert, und auch Helsinki ist vom Ambiente her eine eher modern ausgelegte Stadt, in der sich viele namhafte Architekten der Neuzeit hatten austoben können. Burgen und Schlösser findet man hier vergebens, dafür viele architektonisch interessante Bauten des 19. und 20. Jahrhunderts. Wenn man, so wie ich, eine Unterkunft im südlichen Teil Helsinkis hat, dann kann man vor dort aus recht einfach die ganze Stadt zu Fuß erkunden und ist kaum auf Busse oder Straßenbahn angewiesen. Mein Apartmenthotel, die Töölö Towers, befinden sich, wie der Name schon sagt, im Stadtteil Töölö im Westen von Helsinki und nicht weit vom Meer entfernt. Naja, recht weit vom Meer ist man hier wohl an  keiner Stelle und gerade das macht den Charme von Helsinki als Küstenstadt aus. Die vielen kleinen Buchten und stadtnahen Strände bieten eine attraktive Mischung aus Großstadtleben und Küstenflair. Die Innenstadt ist von meinem Hotel nur etwa 20 Minuten zu Fuß entfernt, Helsinkis größter Sandstrand hingegen nur 10 Minuten.

Die Felsenküste bietet viele Möglichkeiten für Pausen mit Blick auf das Wasser.

Vorgestern machte ich mich bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 20°C auf und folgte dem Küstenweg von meinem Hotel zur Freizeitinsel Seurasaari. Vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts war sie ein beliebtes Ausflugsziel der Einwohner von Helsinki, die auf den Pfaden der Insel, weit genug entfernt von der doch recht nahe gelegenen Stadt, die Natur genießen konnten und wollten. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlor sie an Bedeutung, ist jedoch heute ein beliebtes Ausflugsziel von Touristen. Unter anderem befindet sich dort ein Freilichtmuseum mit Holzbauten aus vergangenen Jahrhunderten, die besichtigt werden können.
Auf dem Weg nach Seurasaari folgte ich dem Küstenverlauf, vorbei an tollen Granitformationen, die zum Verweilen mit einem Blick auf das Meer einluden. Überhaupt ist ganz Helsinki auf Granit gebaut und das beständige Gestein findet sich sehr oft in den Bauwerken wieder oder einfach nur als Pflastersteine der kleinen Nebenstraßen. Zwei wichtige staatliche Gebäude passiert man unweigerlich entlang des Weges. Zum einen den „Sommerstrand“ (fin.: Kesäranta) mit der eindrucksvollen Holzvilla, die dem Ministerpräsidenten als Amtssitz dient und 1873 erbaut wurde. Zum anderen überquert man die Halbinsel Mäntyniemi mit dem Amtssitz des finnischen Staatspräsidenten. Beide Gebäude sind von hohen Zäunen umgeben, aber von der Ferne kann man mit einem Fernglas die Dächer der Gebäude sehen, die zwischen den hohen Bäumen der gepflegten Gärten hervorragen. Beide Grundstücke liegen direkt am Wasser und ich kann mir vorstellen, dass man von dort einen ganz wunderbaren Blick über die Bucht von Seurasaari hat. Blaues Wasser, Granitfelsen und jede Menge Grün, so wie man es von einer typischen finnischen Landschaft erwartet.

Die weiße Holzbrücke von Seurasaari verbindet des Festland mit der Ausflugsinsel.

Nach etwa einer Stunde Fußmarsch, mit vielen Pausen erreichte ich die 200 Meter lange weiße Holzbrücke, die das Festland mit der Insel Seurasaari verbindet. Sie wurde 1891/92 erbaut, damit die Einheimischen trockenen Fußes die Vergnügungseinrichtungen der Insel erreichen konnten. Es gab Cafés, Restaurants und Tanzpavillons. Man konnte sogar in den künstlich angelegten Teichen der Insel baden. 1909 wurde schließlich das Freilichtmuseum gegründet. Außerdem gibt es bis heute eine öffentliche Badeanstalt, in der traditionell noch nackt im Meer gebadet wird, natürlich nach Männern und Frauen getrennt.
Zwei Tage vor meinem Ausflug zur Insel zog ein heftiger Sturm über Helsinki hinweg, der recht großen Schaden an den Bäumen anrichtete. Auch Seurasaari blieb nicht verschont.
Wer sich Zeit nimmt und mit der Kamera geduldig wartet, hat viele Gelegenheiten die vielfältige Tierwelt der Insel zu beobachten. Die Eichhörnchen sind dort so zutraulich, dass sie einem regelrecht aus der Hand fressen. Leider hatte ich nicht an Nüsse gedacht. Dennoch ist es mir gelungen einige tolle Fotos zu machen.

Zutrauliche Eichhörnchen.

Wegen des schönen Wetters hatte ich geplant die Badeanstalt auf Seurasaari zu besuchen, doch die war geschlossen, vermutlich wegen der Sturmschäden. Da ich meine Handtücher jedoch nicht umsonst mitgeschleppt haben wollte, legte ich mich an den schmalen Sandstrand, der nur wenige hundert Meter entfernt war und auch von Einheimischen genutzt wurde. Wenn ich nun schon mal in Finnland an einem Sandstrand liege, dann will ich auch baden. Das Wasser war zwar anfangs nicht das wärmste (bei 60° nördlicher Breite!), aber wenn man sich einmal überwunden hatte, war es ganz erfrischend. Noch ein bisschen die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und die kühle Meeresluft genießen, so muss ein Urlaub sein. Die Frage, ob ich den Bus zurück in die Stadt nehme oder lieber laufen wollte, stellte ich mir gar nicht erst. Zu Fuß war ich nach gut 45 Minuten wieder zurück in Töölö – gleichzeitig mit dem Bus, auf den ich erst ewig hätte warten müssen.

Jay

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