Gibt es Antagonisten, die ihr mehr mögt als Protagonisten bestimmter Bücher/Reihen und falls ja, was ist der Grund dafür?

Der Antagonist (griech. ανταγωνιστής – „Gegenspieler“) in Drama und Prosa ist der hauptsächliche Gegner des Protagonisten und diejenige Kraft der Erzählung, die sein Handeln behindert. Die Rolle des Antagonisten besteht ganz allgemein darin, dem Protagonisten Schaden zuzufügen und seine Handlungsabsichten zu durchkreuzen. (Wikipedia.de)

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Ich denke, man sollte sich von der weit verbreiteten Vorstellung verabschieden, dass Antagonisten per se immer schlecht beziehungsweise böse sein müssen, nur weil sie als Gegenspieler der Protagonisten definiert sind. Oder andersherum: Wer sagt denn, dass Protagonisten immer zu den „Guten“ gehören? Sie können ebenso gut „Antihelden“ sein, also Hauptcharaktere mit gravierenden Schwächen. Es sind nicht immer die strahlenden Ritter, die die Herzen der Leser und Filmegucker erobern, sondern oft auch Protagonisten mit Ecken und Kanten. Das beste Beispiel an dieser Stelle: Tyrion Lannister aus George R. R. Martins Das Lied von Eis und Feuer (Serienfans besser bekannt als Game of Thrones). Tyrion entwickelt sich von einem vermuteten Antagonisten zum Protagonisten, trotz seiner Schwächen, und gehört neben Jon Snow zu den beliebtesten Charakteren der Reihe. Die Bezeichnungen Antagonist und Protagonist sollte man daher nicht zwingend an den Adjektiven gut oder böse festmachen, sondern eher als Spieler und Gegenspieler sehen. Jetzt zur Frage, ob ich Antagonisten manchmal mehr mag, als die Protagonisten, ja klar! Ich mag die Charaktere am liebsten, die mich am ehesten überzeugen können, die Stärken und Schwächen haben und nicht makellos und aalglatt sind. Ihnen sollte neben genügend Charaktertiefe auch eine gewisse Genialität anhaften, die mich für die Person einnimmt. Ob sie nun gut oder böse ist, ist dabei egal. Als gutes Beispiel fällt mir an dieser Stelle gerade nur ein Film ein: „Der Schakal“ in der Verfilmung mit Bruce Willis aus dem Jahr 1997. Ist der Profikiller nun ein Protagonist oder ein Antagonist? Der Schakal ist nicht böse, er führt nur einen Auftrag aus, aber er ist ein Gegenspieler der Polizeibehörden. Nach Definition mehr ein Antagonist will es scheinen… Schade, dass sein Anschlag auf den US-Präsidenten schiefgeht und er zum Schluss ums Leben kommt. Ich mochte ihn und er hätte es verdient als Sieger aus dem Katz-und-Maus-Spiel hervorzugehen, weil er genial ist. Er ist der Polizei fast immer einen Schritt voraus. Er ist genial und skrupellos. Er ist ein würdiger Gegner. Die Polizei, im Beispiel allen voran Richard Gere, wirkt im Vergleich hilflos und blass, geradezu langweilig. In den Büchern sehe ich das ähnlich. Nur wer überzeugt, kann meine Gunst als Leser bekommen, und wenn der Protagonist (oder die Protagonistin) eben geistig unbewaffnet daherkommen, farblos sind und mich durch ihr Tun nicht überzeugen können, dann hinweg mit ihnen und möge der Antagonist am Schluss in den Sonnenuntergang reiten. Ich gönne es ihm beziehungsweise ihr.

Jay

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