Gavin Extence: Das unerhörte Leben des Alex Woods oder Warum das Universum keinen Plan hat

Gavin Extence: Das unerhörte Leben des Alex Woods Dt. Hardcover (2014)

Gavin Extence:
Das unerhörte Leben des Alex Woods
Dt. Hardcover (2014)

Inhalt

Wenn dich das Schicksal trifft wie ein Schlag
Alex Woods ist zehn Jahre alt, und er weiß, dass er nicht den konventionellsten Start ins Leben hatte. Er weiß auch, dass man sich mit einer hellseherisch begabten Mutter bei den Mitschülern nicht beliebt macht. Und Alex weiß, dass die unwahrscheinlichsten Ereignisse eintreten können – er trägt Narben, die das beweisen. Was Alex noch nicht weiß, ist, dass er in dem übellaunigen und zurückgezogen lebenden Mr. Peterson einen ungleichen Freund finden wird. Einen Freund, der ihm sagt, dass man nur ein einziges Leben hat und dass man immer die bestmöglichen Entscheidungen treffen sollte. Darum ist Alex, als er sieben Jahre später mit 113 Gramm Marihuana und einer Urne voller Asche an der Grenze in Dover gestoppt wird, einigermaßen sicher, dass er das Richtige getan hat … (Klappentext)

Alex Woods weiß er ist etwas Besonderes, denn schließlich wird nicht jeder 10-jährige im eigenen Badezimmer von einem über 2 kg schweren Eisen-Nickel-Meteoriten bewusstlos geschlagen. Was zurückbleibt ist eine lange kahle Narbe am Kopf und häufige Epileptische Anfälle, was bei seinen Mitschülern nicht sonderlich gut ankommt – ebenso wenig, wie sein Interesse an Büchern oder seine etwas seltsam anmutende Mutter. Die angespannte Beziehung zu einigen seiner Klassenkameraden und eine wilde Verfolgungsjagd ist es auch, die ihn eines Tages im Gartenhaus von Mr. Isaac Peterson Zuflucht suchen lässt. Der alte Mann lebt seit Jahren alleine und ist eigentlich ganz froh, als er den unerwünschten Besuch bald wieder los ist. Doch auf Drängen der Mutter steht Alex wenige Tage später wieder vor seiner Tür, um sich für Unannehmlichkeiten zu entschuldigen und „Buße“ zu tun. Aus den wöchentlichen Besuchen entwickelt sich mit der Zeit eine tiefgründige Freundschaft, die nicht nur das Leben der beiden ungleichen Freunde wesentlich beeinflussen, sondern ihnen auch einiges abverlangen wird…

Zum Buch und zum Autor

Das Buch ist 2013 in England unter dem Titel The Universe Versus Alex Woods erschienen. Es ist der Debütroman des jungen Autors Gavin Extence (*1982), dessen Roman in Großbritannien bereits große Erfolge feiern konnte. Das Buch wurde von Alexandra Ernst ins Deutsche übersetzt und ist im März 2014 beim Limes Verlag erschienen. Die Geschichte selbst hat 472 Seiten und ist in 23 Kapitel unterteilt.
Sehr ansprechend finde ich die farbliche Gestaltung. Der Hardcover ist in kräftigem Gelb gehalten, ebenso wie das Lesebändchen. Der Schutzumschlag besticht durch dunkles Türkis mit weißer Schrift.
Die Verarbeitung ist von sehr guter Qualität.

Meine Meinung

Gavin Extence: The Universe Versus Alex Woods UK-Hardcover

Gavin Extence:
The Universe Versus Alex Woods
UK-Hardcover

Was wie ein Roman über die Kindheit des jungen Alex Woods beginnt entwickelt sich mit fortschreitender Seitenzahl immer mehr zu einer sehr tiefgängigen Betrachtung der Lebensabschnitte zweier, zunächst scheinbar ziemlich ungleicher, Menschen. Alex, der schon mit 10 Jahren zu einer Medienberühmtheit wurde (Menschen werden schließlich nicht täglich von Meteoriten getroffen) und der zurückgezogen lebende Isaac Peterson, der so manchen Rückschlag im Leben einstecken musste. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr greift der Roman auch ernstere Themen, wie Verlust Liebe, Freundschaft und Tod auf. Trotz dieser mitschwingenden Ernsthaftigkeit und einigen recht philosophischen Ansätzen erzählt Gavin Extence die Geschichte mit viel Humor und auch Gefühl. Insbesondere Alex’s Gedankengänge liesen mich als Leser immer wieder innerlich lächeln:

 

„Nein, Junge. Keine Polizeisirenen. Sirenen wie bei Homer.“
„Simpson?“, fragte ich verwirrt.
„Die Odyssee!“
Ich schaute ihn verständnislos an. Irgendwann, vor etwa einer halben Minute, hatten wir aufgehört, dieselbe Sprache zu sprechen.

Ja, die Geschichte ist immer wieder amüsant. Alex ist für sein Alter sehr reif und dennoch vermittelt er immer wieder den Eindruck eines arglosen kleinen Jungen, der die Welt erst entdeckt. Gerade aus diesem Gegensatz entwickelt der Autor seinen Humor. Wie sonst wohl könnte man den berühmten Schriftsteller Oskar Wilde mit flammenden Fürzen in Verbindung bringen:

„Woods, warum magst du uns denn nicht? Warum willst du nicht unser Freund sein?“
Ich muss Ihnen wohl nicht sagen, dass dies reiner Sarkasmus war, von dem Oskar Wilde behauptete, er sei die niedrigste Form des Humors. Aber Oskar Wilde hatte bestimmt nicht seine eigenen Fürze in Flammen gesetzt, was an meiner Schule zu den populären Formen des Humors zählte. (Seite 117/118)

Für Alex wird Mr. Peterson, der selbst keine Kinder hat, so etwas wie eine Vaterfigur. Seinen leiblichen Vater kennt er nicht, doch Isaac Peterson scheint diese Lücke immer mehr zu füllen. Alex‘ Freunde, sein behandelnder Neurologe Dr. Enderby und die Astrophysikerin Dr. Weir, sind für ihn gute Freunde, die ebenfalls ihren Teil zu seiner charakterlichen Entwicklung beitragen und ihm Ratschläge geben. im letzten Viertel des Buches zeigt sich dann auf beeindruckende Weise, wie fest die Freundschaft zwischen Alex und Isaac tatsächlich ist.

Es war mein Job, Mr. Peterson in die Schweiz zu bringen. Das war die Aufgabe, zu der ich bestimmt worden war. (…) Wenn ich die tausendzweihundert Kilometer bis nach Zürich fahren musste, ohen zu schlafen, dann würde ich das tun. Wenn ich nach China oder Neuseeland oder auf die andere Seite des Mondes hätte fahren müssen, hätte ich auch das getan. Wir hatten ein Ziel, und ich würde uns dort hinbringen. So einfach war das.
(S. 407)

Somit ist Das unerhörte Leben des Alex Woods nicht nur eine Geschichte über das Heranreifen eines Jungen, sondern insbesondere eine Geschichte über eine tiefgründige Freundschaft, bedingunsglosen Beistand und Vertrauen. Sie ist kurzweilig, hat liebenswerte Charaktere, ist humorvoll und im weitesten Sinn auch philosophisch. Gavin Extence verknüpft darin erfolgreich die Thematik des Coming-of-Age mit der Vergänglichkeit des Lebens. Ein wirklich großartiger Roman. :thumbup:

4,5 von 5 Sternen "Humorvoll und tiefgründig. Ein tolles Buch."

4,5 von 5 Sternen
„Humorvoll und tiefgründig. Ein tolles Buch.“

Fazit

Das Buch hat mir insgesamt sehr gut gefallen und es war von der ersten bis zur letzten Seite wirklich interessant zu lesen, wie sich die Beziehung zwischen Alex und Isaac Peterson entwickelt. Es gibt viele recht witzige Stellen in Alex‘ Gedankengängen, die mich immer wieder zum Lachen brachten. Das Buch und die darin enthaltenen Gedanken sind nicht oberflächlich, wodurch es sich für mich deutlich von manch anderer „Lebensgeschichte“ bzw. Coming-of-Age-Story abhebt.

 Buchtrailer

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