Erika Johansen: Die Königin der Schatten (The Queen of the Tearling)

Der Thron wartet auf seine Königin. Falls sie lange genug lebt, um ihn zu besteigen.
(Erika Johansen: Die Königin der Schatten)

Erika Johansen: Die Königin der Schatten Dt. broschierte Ausgabe Heyne Verlag (2015)

Erika Johansen: Die Königin der Schatten
Dt. broschierte Ausgabe
Heyne Verlag (2015)

Inhalt

Das Königreich Tearling ist ein armes Land – zerrüttet von Machtgier, Korruption und Intrigen. Um der Invasion durch seinen mächtigen Nachbarn Mortmesne zu entgehen, schloss Tearling einst einen so verhängnisvollen wie grausamen Pakt – einen Pakt, den niemand in Frage stellte, bis die junge Prinzessin Kelsea Glynn an die Macht kommt und mit 19 Jahren den Thron besteigt. Sie tritt ein schweres Erbe an, doch sie ist fest entschlossen das Unrecht in ihrem Königreich zu beenden. Sie weiß, dass sie sich keinen Fehler erlauben darf, wenn sie am Hof überleben will, und sie braucht ihren ganzen Mut, ihre Stärke und auch Klugheit, um die wahre Königin von Tearling zu werden – und eine Legende für ihr Volk…
(Klappentext adaptiert)

Über das Buch und die Autorin

Erika Johansen lebt in der San Francisco Bay Area (USA), wo sie auch aufgewachsen ist. Sie besuchte das Swarthmore College und wurde Anwältin. Zusätzlich absolvierte sie den renommierten Iowa Writers‘ Workshop. Eine Rede Barack Obamas über die Freiheit inspirierte sie zu ihrem Debütroman Die Königin der Schatten. Er schien erstmalig am 17. Juli 2015 unter dem Titel The Queen of the Tearling (Book 1) in den Vereinigten Staaten und hatte als Hardcover 448 Seiten. Die Übersetzung ins Deutsche erfolgte durch Kathrin Wolf. Sie erscheint am 15. Juni 2015 bei Heyne und hat 543 Seiten in drei größeren Abschnitten mit insgesamt 14 Kapiteln.

Meine Meinung

Ich hatte von Die Königin der Schatten schon vorher gehört und war ziemlich erfreut, als ich in den vergangenen Tagen ein Päckchen vom Heyne Verlag in der Hand hielt. Ich mag Debütromane sehr, weil ich mich gerne überraschen lasse, was ein junger Autor (oder eine junge Autorin) neues erschaffen hat. Natürlich weiß man vorher nicht, ob es einem gefällt und es gibt oft auch noch kaum weiteren Leserstimmen bzw. Rezensionen dazu. Entsprechend zuversichtlich bin ich an den 540-Seiten-Roman herangegangen und habe mich auch schnell darin vertieft, denn schon von der ersten Seite ab wird es spannend. Man lernt Kelsea kennen, eine junge Frau von gerade 19 Jahren, die seit ihrer frühen Kindheit bei ihren Pflegeeltern und abgeschieden in einer Hütte im Wald aufwächst. Carlin und Barty beschützen Kelsea, erziehen sie und bilden sie aus.

Die Königreiche und die wichtigsten Handlungsorte Karte aus der dt. Ausgabe (c) Heyne Verlag (2015)

Die Königreiche und die wichtigsten Handlungsorte
Karte aus der dt. Ausgabe
(c) Heyne Verlag (2015)

Niemand weiß, dass die Prinzessin dort lebt, denn mit 19 Jahren soll sie den Thron ihrer toten Mutter besteigen und ihr Erbe antreten. Die Geschichte beginnt mit der Ankunft der Königinnengarde, die Kelsea in die Hauptstadt Neu-London zur Krönung bringen kann. Neu-London? Sicher ein ungewöhnlicher Name für die Hauptstadt eines Fantasy-Königreichs, aber es wird sich alles aufklären. :)
Die Geschichte schreitet von Anfang an munter voran und auch die Personen haben mir ganz gut gefallen. Bei manchen Protagonisten hätte ich mir jedoch noch etwas mehr Hintergrundwissen gewünscht. Sie wirkten auf mich etwas flach und farblos. Abwechslung ist jedoch in der Handlung genug geboten und es war spannend zu lesen, wie sich Kelsea in ihrer neuen Rolle als Königin und mit den vielen Problemen ihres Reiches einfindet. Gut war auch, dass die Perspektive immer wieder zu anderen Personen im Roman wechselte und man nicht nur Kelseas Blickwinkel auf die Ereignisse hatte. Dadurch war die ganze Geschichte fülliger und abwechslungsreicher. Gut gemacht von der Autorin. Der Sprachstil war fesselnd und die Seiten flogen nur so dahin.
Leider gibt es von meiner Seite auch ein paar Kritikpunkte. Wenn ich nämlich diese Art Fantasy lese, mit Rittern, Pferden, Burgen und Schwertkämpfen, dann genieße ich besonders die Atmosphäre der mittelalterlichen Welt. Bis zu einem gewissen Grad ist es auch Erika Johansen gelungen diese Stimmung aufzubauen. Leider gab es aber immer wieder Kleinigkeiten, die den Eindruck einer mittelalterlichen Welt ins Wanken brachten und irgendwie so gar nicht dazu passen wollten.
Zunächst basiert die Vorgeschichte der Königreiche auf der unsrigen Welt, die ein paar Jahrhunderte zuvor zu Grunde ging. Das kannte ich schon u. a. von Mark Lawrence und seiner Broken-Empire-Trilogie, fand ich aber ok. Erika Johansen hat nun leider immer wieder versucht mittelalterliches Flair mit Dingen zu kombinieren, die eher in die Neuzeit passen. Das kann funktionieren, wenn man es vorsichtig umsetzt und gut begründet, ist aber hier im Buch nicht immer optimal gelungen.
Auch hat Kelsea hin und wieder eine seltsame Art, wenn man sie so reden hört. Sie wirkte auf mich manchmal wie ein pubertäres Mädchen und auch ihre Sprache war entsprechend harsch. Saloppe Umgangssprache passt aber nicht immer zu jedem Charakter. Im Gegenzug war häufig auch das Verhalten der Mitglieder der Königinnengarde Kelsea gegenüber absolut nicht angemessen. Ernsthaft, seit wann muss eine Königin ihre Entscheidungen mit ihren Wächtern ausdiskutieren bevor diese ausgeführt werden? Das passt einfach nicht ins Bild und nahm den Situationen bisweilen etwas die Glaubwürdigkeit.
Immer wieder wird erwähnt, wie wenig Kelsea eigentlich über die Geschichte ihres Volkes weiß. Da frage ich mich doch als Leser, was hat sie dann eigentlich die letzten 18 Jahre von ihren tollen Pflegeeltern beigebracht bekommen? Wichtige Informationen wurden ihr absichtlich von Carlin und Berty verschwiegen.

Kelsea begriff, dass sie schlecht vorbereitet war, und dieses Wissen lastete wie Blei auf ihren Schultern. (Erika Johansen: Die Königin der Schatten, Seite 128)

Klar es werden im Buch auch Gründe dafür angeführt, aber was ist das denn für eine Vorbereitung auf die Thronfolge? Mir ist klar, dass die Autorin gegenüber Kelsea einige Geheimnisse wahren wollte um die Spannung hoch zu halten, aber das hätte man sicher auch eleganter bzw. glaubhafter lösen können.
Hinzu kommt dann noch die ganze Geheimniskrämerei von Kelseas Gardisten, die manchmal zudem völlig eigenmächtig handeln, ohne vorher überhaupt ihre Königin zu fragen, und diese auch schon mal „grob am Arm packen“. :angry:  Außerdem ist man offenbar der Meinung, dass die Arbeit der Königinnen-Garde Kelsea überhaupt nichts angeht:

„Vergebt mir, Lady, aber ihr müsst nicht über jede Einzelheit unserer Arbeit Bescheid wissen.“ (Gardist zu Kelsea in: Erika Johanson: Die Königin der Schatten)

Als Königin hätte ich allein schon wegen diesem Spruch den Kerl zum Teufel gejagt. Was bildet der sich ein mit wem er spricht? Die Arbeit ihrer Garde geht eine Königin sehr wohl etwas an, aber Kelsea erwidert nichts darauf. Ist sie so schwach? An anderen Stellen der Handlung macht sie wiederum ganz und gar nicht den Eindruck. Das Ganze könnte natürlich auch Absicht von der Autorin sein, um Kelseas große Unsicherheit aufzuzeigen und den Reifungsprozess ihres Charakters zu verdeutlichen. Leider ging in meinen Augen der Schuss nach hinten los, weil es zu übertrieben wirkte. Schade. Dennoch ist, trotz der angesprochenen Kritikpunkte, das Buch insgesamt gut gelungen – ganz besonders für einen Debütroman. :)

3.5 von 5 Sternen "Insgesamt ok, jedoch mit manchen Schwächen."

3.5 von 5 Sternen
„Insgesamt ok, jedoch mit manchen Schwächen.“

Mein Fazit

Ein guter Fantasyroman mit guten Ideen, allerdings mit manchen Mängeln in den Charakterbeziehungen, die manchmal sehr unglaubwürdig herüber kommen. Ich hätte mir hier eine etwas klarere Linie gewünscht. Die Handlung und Hintergrundgeschichte fand ich insgesamt gut. Das Buch ist spannend und abwechslungsreich geschrieben und lässt sich flüssig lesen. Für einen Debütroman hat Erika Johansen eine überzeugende Leistung erbracht und ich werde definitiv auch den nächsten Band lesen, sobald er auf dem Markt ist. Ich danke Heyne für das Leseexemplar. :thumbup:

Jay

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