Erik Axl Sund: Scherbenseele

Erik Axl Sund: Scherbenseele
Taschenbuchausgabe
Goldmann Verlag, 2015

Inhalt

Eine Welle bizarrer Selbstmorde erschüttert Schweden. An den unterschiedlichsten Orten im Land nehmen sich Jugendliche auf ungewöhnliche, grausame Weise das Leben, und sie alle haben eines gemeinsam: Sie hören die düstere Musik eines Interpreten namens „Hunger“ auf alten Musikkassetten, während sie sich umbringen. Zur gleichen Zeit wird in Stockholm der erste von mehreren einflussreichen Männern ermordet. Als Kommissar Jens Hurtig ihn mit den Selbstmorden in Verbindung bringt, zeigt sich das ganze schreckliche Ausmaß des Falls … (Klappentext)

Infos zum Buch

Titel: Scherbenseele (Glaskroppar) Autoren: Erik Axl Sund (Pseudonym) Verlag: Goldmann Reihe: — Seitenzahl: 416 Alter: 18+
Erste Aufl.: 8. September 2015 Ausgaben: Taschenbuch, E-Book, Hörbuch ISBN: 978-3442483334 (TB)

Infos zu den Autoren

Das schwedische Autorenduo Jerker Eriksson und Håkan Axlander Sundquist schrieben gemeinsam diese preisgekrönte Victoria-Bergman-Trilogie unter dem Pseudonym Erik Axl Sund und schufen Thriller, die aufgrund ihrer Härte schon seit ihrem Erscheinen im Juli 2014 die Gemüter erregt.
Vom Beruf ist Håkan eigentlich Künstler, genauer gesagt Musiker und Tontechniker. Sein Freund Jerker kommt als Bibliothekar im Gefängnis den bösen Buben ziemlich nahe und er hat zudem eine Elektropunkband mit dem Namen “iloveyoubaby!”, die Håkan produziert. Scherbenseele ist der vierte Roman von Erik Axl Sund. Der schwedische Originaltitel lautet Glaskroppar (Glaskörper).

Meine Meinung

Was mir an den Büchern von Erik Axl Sund sehr gut gefällt ist das Cover, irgendwie mag ich das Design, und auch die Titel, die ziemlich gut zu einem Psychothriller passen. Auch Scherbenseele verspricht schon unter diesen beiden Aspekten ein fesselnder Roman zu sein, wenn man ihn in der Hand hält. Der erste Teil Victoria-Bergman-Trilogie hat mir seinerzeit recht gut gefallen, leider waren jedoch die beiden Folgebände nicht mehr so gut und im dritten Teil sind einige Handlungsfäden nicht hinreichend abgeschlossen. Irgendwie verzettelten sich die Autoren zu sehr, weshalb ich die Trilogie nicht uneingeschränkt empfehlen kann.
Ich habe trotzdem beschlossen dem vierten Roman der Autoren, Scherbenseele, eine Chance zu geben. Wegen mir kann es in einem Thriller auch ruhig etwas härter zugehen. Blut muss fließen, ohne dass es jedoch allzu eklig und grausam wird. In Scherbenseele ist das den Autoren recht gut gelungen. Am Anfang sollte man jedoch nicht allzu viele Pausen machen und an der Handlung dranbleiben, da recht viele verschiedene Namen eingeführt werden (darunter auch viele Selbstmord-Teenager) und man ansonsten schnell den Überblick verlieren könnte. Mir ging es so, dass ich hin und wieder überlegen musste, wer denn nun wieder dieser und jener Charakter war und in welchen Beziehungen er zu den anderen stand. Ebenfalls mitunter problematisch sind die vielen, mitunter recht kurzen Kapitel. Erik Axl Sund wechseln ständig Schauplätze und Perspektiven, springen von einer Person zur nächsten, und wenn es nur für einige wenige Sätze ist. Dazu kommen gelegentlich auch zeitliche Rückblicke, die dann aber zum Glück in Kursivschrift geschrieben sind. Wenn man dran bleibt, dann ist die Handlung von Scherbenseele ein komplexes Puzzle, das sich dem Leser erst Schritt für Schritt erschließt, jedoch nicht sonderlich genial oder gar bahnbrechend ist. Spannung baut sich vor allem durch die Selbstmorde auf, die immer wieder geschehen, ansonsten plätschert die Handlung streckenweise dahin, was dem Leser Zeit für eigene Spekulationen lässt.
Da man es mit einer ganzen Reihe von Psychopathen zu tun bekommt, gleitet der Erzählstil immer wieder auch ins philosophische ab, wobei es meist um den Sinn des Lebens geht, ob es einen Gott gibt oder nicht, und warum es gut ist (oder auch nicht) jetzt und heute den Löffel abzugeben. Erik Axl Sund haben versucht die „Philosophie“ der Selbstmörder und Selbsthasser darzustellen, was oft gelungen ist, manchmal auch nicht. Vielleicht liegt es aber auch an mir, dass ich nicht immer alle wirren Gedankengänge nachvollziehen konnte. Schließlich hänge ich am Leben. Äußerst treffend ist in diesem Zusammenhang der Titel. „Scherbenseele“ beschreibt den psychischen Zustand einiger Pro- und Antagonisten recht gut, ebenso wie der schwedische Titel „Glaskörper“ (Glaskroppar).
Zu den Charakteren: Einigermaßen gefallen hat mir der Hauptcharakter Jens Hurtig, ein Kommissar, der schon in der Bergman-Trilogie eine Rolle spielte. Was leider nicht nur bei ihm fehlte, war die Charakterentwicklung im Laufe der Handlung. Hurtig hetzt, wie auch sein Name schon vermuten lässt, von einem Tatort zum anderen, bleibt aber sonst ziemlich blass. Auch bei den anderen Protagonisten verhält es sich kaum anders. Was einen als Leser antreibt das Buch bis zum Ende zu lesen, ist daher nur die Lösung des Rätsels um den geheimnisvollen Musiker „Hunger“ und die mit seiner Musik verbundenen Selbstmorde, weniger leider die persönliche Geschichte und charakterliche Entwicklung der Hauptpersonen. Schade, denn dadurch wurde in meinen Augen viel Potential für eine gute und tiefgründigere Story vergeben. Insgesamt wird die Handlung zusammengestückelt, was wohl daran liegt, dass zwei Autoren an einem Buch schreiben.
Zum Schluss des Buches lässt sich sagen, dass sich bei mir eine Ahnung bestätigte, die ich schon etwa ab der Hälfte des Buches hatte. Dennoch ist der Ausgang einigermaßen überraschend und, im Gegensatz zur Bergman-Trilogie, sind die Handlungsfäden einzelner Charaktere auch hinreichend beendet worden. Seit 2015 haben Erik Axl Sund kein Buch mehr veröffentlicht. Mal sehen, ob da demnächst noch etwas nachkommt.

3 von 5 Sternen
„Blieb leider hinter meinen Erwartungen zurück.“

Mein Fazit

Scherbenseele beinhaltet ein paar gute Ideen, kommt jedoch in vielen Dingen nicht an Psychothriller anderer bekannter Autoren, wie zum Beispiel Sebastian Fitzek oder Jussi Adler-Olsen, heran. Große Schwächen sind in der Charakterentwicklung zu finden, auch wenn der Spannungsbogen ausreicht, um seine Leser an das Buch zu fesseln. Häufige Sprünge in der Handlung und viele Namen erschweren am Anfang das Lesen etwas, später wird es dann besser. Insgesamt ist Scherbenseele ein solider, jedoch nur durchschnittlicher Thriller mit einigem Potential nach oben.

Jay

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