Erik Axl Sund: Schattenschrei

Nehmt mir nicht meinen Hass. Er ist alles, was ich habe.
(Erik Axl Sund: Schattenschrei)

Erik Axl Sund: Schattenschrei Dt. Taschenbuchausgabe Goldmann Verlag (2014)

Erik Axl Sund: Schattenschrei
Dt. Taschenbuchausgabe
Goldmann Verlag (2014)

Inhalt

Während Jeanette Kihlbergs Ermittlungen endlich Erfolge zeigen, geht Sofia durch die Hölle. Ist Victoria Bergman schuldig?
Endlich zeigen sich mehr und mehr Erfolge in den Ermittlungen der Kommissarin Jeanette Kihlberg. Sie glaubt, zwei Frauen als Mörderinnen identifiziert zu haben. Aber damit sind die Verbrechen noch nicht aufgeklärt … Und auch, was die unauffindbare Victoria Bergman mit den Morden zu tun hat, ist noch unklar. Derweil wird für Psychologin Sofia die Zusammenarbeit mit Jeanette immer schwieriger, weil sie dabei ihrem eigenen, persönlichen Kern immer näher kommt. Und das führt sie geradewegs in die Hölle.
(Quelle: Buch.de)

Über das Buch und die Autoren

Das schwedische Autorenduo Jerker Eriksson und Håkan Axlander Sundquist schrieben gemeinsam diese sogenannte Victoria-Bergman-Trilogie unter dem Pseudonym Erik Axl Sund und schufen Thriller, die aufgrund ihrer Härte schon seit ihrem Erscheinen im Juli 2014 die Gemüter erregt.
Vom Beruf ist Håkan eigentlich Künstler, genauer gesagt Musiker und Tontechniker. Sein Freund Jerker kommt als Bibliothekar im Gefängnis den bösen Buben ziemlich nahe und er hat zudem eine Elektropunkband mit dem Namen “iloveyoubaby!”, die Håkan produziert. Die Trilogie ist das Romandebüt der beiden und wurde bereits 2012 preisgekrönt.
Schattenschrei ist mit etwa 410 Seiten (E-Book) der dritte und letzte Teil der Reihe und erschien am 17. November 2014 bei Goldmann. Die deutsche Übersetzung des ersten Teils (Krähenmädchen) kam bereits im Juli 2014 in die Regale, der zweite Teil (Narbenkind) wenig später im September 2014. Das Buch gibt es als Taschenbuch, als E-Book und als Audiobook. Der schwedische Originaltitel lautet Pythians anvisningar, was soviel heißt wie „Pythias Anweisungen“.

Das Autorenduo Erik Axl Sund Quelle: www.otava.fi

Das Autorenduo Erik Axl Sund
Quelle: www.otava.fi

Meine Meinung

Vorsicht Spoiler, falls die ersten beiden Bücher noch nicht gelesen wurden!
Nachdem mir Krähenmädchen recht gut gefallen hat und die Fortsetzung Narbenkind meine Erwartungen so gar nicht erfüllen konnte, hatte ich auf einen spannungsgeladenen und überzeugenden Abschluss in Schattenschrei gehofft. Leider konnten die beiden Autoren das Ruder nicht mehr herumreißen und Band 3 bleibt sogar noch hinter dem recht schwachen zweiten Teil der Trilogie zurück. Waren die ersten Seiten des Buches noch einigermaßen vielversprechend, verwickelten sich die Autoren mit der Zeit immer mehr in Handlungssträngen und Ideen, die kaum Spannung aufbauen konnten und eigentlich nur noch verwirtrten. Die Ermittlungsarbeit der Protagonistin Jeanette Kihlberg wurde einer guten Polizeiarbeit nicht gerecht und Sofias ständiger Kampf mit ihren Persönlichkeiten sorgte immer wieder für unnötige Längen, ohne dass dabei sonderlich viel passierte. Von einem (hochgelobten) Psychothriller erwarte ich mir eigentlich mehr. :sleep:

Hinzu kommt, dass sich die Autoren in zu vielen Ideen verzetteln und selbst die überraschenden Wendungen im letzten Viertel des Buches waren mir zu abgedreht, um noch glaubwürding zu sein. Manche Passagen sind unnötig blutig bzw. regelrecht abstoßen und ganz offenbar sollte dadurch Spannung aufgebaut werden. Was mich daran besonders störte war jedoch nicht der beabsichtigte Gruseleffekt (den kann ich durchaus verkraften), sondern eine halbwegs überzeugende Erklärung für das Handeln des Täters. Dieser schlachtet über Jahrzehnte hinweg munter Kinder, aber nachvollziehbare Beweggründe bleiben dem Leser verborgen. Zwar versuchen sich die Autoren im Buch an einer psychologischen Erklärung, aber die ist in meinen Augen einfach nur unbefriedigend, denn solche Gewaltdaten kann man sicher nicht mehr allein mit einer schweren Kindheit erklären.  :nono:

Schon im ersten und zweiten Teil der Trilogie wurde von verschiedenen Rezensenten kritisiert, dass die Autoren manchmal zu sehr über das Ziel hinaus schießen und die ganze Story dadurch unglaubwürdig wird, z. B. die innige und irgendwie seltsame Liebesbeziehung zwischen Jeanette und Sofia oder die Kapitel über die Kindersoldaten, u. a. m. Als im dritten Band schließlich auch noch die Nazis, die Judenverfolgung, der Holocaust und das KZ Dachau zur Bereicherung der Geschichte herhalten mussten, war es für mich ganz aus. Es fehlte eigentlich nur noch, dass Jeanettes Assistent Jens Hurtig einen sechsarmigen Außerirdischen in seiner Wohnung versteckt hält, dass eine Zombie-Pamdemie oder ein Vulkan in Schweden ausbricht oder die Russen angreifen oder… was weiß ich.  Irgendwann war es mir jedenfalls zuviel des Guten und weniger wäre unbestritten mehr gewesen. So baut man keine Spannung auf und bewirkt allenfalls ein Kopfschütteln beim Leser. :nono:
Das Ende kam dann viel zu schnell und leider blieben zu viele Fragen offen. Probleme, die in den drei Büchern immer wieder thematisiert wurden, wurden zum Schluss kaum oder gar nicht geklärt und ich hätte mir da schon ein paar Worte dazu gewünscht. Ansonsten hätte man sich das alles im Vorfeld auch ganz sparen können. Ein überzeugender Abschluss einer dreiteiligen Psychothrillerreihe sieht in meinen Augen anders aus. :(

2 von 5 Sternen "Verwirrend und vor allem am Schluss unbefriedigend."

2 von 5 Sternen
„Verwirrend und vor allem am Schluss unbefriedigend.“

Mein Fazit

Ich lese eigentlich ganz gerne skandinavische Krimis und Thriller und dieser Dreiteiler des Autorenduos Erik Axl Sund hatte auch einige gute Ansätze. Leider entwicklete er sich immer mehr zum Negativen. War der erste Band noch ganz gut, konnte mich der letzte nun absolut nicht mehr überzeugen. Die Handlung  war zu verworren, langatmig und ließ zum Schluss (der zu schnell kam) eine ganze Reihe Fragen ungeklärt zurück.
Die Autoren verzettelten sich zudem immer mehr in ihren Ideen, ohne dass sie dem Leser Lösungen für die angesprochenen Probleme präsentierten. Manche Aspekte (Stichwort: Holocaust) passten zudem kaum oder überhaupt nicht zur Thematik. Ich kann das Buch daher leider nicht empfehlen. Schade.

Jay

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