Cormac McCarthy: Die Straße (The Road)

People were always getting ready for tomorrow. I didn’t believe in that. Tomorrow wasn’t getting ready for them. It didn’t even know they were there.
(Cormac McCarthy: The Road)

Cormac McCarthy: The Road Engl. Taschenbuchausgabe (c) Vintage Verlag

Cormac McCarthy: The Road
Engl. Taschenbuchausgabe
(c) Vintage Verlag

Inhalt

Die Welt nach dem Ende der Welt Ein Mann und ein Kind schleppen sich durch ein verbranntes Amerika. Nichts bewegt sich in der zerstörten Landschaft, nur die Asche im Wind. Es ist eiskalt, der Schnee grau. Sie haben nur noch ihre Kleider am Leib, einen Einkaufswagen mit der nötigsten Habe – und einen Revolver mit zwei Schuss Munition. Ihr Ziel ist die Küste, obwohl sie nicht wissen, was sie dort erwartet. Ihre Geschichte ist eine düstere Parabel auf das Leben, und sie erzählt von der herzzerreißenden Liebe eines Vaters zu seinem Sohn.

Über das Buch und den Autor

Cormac McCarthy wurde 1933 in Rhode Island geboren und wuchs in Knoxville, Tennessee auf. Für sein literarisches Werk wurde er bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die amerikanische Kritik feierte «Die Straße» als «das dem Alten Testament am nächsten kommende Buch der Literaturgeschichte» (Publishers Weekly). Das Buch gelangte auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste und verkaufte sich weltweit mehr als eine Million Mal. (Quelle: Buch.de)
Die Straße erschien 2006 unter dem englischen Titel The Road und wurde 2007 ins Deutsche übersetzt. Im gleichen Jahr gewann Cormac McCarthy mit dem Buch den Pulitzer Preis. The Road in in vielen verschiedenen Ausgaben und Sprachen erschienen und hat knapp 300 Seiten. Kapitel gibt es nicht, dafür große Zeilenabstände, gerade bei den Dialogen. Die deutsche Ausgabe ist beim Rowohlt Verlag erschienen.

Meine Meinung

Ich habe The Road bereits im Februar 2011 gelesen und das Buch hat mir damals schon gut gefallen. Deswegen fand ich es an der Zeit, das Buch nochmal zu lesen und meine Meinung dazu zu schreiben. Für mich gehört The Road/Die Straße zu den postapokalyptischen Romanen, die das Genre definieren. Dystopien berichten von einer zukünftigen Gesellschaft, die sich zum Negativen entwickelt hat, d. h. die Zukunft wird sehr pessimistisch gesehen. Oft sind es Umweltkatastrophen oder Seuchen, welche die Menschheit dahin raffen, was jedoch nicht immer der Fall sein muss. Wer hierzu mehr erfahren möchte, kann gerne einen Blick auf das Flussdiagramm „Ist es eine Dystopie?“ werfen. :)

Cormac McCarthy: Die Straße Deutsche Taschenbuchausgabe Rowohlt verlag (2007)

Cormac McCarthy: Die Straße
Deutsche Taschenbuchausgabe
Rowohlt Verlag (2007)

Nun, die Gesellschaft ist in Die Straße faktisch kaum mehr vorhanden.  Es gibt keine Gesetze mehr, die das Zusammenleben der Menschen regeln und jeder ist sich selbst der Nächste. Dörfer und Städte sind verfallen und eine dicke Ascheschicht bedeckt weite Teile der Landschaft, Nicht mal die Sonne kann die graue Wolkendecke durchdringen, es regnet und ist kalt. Cormac McCarthy bedient sich einer Vielzahl von Stilmitteln, um die graue, trostlose, geradezu feindliche Umwelt zu beschreiben. Die Stimmung im Roman ist bedrückend und der Fokus der Erzählung liegt auf Landschaftsbeschreibungen und den beiden Protagonisten, Vater und Sohn, deren Namen an keiner Stelle genannt werden. Der Autor nennt sie nur „der Mann“ und „das Kind“ bzw. „der Junge“, wodurch es dem Leser nicht leicht fällt zu beiden Personen eine nähere Beziehung zu entwickeln. Das braucht die Handlung aber auch nicht, denn für den Autor steht das Verhältnis zwischen Vater und Sohn im Mittelpunkt. Es ist geprägt von großer Zuneigung und Liebe, Vertrauen und Opferbereitschaft, Trauer und Hoffnung. Der Leser begleitet die beiden auf ihrem Weg nach Süden und in eine bessere Zukunft. Dabei ist er nur stiller Beobachter, der den Überlebenskampf der beiden verfolgt. Die Charakterzüge werden vor allem durch ihr Handeln und weniger durch Worte deutlich. Der Sprachstil ist einfach und klar, die Dialoge zwischen Vater und Sohn sehr knapp. So, als wären zwischen ihnen einfach keine großen Worte notwendig. So eng verbunden sind die beiden.

Can I ask you something?
Yes. Of course you can.
What would you do if I died?
If you died I would want to die too.
So you could be with me?
Yes. So I could be with you.
Okay.
(Cormac McCarthy: The Road)

Manche werden behaupten, dass die Geschichte langweilig ist und nicht viel passiert. Dem will ich hier widersprechen, denn es passiert sehr viel. Vielleicht keine filmreifen Straßenkämpfe oder Schusswechsel, keine Explosionen oder andere Formen plumper Gewalt, die man oft erwartet. Die schrecklichen Dinge geschehen zum Großteil nur um die Protagonisten herum, die sie lediglich wahrnehmen. Da gibt es zum Beispiel in dunkle Keller gesperrte Menschen, erbärmliche Gestalten ohne jede Hoffnung, und menschliche Spießbraten. Doch sie alle sind nur kurze Eindrücke von einer Welt, die völlig aus den Fugen geraten ist, während der Mann und der Junge sie gemeinsam durchwandern und dabei nur sich selbst haben und die Erinnerungen an längst vergangene Tage. Cormac McCarthy gewährt dem Leser durch Blitzlichter und Träume auch Einblicke in die Vergangenheit. Was man nicht erfährt, das sind die Ursachen der Katastrophe. Der Junge hat die Welt davor nie gekannt, doch er lernt von seinem Vater, der sich kaum erinnert bzw. sich auch nicht erinnern will. :-/
Neben den vielen bedrückenden Tagen der Reise gibt es es jedoch auch Momente des Glücks, in denen sich der Leser mit den beiden freuen kann. Mir hat gut gefallen, dass sie dann diese Momente auch genießen und oft reichte dafür schon ein trockener Schlafplatz mit einem Feuer und eine Dose Pfirsiche. Cormac McCarthy hat mit The Road einen tollen Roman geschrieben, der unter die Haut geht und sich schon allein vom Erzählstil her deutlich von den vielen anderen Romanen des Genres abhebt. Gerade weil er so einfach und dennoch tiefgründig ist, zieht er den Leser in den Bann. Der will natürlich wissen, wie das alles enden wird.
Ich hoffe ich konnte meine Eindrücke von dem Buch einigermaßen einfangen und wiedergeben. Wer stimmungsvolle Dystopien mag sollte The Road bzw. Die Straße zumindest mal in einer Leseprobe anlesen. Das Buch ist anders, als die Masse der Endzeitromane, aber gerade das macht es für mich so überzeugend gut. :lesen:

5 von 5 Sternen "Schon jetzt ein Klassiker."

5 von 5 Sternen
„Schon jetzt ein Klassiker.“

Mein Fazit

The Road (Die Straße) ist ein starker Roman, der innerhalb des Genres Dystopien Maßstäbe setzen konnte. Das Buch ist jetzt schon ein Klassiker der Literatur, der sich seinen Platz in Millionen von Regalen bereits sichern konnte. Bestechend ist die düstere Stimmung, die McCarthy aufbaut, in der jedoch die Freundschaft zwischen Vater und Sohn immer wieder einen warmen Funken Licht bringt. So stelle ich mir ein Endzeitszenario vor, mit tollen Charakteren und ordentlich Tiefgang. Das Buch kann einen auch nach Tage nach seinem Ende beschäftigen. Lesen! :thumbup:

So gut The Road inhaltlich auch ist, so schwer ist das Original zu lesen. Schwer vor allem deshalb, weil es viele viele Wörter gibt, die nicht gängig sind. Ich denke schon, dass ich ihzwischen einen weiten englischen Wortschatz habe, aber dennoch musste ich ständig Wörter nachschlagen. Hinzu kommt eine Vielzahl von Sprachneuschöpfungen, die in keinem Wörterbuch zu finden sind und ein wenig Recherche bedürfen. Wer in Englisch also nicht wirklich fit ist, sollte eher auf die deutsche Übersetzung zurückgreifen, um die Stimmung im Buch auch angemessen genießen zu können.

Filmtrailer „The Road“

 Jay

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