Claire Hajaj: Ismaels Orangen (Ishmael’s Oranges)

Und wenn die Träume wichtiger werden als das Leben, ist man bereit, alles zu tun, damit sie in Erfüllung gehen. (Claire Hajaj: Ismaels Orangen)

Claire Hajaj: Ismaels Orangen Deutsche Hardcoverausgabe Blanvalet (2015)

Claire Hajaj: Ismaels Orangen
Deutsche Hardcoverausgabe
Blanvalet (2015)

Inhalt

Kann Liebe wachsen, wo Hass gesät wird?
Jaffa, April 1948. Der siebenjährige Salim Al-Ismaeli, Sohn eines palästinensischen Orangenzüchters, freut sich darauf, die ersten Früchte des Orangenbaums zu ernten, der zu seiner Geburt gepflanzt wurde. Doch der Krieg bricht aus und treibt die ganze Familie in die Flucht. Von nun an hat Salim nur noch einen Traum: Eines Tages zu seinem Baum zurückzukehren und im Land seiner Väter zu leben.

Zur selben Zeit wächst Judith als Tochter von Holocaust-Überlebenden in England auf – und sehnt sich danach, irgendwann ein normales und glückliches Leben führen zu dürfen. Als Salim und Judith sich im London der Sechzigerjahre begegnen und ineinander verlieben, nimmt das Schicksal seinen Lauf und stellt ihre Liebe auf eine harte Probe…

Über das Buch und die Autorin

Claire Hajaj wurde 1973 in London geboren, verbrachte ihre Kindheit sowohl im Kuwait, als auch in England und studierte schließlich in Oxford klassische und englische Literatur. Ihr bisheriges privates und berufliches Leben verbrachte sie im Spannungsfeld zwischen der jüdischen und der palästinensischen Kultur und setzte sich immer wieder für die Verständigung zwischen beiden Volksgruppen ein.
Claire Hajaj arbeitete für die UN in Kriegsgebieten, wie zum Beispiel in Bagdad, und schrieb u. a. verschiedene Beiträge für die BBC. Derzeit lebt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Beirut.
Ismaels Orangen ist der erste Roman von Claire Hajaj und erschien im August 2014 bei Oneworld Publications unter dem Titel Ishmael’s Oranges. Unter dem Titel Ismaels Orangen wurde er von Karin Dufner übersetzt und erschien am 15. März 2015 auch in Deutschland bei Blanvalet. Das Buch hat 448 Seiten und ist in mehrere Abschnitte gegliedert, die eine Jahreszahl als Überschrift haben und die Zeit zwischen 1948 und ca. 1990 abdecken.

Meine Meinung

Claire Hajaj  Quelle: thenational.ae

Claire Hajaj
Quelle: thenational.ae

Solange ich denken kann werden die Nachrichtensendungen immer wieder von den blutigen Ereignissen im Nahen Osten geprägt, in denen sich Israelis und Palästinenser blutige Auseinandersetzungen liefern. Das geht jetzt schon so lange, dass die Schreckensmeldungen kaum mehr überraschen können und es einem inzwischen schon schwer fällt, an einen baldigen Frieden in der Region zu glauben. Das woher kommt dieser tiefgründige Hass zwischen den beiden Völkern und wo sind seine geschichtlichen Wurzeln zu suchen?
Ohne Zweifel sind auf beiden Seiten in der Vergangenheit Fehler gemacht worden, die den Graben immer weiter vertieft haben. Doch so unversöhnlich Juden und Palästinenser in den Medien auch dargestellt werden, gibt es dennoch immer Hoffnung auf eine friedliche Zukunft, wie Claire Hajajs Debütroman beweist. Die Autorin selbst ist als Tochter einer jüdischen Mutter und eines palästinensischen Vaters aufgewachsen und hat die Spannungen zwischen beiden Kulturen hautnah miterlebt. Mit Ismaels Orangen schrieb sie nicht nur einen atmosphärisch tiefgehenden Roman über den Nahostkonflikt und seine Hintergründe, sondern auch über ihre eigene Familiengeschichte. Ihr Vater selbst ist in Jaffa (Tel Aviv), dem Heimatort des Hauptcharakters Salim, aufgewachsen. In ihrem  Buch geht sie, beginnend mit dem Ausbruch des Palästinenserkrieges und der  Unabhängigkeitserklärung Israels immer wieder auf die Ereignisse in der Krisenregion ein. Der Leser erlebt die Zeitgeschichte durch die Augen der Hauptperson Salim, dem Sohn eines palästinensischen Orangenzüchters in Jaffa. Als seine Familie Hals über Kopf vor den israelitischen Truppen fliehen muss, scheinen seine Träume von einem Leben als Orangenzüchter im Haus des Vaters geplatzt. Doch der idealistische Salim versucht das beste aus der neuen Situation zu machen und nimmt Jahre später in London ein Studium auf, um sich seine Träume von einem geregelten, friedlichen Leben zu erfüllen. In London lernt er Judit kennen, ein jüdisches Mädchen, die beiden verlieben sich und heiraten, entgegen aller Ressentiments und Vorurteile und sehr zum Missfallen der eigenen Familien. Was folgt ist ein steiniger Lebensweg, der beide auch immer wieder zweifeln lässt und ihre Beziehung immer wieder auf harte Proben stellt.
Doch Salims größter Traum bleibt das verlorene Orangenhaus und der Orangenhain seiner Familie. Der unablässige Wunsch irgendwann dorthin zurückzukehren und der Kampf um sein Vermächtnis verlangt ihm schließlich mehr ab, als er es für möglich gehalten hätte.

Etwas, um davon zu leben, nicht nur Träume. Die hatten leicht reden. Denn was war das Leben noch wert, wenn alle Träume zu Staub zerfielen? (Claire Hajaj: Ismaels Orangen)

Claire Hajaj: Ishmael's Oranges UK-Taschenbuchausgabe Quelle: Oneworld-Publications

Claire Hajaj: Ishmael’s Oranges
UK-Taschenbuchausgabe
Quelle: Oneworld-Publications

Claire Hajaj beschreibt eindrucksvoll und mit viel Feingefühl den inneren Zwiespalt indem sie dem Leser tiefe Einblicke in die Gedanken und das Gefühlsleben der Protagonisten gewährt. Dabei lässt sie, und das fand ich toll, auch noch viele andere Menschen zu Wort kommen, wie zum Beispiel Judits und Salims Familie, die aus ihrer Abneigung keinen Hehl machen. Sie lässt die Aussagen jedoch nicht im leeren Raum stehen, sondern liefert diskussionswürdige Argumente und zeichnet dadurch ein Bild des Nahostkonflikts, wie es vielschichtiger kaum sein könnte.
Als Leser fällt es einem schwer für eine der beiden Seiten Partei zu ergreifen. Auch wenn beide Volksgruppen mit den Finger aufeinander zeigen, es gibt kein eindeutiges Gut oder Böse, denn Unrecht geht sowohl von den Israelis, als auch von den Palästinensern aus. Was bewegt ist Judits fest verwurzelter Wunsch nach Frieden und das Wissen, dass ein friedliches Zusammenleben zwischen beiden Völkern möglich sein kann, wenn man sich nur darauf einlassen und es versuchen würde.

Clair Hajaj schreibt sehr klar und verständlich und es viel mir leicht mich in die Geschichte einzufinden. Vor allem am Anfang finden sich im Text viele Begriffe aus dem Arabischen, die jedoch in einem Glossar erklärt werden. Das mag zunächst etwas abschrecken und den Lesefluss bremsen, allerdings werden die Begriffe später weniger und man kennt auch schon einige, sodass es wirklich kein Verständnisproblem geben sollte. Ich hätte mir jedoch am Anfang des Buches eine Übersichtskarte mit den Hauptschauplätzen der Krisenregion gewünscht, damit man die Orte und Entfernungen besser zuordnen kann. Gut, bei mir ging das halbwegs auch ohne Karte, aber für jüngere Leser ohne entsprechendes Hintergrundwissen wäre es sicher eine Hilfe.

4,5 von 5 Sternen "Ein überzeugendes Debüt!"

4,5 von 5 Sternen
„Ein überzeugendes Debüt!“

Mein Fazit

Ismaels Orangen hat mir sehr gut gefallen, weil es zum einen die Hintergünde zum Palästinenserkrieg aus verschiedenen Perspektiven aufzeigt und viel Wissenswertes vermittelt, und zum anderen diese mit einer ganz wunderbaren Liebesgeschichte verknüpft. Es ist ein Buch, das Hoffnung auf Frieden macht und das vor allem nicht mit dem Finger auf eine der Konfliktparteien zeigt. Hervorzuheben ist auch, dass die Autorin aus persönlichen Erfahrungen schreibt und man als Leser sozusagen aus erster Hand die vielschichtige Problematik erklärt bekommt. Wer sich für Zeitgeschichte in dem Bereich interessiert, kommt um Ismaels Orangen eigentlich nicht herum. Ein tolles Debüt und eine klare Leseempfehlung von mir an dieser Stelle! Danke auch Blog dein Buch für die Vermittlung des Leseexemplars! :thumbup:

Grußwort von Claire Hajaj

Jay

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