Björn Springorum: Der Ruf des Henkers

Björn Springorum: Der Ruf des Henkers Hardcover, Jugendbuch Thienemann Verlag (2016)

Björn Springorum: Der Ruf des Henkers
Hardcover, Jugendbuch
Thienemann Verlag (2016)

Inhalt

England in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Richards Jugendliebe Elizabeth droht der Galgen. Als der berüchtigte Henker William Calcraft in sein Dorf kommt, gelingt es ihm jedoch sie vor dem Tod durch den Strick zu retten, wenn er im Austausch bei Calcraft in die Lehre geht. Doch das Leben eines Henkerslehrlings ist nicht einfach. Nicht nur ist der Tod ihr ständiger Begleiter, auch ihr Ruf in der Bevölkerung ist nicht der beste. Furcht, Misstrauen und Ablehnung schlagen ihnen oft entgegen, und den mürrischen Calcraft selbst scheint ein dunkles Geheimnis zu umgeben. Ein Geheimnis, das nicht nur den Meister und seinen Lehrling, sondern die Menschen in ganz England bedroht, und der junge Richard soll im Kampf gegen das Böse seinem neuen Meister zur Seite stehen. Als er schließlich in London seine Liebe Elizabeth wiedertrifft, nehmen die Ereignisse eine Wendung, die weder Richard noch William Calcraft hätte vorhersehen können…

Björn Springorum Quelle: ruf-des-henkers.de

Björn Springorum
Quelle: ruf-des-henkers.de

Über das Buch und den Autor

Geboren wurde Björn Springorum 1982 im baden-württembergischen Calw. Er studierte Anglistik und Alte Geschichte in Stuttgart, wo er immer noch lebt und schreibt. Er mag Katzen, London und England, liest gerne und liebt es fantastische Geschichten zu schreiben. Sein Debütroman Herbstbringer erschien bereits 2013. Es folgte Das Amulett der Ewigkeit (2015) und am 15. Februar 2016 schließlich sein dritter Roman Der Ruf des Henkers. Das Buch hat 352 Seiten und ist in insgesamt 45 Kapitel unterteilt. Hinzu kommt ein Prolog und eine kurze Abhandlung über den Henker William Calcraft, dessen Charakter im Buch auf wahre geschichtliche Hintergründe basiert. Die Illustrationen des Buches stammen von Maximilian Meinzold. Empfohlen wird das Buch für junge Leserinnen und Leser zwischen 13 und 16 Jahren.

Meine Meinung

Sehr gefreut habe ich mich, als mir der Thienemann Verlag ein Rezensionsexemplar von Björn Springorums neuem Buch anbot. Ich muss gestehen, dass ich von ihm bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts gelesen hatte und die tolle Umschlagsgestaltung des Buches ließ mir, zusammen mit dem ansprechenden Klappentext, auch keine andere Wahl, als sofort zuzusagen. In dem Päckchen mit dem Buch war dann auch noch eine Einladung zum Autorentreffen auf der Leipziger Buchmesse und ein kleines Päckchen mit Süßigkeiten (meine persönliche Henkersmahlzeit) mit dabei. Ganz oben im Bild könnt ihr sie sehen.  :)
So reich beschenkt kann man eigentlich nur positiv an diesen neuen Jugendroman heran gehen.  Schon nach den ersten Seiten war ich mitten im Geschehen. Der Autor baut Stück für Stück eine sehr eindringliche Atmosphäre auf. Der wortkarge und griesgrämige Henker William Calcraft zieht mit seinem jungen und abenteuerlustigen Lehrling Richard Winters durch die Lande, um seinem grausigen aber notwendigen Handwerk nachzugehen. Die Stimmung im Buch ist sehr düster und man kann als Leser Richards Eindrücke und seine Emotionen absolut verstehen, wenn er vom nasskalten Wetter Englands berichtet oder von den düsteren Blicken von Dorfbewohnern, die ihnen in abgelegenen Weilern am Ende der Welt begegnen. Regen, Schlamm, Raben und Kälte, statt Sonnenschein und Gänseblümchen. Hinzu kommt Richards Begegnungen mit dem Tod, wenn er den Hinrichtungen seines Meisters beiwohnen muss und die Menge der schaulustigen Gaffer, die zusätzlich zur Atmosphäre beitragen. Björn Springorum lässt diese Dinge jedoch nicht einfach nur so stehen, sondern versucht den Gesprächen zwischen Richard und William auch manchen philosophischen Aspekt mitzugeben. Was ist der Tod eigentlich und wie stehen die beiden dazu? Was treibt Menschen dazu zu öffentlichen Hinrichtungen zu gehen? Richard muss sich natürlich erst daran gewöhnen, dass der Gevatter ihr ständiger Wegbegleiter ist und sie als Henker sein williges Werkzeug, um verurteilte Verbrecher in die Hölle zu befördern. Sein Meister macht ihm die Zeit unterwegs nicht eben leichter und verhält sich ihm gegenüber ziemlich wortkarg, ja manchmal sogar abweisend. Sie sind anfangs ein recht ungleiches Paar, deren Beziehung zueinander im Laufe der Handlung jedoch eine Entwicklung durchmacht. Schon bald wird deutlich, dass William Calcraft ein düsteres Geheimnis mit sich herumträgt und Richard in seinen Planungen eine wichtige Rolle spielen soll… falls er nicht vorher das Weite sucht. Besagtes Geheimnis lässt im späteren Verlauf der Handlung dem Leser immer wieder Schauer den Rücken hinunterlaufen. An Spannung mangelt es also nicht.  :omg:
Ebenfalls gut gefallen haben mir die Hintergrundinformationen, die der Autor in sein Buch mit einfließen. Damit meine ich nicht nur die kurzen Ausführungen zur historischen Person William Calcrafts am Ende des Buches, sondern auch manche Gebräuche, die Björn Springorum im Text selbst erklärt. Zum Beispiel verhängte man nach dem Tod eines Menschen die Spiegel, damit sich die freie Seele des Verstorbenen nicht darin verfangen kann. Überhaupt spielt Aberglaube eine große Rolle im Buch und trägt einiges zur lebendigen Welt des 19. Jahrhunderts bei. Wer weiß zudem von der Weltausstellung, die 1851 in London stattfand? Oder wie schlimm es in „Workhouses“ zuging? Im Buch werden diese Hintergründe erwähnt und auch erklärt. Super! :thumbup:

ruf_des_henkers_backNeben der einzigartigen Beziehung zwischen Lehrling und Meister hat Björn Springorum natürlich auch eine Liebesgeschichte in sein Jugendbuch eingeflochten. Zum einen ist da Richards Jugendliebe Elizabeth, die ihm den Kopf gehörig verdreht hat und an die er nie aufhört zu denken, und zum anderen die hübsche Rose, die Nichte eines Schankwirts in London, die wiederum an dem Henkersjungen Gefallen findet und immer wieder versucht seine Aufmerksamkeit zu erregen. Die Liebesgeschichte hat der Autor treffend umgesetzt, gewährt er doch einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt insbesondere von Richard und Rose. Dass ihre jugendliche Naivität und blinde Liebe die Protagonisten auch in große Gefahr bringt, macht die Geschichte nur umso spannender. Man spürt oder sieht sie gar und man möchte Richard allzu gerne vor sich selbst beschützen, doch man ist als Leser wie immer hilflos. Daher ist es vor allem der zweite Teil der Handlung, in dem die Ereignisse das Buch zu einem Pageturner machen, bis hin zum großen, unvermeitlichen Showdown auf den letzten 40 Seiten. Spätestens zu dem Zeitpunkt waren mir Richard, Rose und auch William Calcraft so sehr ans Herz gewachsen, dass ich es keinesfalls wagen konnte das Buch beiseite zu legen. Abschließend bin ich nach 350 Seiten fast ein bisschen traurig über das Ende, doch meine große Hoffnung stützt sich auf eine Fortsetzung. Das Buch könnte jedoch durchaus auch alleine stehen.

5 von 5 Sterne Ein wunderbar geschriebener Jugendroman!

5 von 5 Sternen
Ein wunderbar geschriebener Jugendroman!

Mein Fazit

Björn Springorums Buch Der Ruf des Henkers war mal wieder ein Werk, das mich von der ersten bis zur letzten Seite überzeugen konnte. Dazu trug nicht nur die tolle Atmosphäre im Buch bei, die das England und London des 19. Jahrhunderts lebendig werden ließ, sondern auch die vielen kleinen Bezüge zu den Gepflogenheiten der damaligen Zeit. Der Autor hat hier gut recherchiert. Auch die Charaktere waren vielseitig und tiefgründig ausgearbeitet. Es fiel mir nicht schwer einen Bezug zu ihnen herzustellen und mit den Ereignissen mitzufiebern. Man konnte sie eigentlich nur gerne haben. Insgesamt ist es ein tolles Jugendbuch, das seine 5 Sterne von mir absolut verdient hat.

Ja

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