Anthony Ryan: Das Lied des Blutes (Blood Song) – Rabenschatten 1

Krieg ist stets ein Abenteuer für diejenigen, die nie einen erlebt haben.
(Anthony Ryan: Das Lied des Blutes)

Anthony Ryan: Das Lied des Blutes Dt. Hardcoverausgabe Hobbit Press/Klett-Cotta (2014)

Anthony Ryan: Das Lied des Blutes
Dt. Hardcoverausgabe
Hobbit Presse/Klett-Cotta (2014)

Inhalt

Vaelin Al Sornas Leben ändert sich für immer, als sein Vater ihn vor den Toren des Sechsten Ordens zurücklässt, dem geheimnisvollen kriegerischen Arm des Glaubens. Zusammen mit seinen Kameraden durchläuft er ein brutales Kampftraining – wofür sie nicht selten mit dem Leben bezahlen müssen. Unter der Anleitung der Ordensmeister lernt Vaelin wie man eine Klinge schmiedet, in der Wildnis überlebt  und einen Menschen schnell und leise tötet.
Nun werden seine Fähigkeiten auf die Probe gestellt, denn ein Krieg zieht auf. Vaelin ist zur tödlichsten Waffe des Ordens geworden und die einzige Hoffnung des Reiches. Nur mit all seiner Kraft und List wird es ihm gelingen den drohenden Konflikt zu überleben. Doch selbst mit der Welt am Rand des Chaos wird Vaelin schließlich lernen, dass die Wahrheit weitaus tiefere Wunden hinterlassen kann, als jedes Schwert. (Übersetzung Klappentext der englischen Ausgabe)

Über das Buch und den Autor

Anthony Ryan wurde 1970 in Schottland geboren, lebt und arbeitet jedoch schon seit längerer Zeit in London. Er hat einen Abschluss in mittelalterlicher Geschichte. Bevor er sich, nach dem Erfolg seines ersten Buches Blood Song, entschloss mit dem Schreiben von Büchern seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete er als britischer Beamter. Neben Geschichte interessiert er sich zudem für Kunst und die Naturwissenschaften.
Anthony Ryans Debütroman Blood Song wurde im Juli 2013 in England beim ACE Verlag veröffentlicht und wurde schnell zum Erfolg. Vorher vermarktete er das Buch selbst. Die englische Originalausgabe hat 592 Seiten und ist in fünf Abschnitte mit jeweils mehreren Kapiteln unterteilt. Die deutsche Übersetzung folgte im Dezember 2014 unter dem Titel Das Lied des Blutes und wurde auch in Deutschland schnell bekannt. der deutsche Band hat 775 Seiten und wurde von Hannes und Sara Riffel übersetzt. Das Buch ist der erste Teil der Rabenschatten-Trilogie (A Raven’s Shadow). Der zweite Teil trägt den Titel Tower Lord (Der Herr des Turmes) und der dritte den Titel Queen of Fire (Die Königin des Feuers). Die deutschen Ausgaben sind bei Hobbit Presse/Klett-Cotta erschienen.

Anthony Ryan: Blood Song UK-Hardcover ACE (2013)

Anthony Ryan: Blood Song
UK-Hardcover
ACE (2013)

Meine Meinung

Ich habe mir Blood Song im Sommer 2013 signiert von meinem Londoner Buchhändler schicken lassen, da es zu jener Zeit bereits ein Bestseller in den britischen Verkaufslisten war. Obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte es umgehend zu lesen, lag es dann erst mal über zwei Jahre auf meinem SuB und wartete darauf von mir entdeckt zu werden. Inzwischen erfreut sich Anthony Ryan auch in Deutschland einer relativ hohen Bekanntheit und es wurde daher Zeit sein Debüt endlich zu lesen (zumal ich Band 2 und 3 bereits hier im Regal stehen habe, was mir lange Wartezeiten erspart). :)
Der Einstieg ins Buch hat mir gut gefallen. Anthony Ryan wirft den Leser schon auf den ersten Seiten mitten in die Handlung, die sich auf unterschiedlichen zeitlichen Ebenen abspielt. In Ketten gelegt reist der berühmte und verhasste Krieger Vaelin Al Sorna als Gefangener seinem Urteil entgegen, begleitet vom Geschichtsschreiber des Kaisers, der mit ihm ins Gespräch kommt und Fragen stellt. Vaelin erzählt ihm (und damit dem Leser) die Geschichte seines Lebens und beginnt damit, wie er als 10-jähriger von seinem Vater vor die Tore des Kriegerordens gebracht und dort zurückgelassen wird. Er berichtet von seiner Kindheit und Jugend und der harten Ausbildung als Verteidiger des „Glaubens“. Vaelin erzählt von Freundschaft und Aufopferung und wie er schließlich zu dem Menschen wurde, der er ist: ein von Freunden vielfacht geachteter und von seinen Feinden gehasster Mann. Der Leser lernt dabei auch die anderen Hauptcharaktere und ihre Hintergründe kennen, was mir gut gefallen hat. Leider muss ich sagen, dass ich mir bis zum Schluss etwas schwer tat mich mit Vaelin zu identifizieren, kann jedoch nicht sagen woran es lag. Er war mir nicht unsympathisch und dennoch konnte ich keinen so rechten Draht zu ihm finden. Mit seinen Kriegerbrüdern erging es mir ähnlich. Was mir jedoch gefallen hat war der große Ideenreichtum des Autors und wie er daraus eine ansprechende und vielschichtige Fantasywelt mit verschiedenen Völkern und Religionen erschaffen hat. Der Schreibstil ist lebhaft und eindringlich und die Handlung sehr abwechslungsreich. Viele Ereignisse lassen sich schwer voraussehen und hielten dadurch die Spannungskurve hoch. Der Fokus liegt auf Vaelin und seinen Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen. Er ist jedoch nicht immer der strahlende Held der Geschichte, sondern hat selbst mit so einigen Problemen zu kämpfen. Hin und her gerissen zwischen seiner Loyalität zum Kriegerorden, seinen Verpflichtungen gegenüber dem König und seinem Gewissen, ist nahezu ständig dabei sich selbst kritisch zu hinterfragen. Man sagt er wäre, trotz seines jungen Alters, der beste Kämpfer der Königslande und dennoch… aber ich will nicht zu viel verraten. :knight:
Die innere Zerrissenheit seines Charakters hat mir gut gefallen, auch wenn mir sein ruhmreicher Aufstieg zum Helden eigentlich etwas zu schnell ging. Gut fand ich, dass Vaelin kein Superkämpfer ist, sondern sich auch immer wieder Schwächen und Fehler eingestehen muss.
Das Lied des Blutes ist trotz einiger blutiger Kämpfe kein Schlag-drauf-Fantasyroman, sondern erfüllt vor allem durch seine vielen kleinen Geheimnisse und politisch motivierte Intrigen einen gewissen Anspruch. Dadurch kommt Abwechslung in die Handlung und natürlich gibt es auch die eine oder andere Beziehungskiste und emotionale Momente. Das mystische Element der Handlung ist die „dunkle Gabe“, die es manchen Personen ermöglicht ungewöhnliche Dinge zu tun. Anthony Ryan hat es geschickt verstanden diese in die Handlung einzuflechten, die Wirkungsweisen jedoch recht vage zu halten und sich damit zusätzliche Möglichkeiten geschaffen Spannung zu erzeugen. :)
Auffällig waren vor allem im letzten Drittel die vielen „hasserfüllten Blicke“, die sich die Charaktere immer wieder zuwarfen. Jeder scheint mit jedem irgendwie ein Problem zu haben. Das ging soweit, dass es mich irgendwann sogar genervt hat. Sogar die verschiedenen Einheiten innerhalb des Heeres sind sich gegenseitig nicht immer grün. Ich fragte mich, wie sie es eigentlich schafften gemeinsam ihre Gegner zu besiegen? Mir fehlte zudem hin und wieder ein wenig der Witz (meinetwegen auch Sarkasmus) in den Dialogen. Ok, vielleicht bin ich hier im Vorfeld etwas zu sehr von Joe Abercrombie verwöhnt worden. Allerdings hätten es der Atmosphäre gut getan, wären die Personen nicht immer so verkniffen gewesen. Zumindest hätte man das nicht auf jeder Seite betonen müssen. :hmm:

4 von 5 Sternen "Ein guter, abwechslungsreicher Fantasyroman."

4 von 5 Sternen
„Ein guter, abwechslungs-reicher Fantasyroman.“

Mein Fazit

Das Lied des Blutes (Blood Song) ist ein guter und abwechslungsreicher Fantasyroman mit vielen guten Ideen und einem flüssigen Schreibstil. Das Buch konnte mich insgesamt fesseln, jedoch hätte die Handlung an manchen Stellen etwas straffer verlaufen können. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, ebenso wie die Welt, in der sie sich bewegen. Leider viel es mir schwer immer einen Draht zu den Protagonisten zu finden und ich hoffe, dass sich das in den Folgebänden ändern wird. Insgesamt bin ich mit dem Buch aber zufrieden und ich freue mich schon auf Band 2 und 3. Eindeutige Leseempfehlung! :thumbup:

Jay

 

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