Andreas Steinhöfel: Anders

Andreas Steinhöfel: Anders Dt. Hardcoverausgabe (2014)

Andreas Steinhöfel: Anders
Dt. Hardcoverausgabe (2014)

Inhalt

Nach dem Unfall sind Zeit und Welt aus den Fugen. 263 Tage liegt der Winterjunge im Koma, exakt die Anzahl jener Tage, die seine Mutter vor elf Jahren mit ihm schwanger war. Dann erleben die Menschen um ihn herum ein Wunder: An einem prächtigen Sommertag kehrt Felix Winter zurück ins Leben. Und nennt sich von nun an anders, nämlich Anders. Er hat keinerlei Erinnerung mehr an die Zeit vor dem Unfall oder an den Unfall selbst … und es gibt jemanden, der alles dafür tun wird, dass das so bleibt. (Umschlagtext)

Über das Buch und den Autor

Andreas Steinhöfel wurde am 14. Januar 1962 in Battenberg (Hessen ) geboren. Er studierte Anglistik, Amerikanistik und Medienwissenschaften in Marburg und ist inzwischen als Übersetzer und Drehbuchautor tätig. Er rezensiert zudem Jugendliteratur für die FAZ und DIE ZEIT und ist selbst auch erfolgreicher Autor. Seine Bücher erhielten inzwischen eine Vielzahl von nationalen und internationalen Auszeichnungen, zum Beispiel den renommierten Erich Kästner Preis für Literatur (2009) und den Deutschen Jugendliteraturpreis (2013) für sein Gesamtwerk. In Steinhöfels Büchern sind es meist die Außenseiter und etwas Andersartigen, die sich als Helden seiner Geschichten in die Herzen der Leser kämpfen. Sie werden gerade deswegen interessant, weil sie etwas seltsam sind und sich von der breiten Masse der strahlenden Helden abheben, die man oft in den Büchern findet.

Anders ist am 21. Oktober 2014 beim Verlag Königskinder erschienen und als E-Book, Hörbuch und Hardcoverausgabe erhältlich. Letztere hat einen Umfang von 240, wobei die Handlung in 9 Kapitel, einen Prolog und einen Epilog unterteilt ist. Die Seiten sind zweifarbig gesdruckt, d. h. schwarze und manchmal goldfarbene Textabschnitte und goldene Seitenzahlen. Zudem hat das Buch ein goldfarbenes Lesebändchen und wirkt auch sonst sehr hochwertig. Lediglich das weiße Papier des Schutzumschlags ist mit seiner rauen Oberfläche etwas anfälliger für Flecken und Knicke. Ein glattes Papier wäre hier sicher weitaus pflegeleichter und resistenter. Sehr schön sind auch die Innenillustrationen von Peter Schössow gelungen, die am Anfang eines jeden Kapitels zu finden sind und mit ihren Gelb- und Goldtönen gut zur restilchen Aufmachung passen. Die weiß und golden marmorierten Vorsatzblätter runden das hübsche Design ab.

Meine Meinung

Ich bin über die Empfehlung eines Booktubers auf Anders aufmerksam geworden. Ich mag Jugendliteratur sehr, vor allem, wenn die Handlung über die reine Unterhaltung des Lesers hinaus geht und hinreichend Tiefgang erkennen lässt. Das ist hier abermals gelungen, denn Anders  war mein erstes Buch von Andreas Steinhöfel und sicher nicht das letzte, das ich lesen werde.

Nachdem Felix Winter aus seinem 263-tägigen Koma erwacht, in das er nach einem Unfall an seinem 11. Geburtstag gefallen ist, ist er nicht mehr der Junge, der er war. Er ist anders und so nennt er sich ab sofort auch: ANDERS. Er hat sich sehr verändert, denn er scheint jetzt das Wesen von Menschen zu „erkennen“, indem er sie nur ansieht. Er ist voller Empathie gegenüber seinen Mitmenschen und er zeigt einen Scharfsinn, der selbst die Erwachsenen, Eltern wie Lehrer, immer wieder erstaunt. Ja, seit seinem Erwachen wirkt ANDERS irgendwie reifer und abgeklärter und er scheint über den Dingen zu stehen, als wenn er plötzlich die Erfahrung von 100 Jahren in sich trüge. Er selbst fühlt sich in der neuen Situation nicht sonderlich wohl, denn er weiß, dass ganz tief in ihm drin und verschlüsselt auf der Festplatte seines Computers ein dunkles Geheimnis schlummert. Ach, wenn er doch nur das Passwort wüsste. Wenn er sich nur erinnern könnte, was im letzten Sommer geschah, vor dem Unfall und dem langen Koma. Aber ANDERS kann sich nicht mehr an diese Zeit erinnern. Nicht an seine Freunde, seine Eltern und sein Zimmer mit den vielen Hundepostern. Sogar sein Leibgericht ist ihm plötzlich fremd. :-|
Fremd wirkt er auch auf andere, denn seine Amnesie und natürlich sein nun verändertes Wesen führen in der Schule zu allerlei Problemen. ANDERS möchte den Menschen mit seinen neuen Fähigkeiten helfen, macht mit ihnen jedoch seinen Mitschülern Angst, da sie es nicht begreifen. Seine Lehrerin stellt ihn zwar deswegen oft  zur Rede, aber warum soll er sich deshalb schuldig fühlen, wenn er doch recht hat und allen nur Gutes möchte?

Wir Leser lernen die Gedanken eines 11-jährigen Jungen, das von so manchen Mysterien umgeben ist. ANDERS hat auf die Mitmenschen in seinem Umfeld ein dermaßen große Ausstrahlung, dass er ihr Leben nicht nur berührt, sondern es auch nachhaltig verändert. Somit verbindet Steinhöfel die Personen in seinem Buch zu einer runden Geschichte, in der alle Schicksale miteinander verknüpft sind – mit ANDERS als strahlendes Zentrum des Geschehens, das auf alle einwirkt. Nicht nur ANDERS‘ Eltern, sondern auch seine einstmals besten Freunde und der Nachhilfelehrer Herr Stack können sich dem Jungen nicht entziehen. :)
Das Buch ist mit seinen 240 Seiten vergleichsweise kurz und schnell gelesen. Die Handlung ist eigentlich einfach gehalten und besticht durch die klare und deutliche Sprache des Autors, die manchmal sogar etwas poetisch wirkt. Andreas Steinhöfel versteht es mit Worten zu spielen und eine faszinierende Atmosphäre aufzubauen, die es einem schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen. Man will unbedingt wissen, wie sich die vielschichtige Handlung weiter entwickeln wird.
Obwohl Steinhöfel in Anders das eine oder andere Mysterium eingebaut hat, zum Beispiel ANDERS‘ neue Gaben die Menschen zu „erkennen“, so lässt er dennoch die eine oder andere Frage am Ende unbeantwortet. Ich fand das gut, denn nicht immer muss jedes Detail am Schluss erschöpfend geklärt sein. Was jedoch geklärt wird, das sind die wesentlichen Fragen, die den Leser vorantreiben und somit ist ANDERS, obwohl es Raum für Spekulationen lässt, eine abgeschlossene Geschichte, mit einem Ende, dass man sich eigentlich auch nicht schöner wünschen kann. Zumindest seh ich das so. :)

4,5 von 5 Sternen "Vielschichtig und voller Tiefgang."

4,5 von 5 Sternen
„Vielschichtig und voller Tiefgang.“

Fazit

Ich würde jetzt nicht sagen, dass Anders für Kinder besonders interessant ist, weil doch relativ wenig darin passiert. Die Handlung lebt vor allem von den Charakteren und ihren Beziehungen untereinander und weniger von den typischen Spannungselementen, wie man sie in vielen Kinder- und Jugendbüchern findet. Dennoch besticht das Buch mit seiner ganz eigenen Art und Tiefgründigkeit und hebt sich dadurch vom immer wiederkehrenden Einheitsbrei ab. Dadurch wird es auch für erwachsene Leser interessant. Es ist eben tatsächlich „anders“. Leseempfehlung von mir und ein großes Lob an den Autor. :thumbup:

Jay

 

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